Die Kehrtwende war zu erwarten, nur der Zeitpunkt war unsicher. Nun hat Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), eine Erhöhung der Leitzinsen im April nicht mehr ausgeschlossen. Grund für die mögliche Zinswende ist die steigende Inflation. In Europa hat die Teuerungsrate die magische Zwei-Prozent-Marke überschritten. Ob die Euro-Hüter sich im kommenden Monat wirklich zu einer Zinserhöhung durchringen, hängt auch von der Entwicklung der Problemstaaten am Rande Europas ab. Und da müssen griechische Staatspapiere trotz Rettungsschirm eine Abstufung auf Ramschniveau hinnehmen. Die Ratingagentur Moody’s kritisiert insbesondere die Ineffizienz von Staatsunternehmen, die Verschwendung im Gesundheitswesen und beim Militär sowie die Abschottung vieler Märkte. Auch in Irland läuft die Sanierung nicht wie geplant. Die neue Regierung will die Bedingungen des Rettungspakets nach verhandeln.
Für die EZB ist es nicht einfach, den richtigen Leitzins für die Boom- und die Krisenländer gleichermaßen zu finden. Den Ausschlag könnte die Entwicklung in Nordafrika geben. Sollten sich dort die Unruhen ausbreiten und der Ölpreis langfristig hoch bleiben, dürften die Notenbanker trotz Inflationsgefahr bei ihrer lockeren Geldpolitik bleiben. Schließlich würde eine Dauerkrise in den Ölstaaten die sich erholende Weltwirtschaft ernsthaft in Gefahr bringen. Bei einem solchen Szenario dürften die Aktienkurse stärker schwanken, die EZB dürfte durch ihre Beruhigungspillen aber die Börsen stabilisieren. Sollten hingegen die Protestbewegungen auf dem Schwarzen Kontinent abebben, wird die EZB wohl die Leitzinsen anheben. Auch diese Entscheidung bringt nicht automatisch die Aktienkurse unter Druck. Eine Analyse der DZ Bank über die vergangenen 30 Jahre zeigt, dass sich weder die Ankündigung einer ersten Leitzinserhöhung noch die tatsächliche Anhebung negativ auf die Entwicklung im Deutschen Aktienindex (DAX) und im Euro Stoxx auswirkten. Schließlich bekämen die Unternehmen auch nach einem ersten Zinsschritt immer noch zu günstigen Konditionen Kredite. Kritisch wird es für die Aktienmärkte erst in einer andauernden Erhöhungsphase.
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Stefanie Burgmaier, BÖRSE ONLINE |
Stefanie Burgmaier ist Chefredakteurin des Anlegermagazins Börse Online. In dieser Funktion ist die gelernte Bank- und studierte Diplom-Kauffrau auch für den Internetauftritt www.boerse-online.de und das Anlegerschutzportal www.graumarktinfo.de verantwortlich. Das Magazin, das sich mit Aktien, Zertifikaten, Fonds, Anleihen und Privaten Finanzen beschäftigt, erscheint jeden Donnerstag. Neukunden erhalten ein vierwöchiges Probeabonnement zum Vorzugspreis.
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