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Investor Weekly 9/2010
Im griechischen Theater der Antike unterscheidet
sich die Tragödie von der Komödie unter anderem dadurch
dass die Ursachen und Urheber der Ereignisse bekannt sind. In
diesem Sinne ist auch die moderne Inszenierung des griechischen
Bankrotts eine Tragödie.
Wie geht es weiter?
Denn die oberflächlichen Gründe sind ja
hinreichend bekannt. Mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der griechischen
Wirtschaft, völlig marode und unterfinanzierte Sozialsysteme,
Anspruchdenken und flächendeckende Korruption. Last but not
least der griechische Hang zur Anarchie, der beispielsweise bewirkt,
dass nur rund 5.000 Griechen offiziell mehr als 100.000 EUR verdienen?
Aber das sind nur die oberflächlichen Gründe - wirklich
ursächlich ist natürlich, wie jeder Anhänger der
Österreichischen Schule sofort zustimmen wird, die absolut
verfehlte Währungspolitik. Ein Währungssystem, das es
der politischen Klasse, egal ob nun in Griechenland oder den USA,
möglich macht, immer mehr aufzuschulden und die notwendigen
Umstellungen immer wieder in die Zukunft zu verlagern, führt
eben genau zu derartigen Exzessen, wie wir sie derzeit in Griechenland
erleben (und nicht nur dort). Das Ende vom Lied lautet natürlich
Staatsbankrott. Der ist in diesem Falle aber politisch nicht erwünscht.
Denn die europäische Währungsgemeinschaft wurde weniger
aus wirtschaftlichen Überlegungen, als vielmehr aus politischen
Erwägungen geschaffen: als erster Schritt hin zu einer politischen
Union. Ein Ausscheiden der Griechen aus der Währungsunion
würde das Vorhaben scheitern lassen. Aus diesem Grund wird
alles getan werden um erst einmal Griechenland, später andere
Nationen wie Italien, Spanien oder Portugal zu retten.
George Soros als Deus ex machina
Kein Wunder also, dass der berühmt-berüchtigte
George Soros wie ein antiker "Deus ex machina" plötzlich
auf der Bühne erscheint und ungefragt Ratschläge verteilt.
Wohlgemerkt eben jener George Soros, der als langjähriger
Bilderberger bestens informiert ist (mehr zum Thema Bilderberger
lesen Sie im aktuellen Heft) und sich an bisher jeder Währungskrise
eine goldene Nase verdient hat. Jedenfalls verkündete er
in der Financial Times Deutschland, dass die Lösung des griechischen
Problems wie folgt lautet: die Errichtung eines europäischen(!)
Finanzamtes und die Ausgabe europäischer Anleihen. Dass damit
das Problem nicht entschärft werden, sondern bestenfalls
wieder ein wenig in die Zukunft verlagert wird, interessiert ihn
dabei wenig. Für uns ist es natürlich durchaus von Interesse,
denn die weitere Aufschuldung ist eine zentrale Vorrausetzung
unseres Crack-up-Boom Szenarios (CuB). Durch die Ausgabe europäischer
Anleihen würde das Rad der Aufschuldung am Laufen gehalten,
ja vermutlich sogar noch beschleunigt werden. Denn die bereits
erwähnten Nationen und vermutlich noch einige andere dürften
in diesem Falle hoch erfreut sein, ein letztes Mal die Gelegenheit
zu erhalten, sich "günstig" weiter zu verschulden. Für
die Bürger und Steuerzahler ist es dabei egal, ob das Stück,
welches gegeben wird, eine Komödie, eine Tragödie oder
am Ende nur eine Farce ist - ihr Rücken wird als Bühne
dienen. Der CuB jedoch dürfte in eine neue Phase eintreten.
Zu den Märkten
Die scharfe Aufwärtsbewegung seit vergangenem
Freitag Nachmittag überrascht uns doch in kurzfristiger Hinsicht
ein wenig. Schließlich gingen wir bis Mitte März von
noch weiter anhaltender Schwäche an den Börsen aus.
Möglich, dass wir noch recht bekommen; aber auch möglich,
dass sich die Aktienbörsen bereits auf den nächsten
Bullenschub vorbereiten. Wie dem auch sei: wir bleiben bei unserer
mittel- bis langfristig sehr, sehr bulllishen Sicht für die
Aktien- und die Rohstoffmärkte - aber auch gleichzeitig bei
unserer sehr negativen Sicht für die Staaten, Staatsgebilde
wie die EU und die jeweiligen Gesellschaften. Wer glaubt, beides
passe nicht zusammen, der hat sich mit dem Crack-up-Boom-Szenario
noch nicht auseinandergesetzt. Es stellt sozusagen die Synthese
der derzeit herrschenden Extremmeinungen "Finanz-Armageddon-voraus!"
(= Meinung der Superpesssimisten) und "Es-wird-alles-wieder-gut"
(Meinung der Dauer-Bullen) dar.
Der Euro wird dementsprechend mittel- bis langfristig weiter
unter die Räder kommen, auch und gerade gegenüber dem
Dollar. Und Edelmetalle werden langfristig natürlich von
den katastrophalen Entwicklungen an den Währungsmärkten
profitieren.
Und mag der griechische Aktienmarkt derzeit von der Schuldenkrise
des Landes gebeutelt werden, auch er wird sich dem CuB nicht entziehen
können.

Musterdepot
Wegen der wieder anziehenden Börsen ist keines
der letzte Woche aufgegebenen Kauflimits aufgegangen. Allerdings
sind wir ja schon ganz ordentlich investiert, weswegen wir keinesfalls
unruhig werden. Dennoch wollen wir bei zwei Kursen nun doch unlimitiert
kaufen:
Die 500 Aktien des brasilianischen Rohstoffkonzerns Vale (WKN:
A0R N7M) werden wir zur morgigen Eröffnung billigst in Frankfurt
erwerben. Ebenso erwerben wir zur morgigen Eröffnung 50 Aktien
des japanischen Spielekonsolenherstellers Nintendo (WKN: 864 009).
Die anderen Limits belassen wir gleich, auch wenn sie teilweise
sehr weit von den aktuellen Kursen entfernt liegen:
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Ralf Flierl, Smart Investor |
Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor".
Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated,
non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003
eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit,
das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.
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