Die Börse Stuttgart hat ein neues Handelssegment eröffnet: Mit Bondm
wollen die Stuttgarter Unternehmen den Weg zur direkten
Kapitalbeschaffung bei Privatanlegern ebnen. Warum sollte eine Bank
dazwischen sitzen und eine Marge dafür einstecken, dass sie nichts
weiter tut, als das Risiko an Privatanleger weiterzureichen? So
zumindest ist mein erster Eindruck, wenn ich diese Vorgänge beobachte.
So habe ich mir die jüngste Neuemission einmal näher angeschaut: 8,5%
Verzinsung wird versprochen, bei quartalsweiser Auszahlung. Die
Laufzeit beträgt fünf Jahre und das Volumen ist mit 200 Mio. Euro für
ein Unternehmen, das überhaupt nur 320 Mio. Euro Marktkapitalisierung
auf die Waagschale bringt, recht stolz. Bis zum Freitag kann die
Anleihe noch gezeichnet werden, ist jedoch jetzt schon überzeichnet.
Das spricht für eine große Nachfrage seitens der Anleger.
Institutionelle Anleger dürfen an dieser Anleihe nicht teilhaben, denn
institutionelle Anleger, also Profis, müssen bestimmte
Mindestanforderungen bei den Papieren nachweisen, die sie kaufen. So
müssen Anleihen beispielsweise mit einer Sicherheit hinterlegt sein.
Diese Sicherheit sollte vorrangig sein, damit man im Falle eines
Falles VOR anderen Gläubigern die Vermögenswerte des Unternehmens zur
Begleichung der Schuld versilbern kann. Nachrangig besicherte Anleihen
sind daher weniger attraktiv für institutionelle Anleger und müssen
daher mit einer höheren Verzinsung locken, sozusagen ein
Risikoaufschlag.
Nicht besicherte Anleihen dürfen die meisten institutionellen Anleger
garnicht kaufen. Auf Treu und Glaube verleiht heute niemand mehr Geld.
Zumindest nicht unter den Profis, die sich mit der Materie auskennen.
Der unwissende Privatanleger hingegen kann mit seinem Ersparten tun
und lassen was er will. Und in einer Zeit, in der man von der Bank
Guthabenzinsen von 2% oder weniger erhält, scheint es lohnend zu sein,
sich ein 8,5%iges Versprechen einmal näher anzuschauen. Die Recherche
des Privatanlegers endet sodann meist schon an dem Punkt, wo er die
Bonität des Emittenten, also in diesem Fall der Air Berlin, untersucht.
Ich maße mir nicht an, für ein Unternehmen, das in den meisten Jahren
seiner Geschäftstätigkeit einen Verlust ausgewiesen hat, eine
Überlebensprognose für die nächsten fünf Jahre zu treffen. Kann sein,
kann aber auch schief gehen. Keine Ahnung. Aber schauen Sie sich mal
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Stephan Heibel, Heibel-Ticker |
Stephan Heibel schrieb 1998 erstmals seinen Börsenbrief und ist heute Herausgeber und Chefredakteur des Heibel-Ticker Börsenbriefes. Als Diplom Volkswirt legt er besonderen Wert auf das Verständnis für die Finanzmärkte. Empfehlungen werden aus der Erklärung der aktuellen Entwicklungen abgeleitet. die kostenfreie Version können Sie hier beziehen: www.heibel-ticker.de
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