Auch wenn es sich nach dem berühmten Spucken in die Suppe anhört –
dass der EU-Rettungsfonds in dieser Woche mit seinem Anleihendebüt
eine rekordverdächtige Zeichnungswelle ausgelöst hat, ist in
Wirklichkeit keine Kunst. Einem zu platzierenden Volumen von 5 Mrd.
Euro standen in den Orderbüchern Aufträge in einem Umfang von
stattlichen 44,5 Mrd. Euro gegenüber. Doch das sollte nicht
verwundern, weil zum einen der Bond mit 2,89% eine Rendite abwirft,
die deutlich über der vergleichbarer Bundesanleihen liegt und die
guten Euro-Schuldenländer für eine hohe Bonität sorgen. Zum anderen
hatte Japan durch die angekündigte Abnahme von 1 Mrd. Euro von
vorne herein den Erfolg der Emission begünstigt.
Dass die massive Überzeichnung des Bonds nun von mancher Seite als
Riesenerfolg beschrieben wird, sollte eher zur Vorsichtig mahnen.
Denn wer garantiert, dass mit dem gelungenen Emissionsdebüt des
Rettungsfonds nicht Stimmung gemacht wird für das, was da noch
kommen soll. Das könnte nämlich die Emission des ersten Eurobonds
sein, für den der Bonden jetzt bereitet wird. Nachtigall, ick hör’
dir trapsen.
So bewertete man auch im Handel die hohe Nachfrage nach dem Bond als
unrealistisch. Denn es ist typisch für Investoren, dass bei
gefragten Neuemissionen die Zeichnungssumme hochgetrieben wird,
damit die Zuteilungssumme möglichst hoch ausfällt.
Insgesamt wurde die Anleihe unter rund 500 Investoren aufgeteilt.
Schwerpunkt der Abnehmer waren Anleger aus dem asiatischen Raum mit
einem Anteil von rund 37%. Allein Japan hat 1 Mrd. Euro erworben.
Zweitstärkste Fraktion waren britische Adressen mit rund 15% des
Emissionsvolumens. Von der Anleihe gehen 3,3 Mrd. Euro an Irland in
Form eines Kredits. Das restliche Kapital von 1,7 Mrd. wird für
mögliche Bonitätsverbesserungen vorgehalten. Damit soll
gewährleistet werden, dass das Rating von AAAe stabil bleibt. Nun
liegt es jedoch an Irland die Verbindlichkeiten aus fristgerecht und
ordentlich zurückzubezahlen.
Zinsdruck nach oben
In der abgelaufenen Handelswoche bildete sich aus den
unterschiedlichsten Gründen eine Aufwärtsbewegung bei den Zinsen
heraus. Erstmals seit ca. eineinhalb Jahren notierte der
Tagesgeldsatz im europäischen Interbankengeschäft wieder über dem
von der Europäischen Zentralbank festgelegten Leitzins. Die Gründe
hierfür sind vielschichtig, und sicherlich spiegelt sich darin eine
infolge aufkommender Inflation und eines rekordverdächtigen Anstiegs
der Importpreise in Deutschland wider. Die gestern veröffentlichten
deutschen Importpreise sind im Dezember in einer seit 29 Jahren
nicht erreichten Größenordnung gestiegen. Sie zogen um sage und
schreibe 12% gegenüber dem Vorjahresmonat an. Zurückzuführen ist
dieser Anstieg auf die Kostenerhöhung bei Energie, Rohstoffe und
Nahrungsmittel. Dieses Problem trifft aber nicht nur Deutschland,
sondern insbesondere Großbritannien. Die Inflation ist dort
ebenfalls merklich angestiegen, allerdings geht dies mit einem
gleichzeitigen Einbruch der Wirtschaftsleistung einher. Die
britische Notenbank steht somit vor einer schier unlösbaren Aufgabe
und spielt weiterhin auf Zeit. Zu groß ist die Angst aller
Notenbanken das mühsam, mit großer rhetorischer und finanzieller
Kraft gehegte zarte Konjunkturpflänzchen mit einer Zinserhöhung
zunichte zu machen. In Deutschland könnten wir zwar eine
Zinserhöhung verkraften, aber alle unsere Partnerländer würden unter
der neuerlichen Zinslast stöhnen. Nun beginnt die eigentliche Arbeit
der Zentralbanker, denn nun muss fein justiert werden. Inflation in
dosierten, nicht toxischen Mengen zulassen, Zinslasten für die
öffentlichen Haushalte auf niedrigem Niveau halten,
Haushaltsdisziplin von den Politikern einfordern, Zuversicht
ausstrahlen, Wirtschaftswachstum generieren und mit neuen
Stresstests das Bankensystem stabilisieren.
Der Markt für Corporate Bonds kommt wieder in die Gänge
Der Primärmarkt meldet sich zurück. Nachdem die Anfangswochen des
Jahres ruhig verliefen, wurden diese Woche zahlreiche Neuemissionen
ausgegeben.
STOCK-WORLD Investments – Einfach mehr wissen!
Ist jeder Tag ein Kauftag? Mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit von 57% stehen die weltweiten Bluechips in einem Jahr auf einem höheren Kursniveau.
Abonnieren Sie jetzt den kostenlosen Newsletter STOCK-WORLD Investments und erfahren Sie mehr über die Trefferquoten der gängigsten Handelsstrategien. Hier klicken
=> Diese Kolumne ins Forum einfügen und diskutieren <=
|
Klaus Stopp, Baader Bank AG |
Klaus Stopp ist stv. Leiter Rentenhandel bei der Baader Bank AG. Baader betreut an den Börsenplätzen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und München u.a. den Handel mit Anleihen und betreut Deutschlands führende Anleihen-Website Bondboard.
Link zum BLOG: http://blog.ad-hoc-news.de/baader-bond-markets/
Alle Artikel dieses Autors anzeigen |
|
Devin Sage TXA ... Devin Sage, Technische-X-Analyse.de (16:06) |
|
|
Erfolgreicher Börsengang !!! Bernd Niquet, Autor (11:14) |
|
|
DAX & Facebook ... Frank Sterzbach, Finanzen & Börse (11:10) |
|
|
Dow Jones alles auf ... Jochen Steffens, Stockstreet GmbH (10:28) |
|
|
GOLD: Baldiges Ende ... Günther Artner, CFA - Erste Group B. (10:03) |
|
|
Hüfners ... Redaktion boerse-frank., Deutsche Börse AG (09:33) |
|
|
Ungarn-Anleihe: Mögliche ... Sven Krupp, (09:02) |
|
|
DAX: Weiterer ... S. Böhm, DaxVestor (07:30) |
|
|
US-Dollar: Vorläufiges ... Herr Dr. Rettinger, Devisen-Trader (07:23) |
|
|
Nullzins-Anleihe ... Sabine Traub, Börse Stuttgart AG (07:08) |
|
|
Bellhaven Copper & ... Stefan Bender, silbernews (25.05.12) |
|
|
Euro-BTP-Futures: Forza ... Dirk Friczewsky, Tradingstrategien (25.05.12) |
|