Die Heimat bestimmt die Einschätzung. Während Max Otte, Jens Erhardt und Bert Flossbach, die allesamt in Deutschland leben, die europäische Schuldenkrise für bezwingbar halten, ist der amerikanische Starökonom Nouriel Roubini skeptischer. Für den New Yorker Wirtschaftsprofessor, der schon 2006 vor einer möglichen Finanzkrise warnte, droht eine Ausweitung des Dilemmas, das wir zunächst in Griechenland und Irland erlebt haben, über die Eurozone hinaus nach Osteuropa. Die dortige Lage sei fragil, so dass Gefahr für österreichische, deutsche, italienische aber auch angelsächsische Banken aufziehe. Die Europäische Zentralbank und die deutsche Bundeskanzlerin verschlimmerten die Lage. Sie sollten lieber die Wirtschaft stimulieren, anstatt Ausgaben zu drosseln.
Hingegen weist sein deutscher Kollege Max Otte, der ebenfalls schon 2006 einen drohenden Crash heran nahen sah und zum zweiten Mal in Folge von den BÖRSE ONLINE-Leser zum Börsenstar des Jahres gewählt wurde, den Hauptkrisenherd in Amerika. Dort gebe es mittlerweile eine Staatswirtschaft mit einem Haushaltsdefizit von elf Prozent und einer Potenzialunterauslastung von nur 20 Prozent. Auch Jens Erhardt, der den Titel des Börsenstars 2008 errang und diesmal auf Platz zwei landete, glaubt, dass Irland Europa nicht in den Keller reißt. Der Bronzemedaillen-Gewinner 2010 Bert Flossbach, der viel umher reist, sieht zwar durchaus Gefahren in Europa, aber nicht in Griechenland, Irland und Portugal, sondern vor allem in Spanien und Italien .
Könnte es sein, dass wir Situationen, die wir aus eigener Anschauung kennen, für leichter beherrschbar halten, als die Dinge, von denen wir nur aus zweiter Hand erfahren? Zugegeben auch der Amerikaner Roubini ist nicht optimistisch für sein Heimatland, allerdings sieht er die Schuldenspirale vor allem auf Ebene der Kommunen und Bundesstaaten. Während die deutschen Geldprofis fast im Chor zur Anlage in Sachwerten, vor allem in Aktien raten, ist der US-Professor skeptischer. Er investiert seit Beginn der Krise nicht mehr in den Aktienmarkt, sondern hält nur noch Bargeld. Bleibt zu hoffen, dass die deutschen Börsianer Recht behalten.
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Stefanie Burgmaier, BÖRSE ONLINE |
Stefanie Burgmaier ist Chefredakteurin des Anlegermagazins Börse Online. In dieser Funktion ist die gelernte Bank- und studierte Diplom-Kauffrau auch für den Internetauftritt www.boerse-online.de und das Anlegerschutzportal www.graumarktinfo.de verantwortlich. Das Magazin, das sich mit Aktien, Zertifikaten, Fonds, Anleihen und Privaten Finanzen beschäftigt, erscheint jeden Donnerstag. Neukunden erhalten ein vierwöchiges Probeabonnement zum Vorzugspreis.
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