Griechenland - und kein Ende



18:02 02.03.10

Smart Investor Weekly 9/2010
Im griechischen Theater der Antike unterscheidet sich die Tragödie von der Komödie unter anderem dadurch dass die Ursachen und Urheber der Ereignisse bekannt sind. In diesem Sinne ist auch die moderne Inszenierung des griechischen Bankrotts eine Tragödie.

Wie geht es weiter?
Denn die oberflächlichen Gründe sind ja hinreichend bekannt. Mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft, völlig marode und unterfinanzierte Sozialsysteme, Anspruchdenken und flächendeckende Korruption. Last but not least der griechische Hang zur Anarchie, der beispielsweise bewirkt, dass nur rund 5.000 Griechen offiziell mehr als 100.000 EUR verdienen?
Aber das sind nur die oberflächlichen Gründe - wirklich ursächlich ist natürlich, wie jeder Anhänger der Österreichischen Schule sofort zustimmen wird, die absolut verfehlte Währungspolitik. Ein Währungssystem, das es der politischen Klasse, egal ob nun in Griechenland oder den USA, möglich macht, immer mehr aufzuschulden und die notwendigen Umstellungen immer wieder in die Zukunft zu verlagern, führt eben genau zu derartigen Exzessen, wie wir sie derzeit in Griechenland erleben (und nicht nur dort). Das Ende vom Lied lautet natürlich Staatsbankrott. Der ist in diesem Falle aber politisch nicht erwünscht. Denn die europäische Währungsgemeinschaft wurde weniger aus wirtschaftlichen Überlegungen, als vielmehr aus politischen Erwägungen geschaffen: als erster Schritt hin zu einer politischen Union. Ein Ausscheiden der Griechen aus der Währungsunion würde das Vorhaben scheitern lassen. Aus diesem Grund wird alles getan werden um erst einmal Griechenland, später andere Nationen wie Italien, Spanien oder Portugal zu retten.

George Soros als Deus ex machina
Kein Wunder also, dass der berühmt-berüchtigte George Soros wie ein antiker "Deus ex machina" plötzlich auf der Bühne erscheint und ungefragt Ratschläge verteilt. Wohlgemerkt eben jener George Soros, der als langjähriger Bilderberger bestens informiert ist (mehr zum Thema Bilderberger lesen Sie im aktuellen Heft) und sich an bisher jeder Währungskrise eine goldene Nase verdient hat. Jedenfalls verkündete er in der Financial Times Deutschland, dass die Lösung des griechischen Problems wie folgt lautet: die Errichtung eines europäischen(!) Finanzamtes und die Ausgabe europäischer Anleihen. Dass damit das Problem nicht entschärft werden, sondern bestenfalls wieder ein wenig in die Zukunft verlagert wird, interessiert ihn dabei wenig. Für uns ist es natürlich durchaus von Interesse, denn die weitere Aufschuldung ist eine zentrale Vorrausetzung unseres Crack-up-Boom Szenarios (CuB). Durch die Ausgabe europäischer Anleihen würde das Rad der Aufschuldung am Laufen gehalten, ja vermutlich sogar noch beschleunigt werden. Denn die bereits erwähnten Nationen und vermutlich noch einige andere dürften in diesem Falle hoch erfreut sein, ein letztes Mal die Gelegenheit zu erhalten, sich "günstig" weiter zu verschulden. Für die Bürger und Steuerzahler ist es dabei egal, ob das Stück, welches gegeben wird, eine Komödie, eine Tragödie oder am Ende nur eine Farce ist - ihr Rücken wird als Bühne dienen. Der CuB jedoch dürfte in eine neue Phase eintreten.
Zu den Märkten
Die scharfe Aufwärtsbewegung seit vergangenem Freitag Nachmittag überrascht uns doch in kurzfristiger Hinsicht ein wenig. Schließlich gingen wir bis Mitte März von noch weiter anhaltender Schwäche an den Börsen aus. Möglich, dass wir noch recht bekommen; aber auch möglich, dass sich die Aktienbörsen bereits auf den nächsten Bullenschub vorbereiten. Wie dem auch sei: wir bleiben bei unserer mittel- bis langfristig sehr, sehr bulllishen Sicht für die Aktien- und die Rohstoffmärkte - aber auch gleichzeitig bei unserer sehr negativen Sicht für die Staaten, Staatsgebilde wie die EU und die jeweiligen Gesellschaften. Wer glaubt, beides passe nicht zusammen, der hat sich mit dem Crack-up-Boom-Szenario noch nicht auseinandergesetzt. Es stellt sozusagen die Synthese der derzeit herrschenden Extremmeinungen "Finanz-Armageddon-voraus!" (= Meinung der Superpesssimisten) und "Es-wird-alles-wieder-gut" (Meinung der Dauer-Bullen) dar.

