Gut gewollt ist noch lange nicht gut getan. Das weis ein jeder, der
kritisch mit seinen eigenen Absichten ins Gericht geht. Der große
Soziologe Max Weber, neben Tönnies und Simmel einer der drei großen
Gründungsväter der deutschen Soziologie, sprach deshalb von einer
Verantwortungsethik und stellte sie der Gesinnungsethik nicht nur
gegenüber, sondern voraus.
Ich will Ihnen ein Beispiel dafür nennen. Nehmen wir z.B. die
derzeit stark im Steigen begriffenen Nahrungsmittelpreise. Allein im
Dezember sind die Preise gegenüber dem Vorjahr um +3,6 %
angestiegen. Da lese ich heute, dass in Deutschland ein Streit
darüber ausbrach, wer dafür verantwortlich ist. So lehnt der
Vorstandsvorsitzende des Rewe Konzerns die Preiserhöhungen durch die
Lebensmittelindustrie ab, weil die durch schlechte Ernten und darauf
aufsetzender Spekulation temporäre Verteuerung nicht an die
Verbraucher durchgereicht werden dürfe. Wobei ich mich dabei frage,
ob Herr Caparros sich so auch mit eigenen steigenden z.B.
Arbeitskosten anstellt. Ich gehe mal davon aus, dass er die auch
weiter reicht. Sonst bekäme die Rewe Gruppe schon bald ordentlich
Probleme. Aber das nur nebenbei.
Es macht sich halt gut in unserem Land unsinnige Dinge zu fordern.
Man hat dann schnell das Etikett „Gutmensch“, mit dem es sich
bestens leben lässt. Auch, wenn hinter den Kulissen alles den Bach
runter geht. Wen interessieren hier schon betriebswirtschaftliche
oder gar volkswirtschaftliche vernünftige und nicht
wegzudiskutierende Restriktionen? Und so fordern wir den Ausstieg
aus der Atomenergie und den Ausbau der erneuerbaren Energien, aber
bitte ohne weiteren Ausbau des Stromnetzes, was einer Quadratur des
Kreises gleichkommt. Und die Nahrungsmittelpreise sollen bitte auch
nicht steigen, obwohl die Weltbevölkerung drastisch zunimmt und die
Nachfrage nach höherwertigeren Lebensmitteln aus den Schwellenländer
aufgrund des gestiegenen Wohlstands deutlich zunimmt. Und dass auch
noch angesichts von Ernteausfällen.
Und wieder einmal sind die Spekulanten die Schuldigen. Gut, dass es
diese bösen, bösen Menschen gibt. Wenn nicht müsste man sie geradezu
erfinden. Wobei da ein Riesen-Ablenkungsmanöver betrieben wird. Die
Wahrheit ist, dass die Lebensmittelpreis über die Jahre
vergleichsweise gering angestiegen sind und gemessen am
Haushaltseinkommen prozentual sogar rückläufig sind. Das Ding hat
deshalb in der Volkswirtschaft einen Namen bekommen und zwar den des
Engelschen Gesetzes. Es besagt, dass es eine Gesetzmäßigkeit gibt,
dass der Einkommensanteil, den ein Privathaushalt für die Ernährung
ausgibt, mit steigendem Einkommen sinkt. Und wer uns Volkswirten das
nicht glaubt, soll einfach einmal die Bauern nach den Milch- oder
sonstigen Preisen fragen. Die werden Ihnen das Phänomen auch in der
Praxis bestätigen können.
Nun leisten wir uns aber in der westlichen Welt nach wie vor den
Luxus der nachwachsenden Rohstoffe. Während es in anderen Ländern
der Welt zu Aufständen wegen der höheren Preise für
Grundnahrungsmittel kommt, subventionieren wir hierzulande, aber
auch in den USA – natürlich mit gutem Gewissen - weiter kräftig den
Biosprit.
Dies geißelt seit Jahr und Tag kein geringerer als der CEO
(=Vorstandsvorsitzende) des weltweit größten Fleischproduzenten
Tyson Foods (ISIN: US9024941034). Chief Executive Smith ist seit
Jahren einer der schärfsten Kritiker der Subvention von Biosprit in
den USA, wo dieser direkt mit Subventionen und steuerlichen
Erleichterungen bis zu 40 % subventioniert wird. Um aus Korn
Bio-Ethanol herzustellen. Und dass er trotz der um 500 Mio. Dollar
höheren Zusatzfutterkosten den Gewinn um +86 % steigern konnte,
zeigt dass er kein schlechter Unternehmensführer ist. Wobei er die
Preise für Schweinefleisch um +24 % und für Rind um +16 % anhob. Was
meine These beweist, dass Aktien der beste Schutz gegen Inflation
sind. Wenn man denn Unternehmen kauft, die die Preissteigerungen
beim Materialeinkauf auf der Absatzseite weitergeben können.
Und so sollten vielleicht erst einmal die Staaten durch Rücknahme
ihrer vollkommen kontraproduktiven und preistreiberischen
Subventionen vorangehen, bevor ihre Repräsentanten wieder auf den
bösen Kapitalismus einprügeln. Wobei da dann das passiert, was man
auch wieder nicht wollen kann. Nämlich, dass die nicht
überlebensfähigen, künstlich aufgepäppelten Unternehmen schlicht vor
die Hunde gehen. Siehe Windenergieunternehmen nach der New Economy.
Oder die subventionierte deutsche Solarindustrie, wo ich jetzt lese,
dass maximal jedes zweite Solarunternehmen überleben wird. Wobei ich
diese Prognose noch für recht optimistisch halte. Also bitte
verschont uns mit Subventionen soweit möglich.

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Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
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