Jahrzehntelang galten offene Immobilienfonds als ideale Anlageform des kleinen Mannes und der kleinen Frau, um in Bürohäuser, Hotels und Lagerhallen zu investieren. Schon für Beträge von weniger als 100 Euro ließ sich die Anlageklasse Immobilien ins Depot holen. Die Anteilscheine konnten täglich gekauft und wieder veräußert werden, sie brachten im Jahr eine ordentliche Rendite von vier und mehr Prozent und waren weitgehend gegen Wertverluste gesichert. Schließlich investierten sie in beständige Immobilien.
Das war einmal. Die Probleme begannen, als immer mehr Großanleger die Fonds entdeckten und als Parkstation für liquide Mittel nutzten. Die erst hohen Zuflüsse und später raschen Abflüsse konnten die Immobilienfonds, die langfristig ausgerichtet sind, nur mühsam managen. Im Jahr 2005 kamen Immobilienfonds der Deutschen Bank und der Dekabank in die Bredouille. Während die Sparkassen ihren Immobilienfonds stützten, schloss die Deutsche Bank ihren Grundbesitz-Invest vorübergehend. Diese Möglichkeit sieht das Gesetz ausdrücklich vor, um den Besitz der Anleger zu sichern. Wenig später erwischte es Fonds der Gesellschaft Kanam International, die zuvor durch hohe Renditen aufgefallen waren. Die Finanzkrise und der damit einhergehende Verfall der Preise auf den internationalen Immobilienmärkten verschärften die Schwierigkeiten. Immer mehr Fonds nahmen keine Anteile mehr zurück, froren das Geld der Anleger ein. Doch das Desaster konnte nicht aufgehalten werden. Inzwischen stehen drei Fonds vor der Abwicklung, sieben weitere sind geschlossen. Von den geöffneten zwölf Fonds hält BÖRSE ONLINE nur vier für kaufenswert, da sie hohe Chancen auf Mittelzuflüsse haben. Drei würden wir hingegen verkaufen.
Als wir im Mai erstmals zum Verkauf einzelner offener Immobilienfonds rieten, lösten wir eine Welle des Protests aus. Unsere Skepsis war berechtigt. Und wir werden die Produkte weiter im Auge behalten. Schließlich werden sie nach der Umsetzung der geplanten neuen Gesetzesvorschriften ihren Charakter erheblich verändern. Sie werden nur eingeschränkt verfügbar sein und damit die Wesensart eines offenen Fonds verlieren.
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Stefanie Burgmaier, BÖRSE ONLINE |
Stefanie Burgmaier ist Chefredakteurin des Anlegermagazins Börse Online. In dieser Funktion ist die gelernte Bank- und studierte Diplom-Kauffrau auch für den Internetauftritt www.boerse-online.de und das Anlegerschutzportal www.graumarktinfo.de verantwortlich. Das Magazin, das sich mit Aktien, Zertifikaten, Fonds, Anleihen und Privaten Finanzen beschäftigt, erscheint jeden Donnerstag. Neukunden erhalten ein vierwöchiges Probeabonnement zum Vorzugspreis.
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