Der Euro wird dementsprechend mittel- bis langfristig weiter unter die Räder kommen, auch und gerade gegenüber dem Dollar. Und Edelmetalle werden langfristig natürlich von den katastrophalen Entwicklungen an den Währungsmärkten profitieren.

Und mag der griechische Aktienmarkt derzeit von der Schuldenkrise des Landes gebeutelt werden, auch er wird sich dem CuB nicht entziehen können.

Chart

Musterdepot
Wegen der wieder anziehenden Börsen ist keines der letzte Woche aufgegebenen Kauflimits aufgegangen. Allerdings sind wir ja schon ganz ordentlich investiert, weswegen wir keinesfalls unruhig werden. Dennoch wollen wir bei zwei Kursen nun doch unlimitiert kaufen:

Die 500 Aktien des brasilianischen Rohstoffkonzerns Vale (WKN: A0R N7M) werden wir zur morgigen Eröffnung billigst in Frankfurt erwerben. Ebenso erwerben wir zur morgigen Eröffnung 50 Aktien des japanischen Spielekonsolenherstellers Nintendo (WKN: 864 009).
Die anderen Limits belassen wir gleich, auch wenn sie teilweise sehr weit von den aktuellen Kursen entfernt liegen:



Kauflimit für 40.000 Stück Indofood (WKN: 891 724) bei 0,25 EUR
Kauflimit für 250 Stück Fielmann (WKN: 577 220) bei 56,50 EUR
Kauflimit für nun 400 Stück CTS Eventim (WKN: 547 030) bei 31,60 EUR

Die neue Ausgabe ist draußen
Vergangenen Samstag erschien die Märzausgabe des Smart Investor. Im Focus stehen diesmal die unabhängigen Vermögensverwalter und -berater. Seitdem sich Bankberater mehr und mehr als Verkäufer der hauseigenen Produkte entpuppten, gewinnen die Unabhängigen an Profil. Wir erklären, was die Merkmale eines unabhängigen Beraters sind und worauf Sie unbedingt bei der Wahl eines solchen achten sollten. Außerdem blicken wir auf die ZfU in Zürich zurück und werfen ein Schlaglicht auf den elitären und so gut wie unbekannten Club der Bilderberger. Daneben erläutern wir, warum der CuB nun in die zweite Runde geht. Gregor Hochreiter stellt die Sicht der Österreichischen Schule auf die Schuldenexzesse dar. Abgerundet wird das Heft schließlich durch eine Vielzahl an Interviews u.a. mit der Analystenlegende Ralph Acampora, dem US-Politiker Ron Paul und "Goldbug" James Turk.

Fazit
Griechenland bewegt nach wie vor die Menschen und die Medien. Und aus unserer Perspektive deutet nichts daraufhin, dass sich dies schnell ändern wird. Sollten die Hellenen allerdings wider Erwarten aus der Währungsunion ausscheiden oder gar ausgeschlossen werden, sollten also Staaten, die dem Bankrott entgegen taumeln, nicht von der Union gestützt werden, dann würde ein wichtiges Treibmittel für den CuB wegfallen. Wir müssten dann unser Szenario noch einmal überdenken.
Ralf Flierl, Fabian Grummes
Hinweis auf mögliche Interessenskonflikte:
Eine mit "*" gekennzeichnete Aktie wird zum Zeitpunkt der Erscheinung dieser Publikation von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.

