Die einst sichere Anlageklasse findet keinen Weg aus der Krise.
Die Hamburger Börse freut sich. Der Fondshandel war im Oktober mit
Umsätzen von 270 Millionen Euro sehr erfreulich. Für Anleger steckt
in dieser Nachricht allerdings wenig Gutes. Denn neun der zehn am
meisten gehandelten Fonds betrafen Anteile offener Immobilienfonds,
die von den Fondsgesellschaften selber derzeit nicht zurückgenommen
werden. Mehr als 90 Millionen Euro des Umsatzes fiel allein auf den
DEGI Europa, der ganz aufgelöst werden soll und aus dem die Anleger
scharenweise über die Börse flüchten. Vor einbrechenden Umsätzen im
Fondshandel braucht sich die Börse vorerst keine Sorgen zu machen.
Gerade hat der DEGI International verkündet, ein weiteres Jahr die
Anteilsrücknahme auszusetzen.
Was ist aus der Anlageklasse geworden, die sich einst durch ein
äußerst geringes Risiko bei gleichzeitig verhältnismäßig hoher
Rendite auszeichnete. Solches Idealverhältnis wiesen Offene
Immobilienfonds (OIF) seit über 40 Jahren aus. Wen wundert’s da,
dass diese Anlageklasse ein fester Bestandteil bei jeder
Vermögensstrukturierung war. So erreichten OIF, die in deutsche
Immobilien investieren, bis vor der Krise eine durchschnittliche
Rendite von jährlich rund 4,2%. Die Volatilität betrug dabei nur
1,8%. Europäische OIF kamen schon auf eine durchschnittliche Rendite
von jährlich rund 6,2% bei einer Volatilität von 4,9%. Dies führte
dazu, dass diese Anlageklasse regelmäßig auf der Effizienzlinie lag,
die im Anlageuniversum die Performance im Verhältnis zum Risiko
(Volatilität) anzeigt (s. Grafik). Ein idealer Baustein also, um ein
Vermögen gut zu strukturieren.
Offene Immobilienfonds werden vom Fondsverband als Risikoprodukte
erklärt
Nach den Schließungen vieler Produkte und den
Auflösungsankündigungen bestätigt der Fondsbranchenverband BVI nun
offiziell, dass OIF mittlerweile als Risikoprodukte anzusehen sind.
„Die Story vom absolut risikolosen Produkt besteht nicht mehr“,
sagte Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer des BVI. Daran dürfte auch
die Reform der Bundesregierung zu Offenen Immobilienfonds nicht viel
ändern. Diese sieht zwar vor, dass Anleger bis auf einen monatlichen
Betrag von 5.000 Euro künftig Mindesthaltefristen einhalten müssen.
In den ersten zwei Jahren ist eine Rückgabe von Anteilen
ausgeschlossen, im dritten Jahr muss ein Rücknahmeabschlag von 10%
und im vierten Jahr ein Rücknahmeabschlag von 5% in Kauf genommen
werden. Dennoch wird auch mit dieser Aktion, die das kurzfristige
Parken von Liquidität in OIF verhindern soll, das Vertrauen in diese
Anlageklasse so schnell nicht zurückkehren.
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Christian Mallek, Sigavest Vermögensverwaltung |
Christian Mallek, geschäftsführender Gesellschafter der Sigavest Vermögensverwaltung, Berlin. Mallek, European Financial Planner, ist ehemaliger Private Banker der Dresdner Bank. Seit 2001 betreut er vermögende Privatkunden in Berlin. Seit 2007 steuert Sigavest den Sigavest Vermögensverwaltungsfonds UI (Wkn A0MZ31).
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