Die Deutsche Börse AG versucht es mal wieder. Seit dem Start des Jahrtausends sind sieben Fusionsvorhaben öffentlich geworden, allein die Übernahme der amerikanischen Optionsbörse International Securities Exchange Holdings (ISE) klappte. Nun soll in Anlauf acht der ganz große Wurf gelingen. Die Deutsche Börse und die New York Stock Exchange (NYSE) Euronext wollen zusammen das größte Börsenunternehmen der Welt bauen. Der neue Börsenbetreiber würde Handelsplätze in Amsterdam, Brüssel, Chicago, Frankfurt, Lissabon, London, New York, Paris und San Francisco vereinen. Damit könnten Wertpapiere und Terminkontrakte über zwei Zeitzonen hinweg gehandelt werden, nur die asiatischen Märkte blieben noch außen vor. Diesen weltumspannenden Handel verlangen vor allem die internationalen Großanleger. Da die traditionellen Börsen ihn bislang nicht bieten konnten, sind inzwischen eine Reihe von elektronischen Computerplattformen entstanden, die Transaktionen zu jeder Zeit und von jedem Ort ermöglichen. Allerdings unterliegen sie anders als Börsen keiner so strengen Überwachung. Deshalb kann es auch uns Privatanlegern nur recht sein, wenn der Handel möglichst an regulierten Plätzen stattfindet. Die Finanzkrise hat eindringlich gezeigt, wie wichtig eine funktionierende Aufsicht ist.
Ob Privatanleger weitere Vorteile von der Großfusion haben, wird erst die genaue Ausgestaltung der neuen Börse zeigen. Auch Kleinaktionäre würden von längeren Handelszeiten oder reduzierten Kosten profitieren. Einige Skeptiker weisen darauf hin, dass bei den gescheiterten Fusionsvorhaben nur noch unbedeutende Teile in Frankfurt zurückgeblieben wären. Die Regionalbörsen lauern schon darauf, dass ähnliche Fehler beim neuerlichen Zusammenschluss wiederholt werden. Sie werden sich die Aufteilung der Marktsegmente zwischen den Handelsplätzen ganz genau anschauen und in die Lücken stoßen, die die neue Megabörse aufreißt. Die freien Räume könnten vor allem bei deutschen Nebenwerten, bei Fonds und ETFs sowie bei Zertifikaten und CFDs entstehen. Für Privatanleger kann dieser Wettbewerb nur von Vorteil sein. Das zeigt der Konkurrenzkampf zwischen der Frankfurter Scoach und der Stuttgarter Euwax nachdrücklich.
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Stefanie Burgmaier, BÖRSE ONLINE |
Stefanie Burgmaier ist Chefredakteurin des Anlegermagazins Börse Online. In dieser Funktion ist die gelernte Bank- und studierte Diplom-Kauffrau auch für den Internetauftritt www.boerse-online.de und das Anlegerschutzportal www.graumarktinfo.de verantwortlich. Das Magazin, das sich mit Aktien, Zertifikaten, Fonds, Anleihen und Privaten Finanzen beschäftigt, erscheint jeden Donnerstag. Neukunden erhalten ein vierwöchiges Probeabonnement zum Vorzugspreis.
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