Ein kostenloses zweimonatiges Kennenlern-Abo des Magazins Smart Investor kann unter www.smartinvestor.de/abo angefordert werden.

Das aktuelle Inhaltsverzeichnis des Smart Investor Magazins ist unter http://www.smartinvestor.de/news/inhalt/index.hbs einzusehen. Sollten Sie den eMail-Versand abbestellen wollen, so benutzen Sie bitte den Abmelde-Link unter dem Newsletter bzw. schicken uns eine eMail mit dem Betreff "Abbestellen des SIW" an info@smartinvestor.de.
Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.

Die GoingPublic Media AG kann trotz sorgfältiger Auswahl und ständiger Verifizierung der Daten keine Gewähr für deren Richtigkeit übernehmen. Informationen zu einzelnen Unternehmen stellen keine Aufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Aktien dar.
© GoingPublic-Online 1999 - 2009




=> Diese Kolumne ins Forum einfügen und diskutieren <=




Attachments:

Anhang


Der Download und das Öffnen dieses/dieser Attachments erfolgt auf eigene Gefahr.
Hinweis: Stock-World veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Verantwortlich für den Inhalt ist allein der jeweilige Autor.

Über den Autor
 
Autor: Ralf Flierl Ralf Flierl,
Smart Investor

Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor". Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated, non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003 eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.

Alle Artikel dieses Autors anzeigen

Kurssuche
Status: nicht eingeloggt

Registrieren | Passwort vergessen?
 
 
Im Bereich Experten:
Börsenwoche DAX: Entscheidung fällt bei 7000 Zählern
Experte: Stefan Hofmann, Chefredakteur STOCK-WORLD WEE.
Kolumnen
Aktiensentiment - von ...
Ralf Flierl, Smart Investor (19:19)
Experte: Ralf Flierl, Smart Investor
Dax dreht in die ...
IG Markets, (18:08)
Experte: IG Markets,
DAX fällt nach ...
Cornelia Frey, Börse Stuttgart AG (16:03)
Experte: Cornelia Frey, Börse Stuttgart AG
BANK OF IRELAND - ...
H. Weygand, Godmode-Trader (14:21)
Experte: H. Weygand, Godmode-Trader
DAX Aufwärtstrend in ...
Thomas Heydrich, Systemstrading.de (13:05)
Experte: Thomas Heydrich, Systemstrading.de
Eine auffallende ...
Boris Schulze, Trendspekulant (12:42)
Experte: Boris Schulze, Trendspekulant
Goldproduzent Agnico-...
Björn Junker, GOLDINVEST.de (12:28)
Experte: Björn Junker, GOLDINVEST.de
Unrecht als rentable ...
Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG (10:51)
Experte: Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG
Wenig Rückenwind
Berndt Ebner, Der-Trading-Coach.com (10:16)
Experte: Berndt Ebner, Der-Trading-Coach.com
Wie weit geht die ...
Jochen Steffens, Stockstreet GmbH (10:12)
Experte: Jochen Steffens, Stockstreet GmbH
DAX Future ...
trading notes future, (10:05)
Experte: trading notes future,
Erst Informieren - dann ...
Lars Brandau, Deutscher Derivate Ve. (10:04)
Experte: Lars Brandau, Deutscher Derivate Verband
Niquet's World
Neues vom Portal
 
Quo vadis DAX - Jubiläum!
Experte: Max Fiedler, Stock-World
Letzte Börsen-Meldung
 
Letzte Börsen-Analyse
 
Top-Klicks News
 
Top-Klicks Analysen