Gestern brach der Dow Jones in der Spitze um 1,3% während des Tages
ein. Schuld daran war die Meldung, die Staatsanwaltschaft untersuche
den wohl größten Insider-Skandal in der Börsengeschichte. Am deutschen
Markt wurde diese Tatsache nicht mit dem heimischen Ausverkauf in
Verbindung gebracht. Hier herrscht das Irland-Thema vor. Erstaunlich,
denn gerade da wurde ja bereits eine Lösung präsentiert. Wie Sie
meiner Ausgabe vom vergangenen Freitag entnehmen konnten, jedoch eine
Lösung, die ich keineswegs als geeignet erachte, die Probleme
dauerhaft in den Griff zu bekommen. Zumindest der Euro hat den kleinen
Angriff durch das irische Pfund leicht weggesteckt.
Nein, die EU-Probleme haben meines Erachtens nichts mit dem Ausverkauf
an der Wallstreet zu tun. Hier geht es um einen Insider-Skandal, wie
ihn die Finanzwelt bisher noch nicht kannte. Bereits vor circa einem
Jahr wurde der Gründer des Hedgefonds Galleon Group, Raj Rajaratnam,
wegen Insiderhandels verhaftet. Mittlerweile ist er gegen Kaution auf
freiem Fuß und wird nicht müde zu bezeugen, dass er lediglich die
verfügbaren Informationen genutzt habe. Die Anklage des New Yorker
Bundesstaatsanwalts Preet Bharara lautete jedoch, dass die Galleon
Group Insidern von börsennotierten Unternehmen gegen Bezahlung die
Insiderinfos abgekauft habe, was sicher mit jeweils sechsstelligen
Summen einherging.
Hier müssen wir uns die beiden Sachverhalte näher anschauen: Zum einen
geht es um die berechtigten Ermittlungen gegen gesetzeswidrige
Insidergeschäfte zum anderen die ebenso berechtigte Anklage der US-
Presse, dass solche exorbitanten Summen, die dem Informationsvorsprung
dienen, den Privatanleger völlig ausbremsen. Hinzu kommt, dass sich
Privatanleger auch das wirklich teuere Analsyten-Research nicht
leisten können. Die größten Investitionen der Hedgefonds allerdings
werden in die Entwicklung von Handelssystemen gesteckt, die
schnellstmöglichst alle kursrelevanten Infos verarbeiten und in
Echtzeit daraus Handlungsempfehlungen ableiten. Hierzu werden sogar
die horrendesten Mietpreise bezahlt, um das Büro möglichst nahe an der
NYSE zu platzieren, damit die Kabelwege zum Handelscomputer möglichst
kurz sind und so vielleicht ein paar Hundertstelsekunden an
Informationsvorsprung gewonnen werden. Nicht genug des Vorteils
offensichtlich greifen einige Hedgefonds auch noch auf Insiderinfos
zurück um die Nase vorn zu haben. Diesem Geschäftsgebahren soll nun im
bisher größten Verfahren gegen Insiderhandel begegnet werden.
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Stephan Heibel, Heibel-Ticker |
Stephan Heibel schrieb 1998 erstmals seinen Börsenbrief und ist heute Herausgeber und Chefredakteur des Heibel-Ticker Börsenbriefes. Als Diplom Volkswirt legt er besonderen Wert auf das Verständnis für die Finanzmärkte. Empfehlungen werden aus der Erklärung der aktuellen Entwicklungen abgeleitet. die kostenfreie Version können Sie hier beziehen: www.heibel-ticker.de
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