Die Protestwelle in Nordafrika schwappt weiter. Nachdem die Herrscher in Tunesien und Ägypten aus dem Amt gefegt wurden, steigt der Druck auf den libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi. Auch in Bahrain demonstrieren die Menschen für mehr Freiheit. Die autokratischen Regierungen in den arabischen Nachbarländern überreichen den Untertanen üppige Geschenke, um ihre Unterstützung nicht zu verlieren.
Bislang haben die Proteste kaum Auswirkungen auf die internationalen Aktienmärkte. Zwar floss in den vergangenen Wochen weniger Kapital in die Schwellenländer als im Vergleichszeitraum des Jahres 2010, doch dürfte dies nur ein Zwischentief sein. Denn gerade Fonds, die in Anleihen der Emerging Markets investieren, dürften durch die Konflikte sogar stärker nachgefragt werden. Schließlich profitieren die Fonds, die vor allem Anleihen aus Brasilien, Indonesien oder Südafrika kaufen, besonders von steigenden Rohstoffpreisen.
Hier liegt aber auch eine Gefahr für die Weltwirtschaft und die internationalen Finanzmärkte. Sollte in den Unruheherden Algerien, Ägypten, Iran und Libyen gleichzeitig die Ölförderung gestoppt werden, würden insgesamt knapp neun Prozent der weltweiten Ölmenge ausfallen. Das scheint nicht dramatisch, könnte aber immer wieder zu Verunsicherung führen und lädt vor allem Hedge-Fonds zu Spekulationen ein. Gefährlich für die Ölversorgung wird es, wenn sich die ausländischen Ölfirmen aus der Region zurückziehen. Das zeigt das Beispiel Venezuela sehr deutlich. Nachdem die internationalen Konzerne das südamerikanische Land verlassen haben, ist die Förderung um mehr als ein Drittel zurückgegangen.
Dann hilft es auch nur wenig, dass Saudi-Arabien angekündigt hat, zum Ausgleich der Ausfälle mehr des schwarzen Rohstoffs zu fördern. Sollte die Bevölkerung in dem Königreich selbst aufbegehren, wird es richtig brenzlig. Dies könnte eine neue Ölkrise heraufbeschwören und die Konjunktur weltweit abwürgen – mit entsprechenden Folgen für die internationalen Aktienmärkte.
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Stefanie Burgmaier, BÖRSE ONLINE |
Stefanie Burgmaier ist Chefredakteurin des Anlegermagazins Börse Online. In dieser Funktion ist die gelernte Bank- und studierte Diplom-Kauffrau auch für den Internetauftritt www.boerse-online.de und das Anlegerschutzportal www.graumarktinfo.de verantwortlich. Das Magazin, das sich mit Aktien, Zertifikaten, Fonds, Anleihen und Privaten Finanzen beschäftigt, erscheint jeden Donnerstag. Neukunden erhalten ein vierwöchiges Probeabonnement zum Vorzugspreis.
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