Verdauungsprobleme



08:38 17.02.11

Eins und Eins macht bekanntlich Zwei. Das lernt jedes Kind in der ersten Klasse. Wobei das die meisten allerdings schon wissen, bevor sie eingeschult werden. Sie lernen dann bis zum Schulabschluss noch jede Menge Formeln und mathematische Herangehensweisen. Dann treten Sie in das Berufsleben ein. Und werden vielleicht Assistent bzw. Assistentin in einem großen Konzern. Und werden da plötzlich mit neuen Grundrechenarten konfrontiert.

Denn nun muss ein jeder lernen, dass nicht mehr eins und eins zwei ist, sondern zweieinhalb und wenn es gut kommt drei oder vier. Weil Konzernlenker zu der etwas blassen Formel eine illustre, ja beinahe anzügliche Variable hinzufügen, die man in der Konzernsprache der Eingeweihten auch Skalenerträge nennt. Das ist vergleichbar mit dem Yeti im Himalaya, den es geben soll und von dem auch immer wieder schemenhafte Fotos auftauchen. Aber auch für dessen Existenz am Ende ein schlüssiger Beweis fehlt. Und so glauben viele daran, weil sie es so schön fänden, wenn es denn so etwa wie einen Yeti gäbe und wenn eins und eins plötzlich nicht mehr zwei, sondern drei ergeben würden.

Und so hat die französische Sanofi-Aventis sich nun für satte 20 Mrd. Dollar die 1981 gegründete Genzyme Corp., eines der führenden Biotechnologie-Unternehmen weltweit, unter den Nagel gerissen. Sie will nun auch am Tische einer der heißesten Entwicklungs-Hot-Spots der Welt, nämlich in Cambridge/Massachusetts Platz nehmen. Dort wo die großen der Branche wie die Platzhirsche Novartis, AstraZeneca und GlaxoSmithKline längst sitzen und es sich gemütlich eingerichtet haben. Novartis sogar schon seit dem Jahr 2000.

Während die sich also damals bereits mit der neuen Umgebung vertraut machten, leisteten sich die damalige Sanofi-Synthelabo und die Aventis in 2004 eine Übernahmeschlacht, die feindlich begann. Und nur über Umwege zu einer halbwegs harmonischen Ehe führte. Jedenfalls war das Zusammenwachsen der beiden Unternehmen nicht gerade das, was ein reibungsloser „Zusammenschluss unter Gleichen“ sein sollte. Wobei wir spätestens seit George Orwell wissen, dass es unter den Gleichen immer Gleichere gibt.

Aber lassen Sie uns aus dem Ausflug in die Literatur wieder auf das harte und umkämpfte Schlachtfeld der Wirtschaft zurückkommen.

20 Mrd. Dollar sind eine Menge Holz. So liegt das Umsatzmultiple bei einem Genzyme Umsatz in 2009 von 4,5 Mrd. Euro bei etwa 4,4 Das ist recht sportlich und will erst einmal verdient sein. Nehme ich den Jahresüberschuss von 2009, der damals bei 422 Mio. Dollar lag, dann komme ich auf ein KGV von ca. 47. Auch das ist nicht gerade wenig.



Wenn ich jetzt noch dazu rechne, dass der Zusammenschluss nur ansatzweise so schwierig wie damals wird, dann dürfte Sanofi-Aventis noch eine ganze Zeit an diesem Brocken zu kauen haben. Man kann dabei nur hoffen, dass sich da nicht am Ende Verdauungsprobleme ergeben. Da diese bekanntlich die Leistung des Betroffenen deutlich reduzieren.

Ich persönlich bin von diesem Deal jedenfalls nicht überzeugt. Er ist für mich schlicht zu teuer, einen Nummer zu groß und kommt zu spät.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.

Ihr Norbert Lohrke

Globalyze
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Über den Autor
 
Autor: Norbert Lohrke Norbert Lohrke,
Globalyze Invest AG

Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“

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