Die brasilianische Wirtschaft entwickelt sich sehr gut. Nach der
Schrumpfung im Jahr 2009 konnte sie letztes Jahr mit einer
Wachstumsrate von 7,5% eine beeindruckende Erholung vollziehen. Für
dieses Jahr erwarten wir ein Wachstum von 4%, da
die Regierung zur Eindämmung der Teuerungsrate Straffungsmaßnahmen
wie die Anhebung des Mindestreservesatzes für
Banken und die Erhöhung der Zinsen ergriffen hat. Derzeit liegt die
Inflationsrate bei 6% und damit unter dem Hoch von 14% im
Jahr 2003. Dennoch sind Anzeichen eines Inflationsdrucks zu
erkennen, den die Regierung abwehren will. Die Zinsen sind
von einem Tief bei ungefähr 9% im Jahr 2009 auf nun etwa 12%
gestiegen. Die Arbeitslosigkeit bewegt sich auf einem Tief
von nur 5,5%, deutlich besser als die 13% der Jahre 2002 und 2003.
Eine der großen Sorgen ist die Aufwertung des Real zum Dollar.
Während man 2002 noch vier Real für einen US-Dollar
zahlen musste, ist der Wechselkurs nun auf nur 1,7 Real zu 1
US-Dollar gestiegen. Dennoch boomen die Exporte und
wachsen mit auf das Jahr umgerechneten 40%. Zu verdanken ist dies
der anziehenden globalen Nachfrage nach Eisenerz
und Agrarprodukten aus Brasilien. Auch bei den Devisenreserven ist
ein Aufwärtstrend zu verzeichnen, sie belaufen sich
derzeit auf mehr als 300 Mrd. US-Dollar gegenüber nur 50 Mrd.
US-Dollar im Jahr 2006. Der Aktienmarkt, abgebildet
vom MSCI Brazil Index, hat sich ebenfalls vom Tief vom 20. November
2008 erholt, er rentierte mit Stand Ende März
2011 177% in US-Dollar.
Auf unserer Brasilienreise haben wir zahlreiche Unternehmen besucht.
Ein Bushersteller informierte uns, dass der Umsatz
2010 um fast 50% gestiegen sei und sich die Margen erheblich
ausgeweitet hätten. Ein indisches JV verdiene Geld und die
Gewinnentwicklung verbessere sich Tag für Tag. Angesichts der
anstehenden Olympischen Spiele und der Fußballweltmeisterschaft
geht das Unternehmen von einer guten zukünftigen Nachfrage aus. Das
Unternehmen ist inzwischen der führende
Bus-Karosseriebauer in den Segmenten Fernstrecken-, Überland-,
Stadt-, Micro- und Minibusse für sowohl das Land als
auch die Region. Außerdem verfügt es mit Exporten in mehr als 60
Länder und mit einem gesamten globalen Marktanteil von
7% über eine erhebliche internationale Präsenz. In Brasilien, wo es
vier Produktionsstätten betreibt, liegt sein Marktanteil bei
42%. Außerhalb Brasiliens hat es Werke in Kolumbien, Mexiko und
Südafrika und engagiert sich in JVs mit lokalen Unternehmen
in Indien, Russland und Ägypten.
Außerdem besuchten wir eines der größten Agrarunternehmen in
Brasilien. Das Unternehmen besitzt 225.000 Hektar Agrarland
und baut unter anderem Baumwolle, Sojabohnen und Mais an. Um das
Risiko von Krankheiten und Wetterumschwüngen
zu verringern hat es Farmen an elf Standorten, die über das ganze
Land verteilt sind. Weitere wichtige Positivfaktoren sind
Brasiliens günstige Klima- und Bodenverhältnisse sowie die relativ
billigen Arbeitskräfte. Das professionelle Managementteam
leistet Pionierarbeit bei der Mechanisierung von Farmen in
Brasilien. Mehr als 50% der Produktionsmenge des Unternehmens
werden exportiert. Vor kurzem erzielte das Unternehmen gute Gewinne
mit Baumwolle, da die Weltpreise in
letzter Zeit angestiegen waren. Dennoch werden auf dem überwiegenden
Teil der Flächen Sojabohnen angebaut. Die
Manager erklärten, dass für ihr Unternehmen vor allem drei Variablen
wichtig sind: die Rohstoffkosten (Dünger und Chemikalien),
die Verkaufspreise und der Wechselkurs zwischen dem Real und dem
US-Dollar. Sie betreiben auch Preis-Hedging für
ihre Erzeugnisse, und dies kann kompliziert und riskant werden.
Der Grund dafür ist die Differenz zwischen dem Zeitpunkt, zu dem sie
die landschaftlichen Betriebsstoffe erwerben, und
dem Zeitpunkt, zu dem sie ihre Erzeugnisse verkaufen. Daher
versuchen sie, vorab eine Gewinnmarge von 30% festzulegen,
und dies lässt sich nicht immer leicht erreichen.
Das Management eines Stahlunternehmens, das über gute
Eisenerz-Aktiva verfügt, informierte uns, dass der Stahlsektor
zwar nach wie vor mit schrumpfenden Margen zu kämpfen hat, das
Unternehmen aber dennoch überdurchschnittliche Ergebnisse
verbuchen konnte. Zu verdanken war dies den Eisenerzminen sowie den
Ressourcen an Kalkstein und Dolomit im
mineralienreichen Bundesstaat Minas Gerais. Das Unternehmen besitzt
seine eigene Logistikinfrastruktur (Eisenbahn und
Hafen). Außerdem ist es auch international tätig, es betreibt
Walzwerke in Portugal und den USA. Laut dem Management
geht man davon aus, dass die Margen dieses Jahr aufgrund von
Stahlimporten und hohen Lagerbeständen unter Druck
geraten werden. Da das Unternehmen über Dolomit, Kalkstein und
Schlacke aus der Stahlproduktion verfügt, ist es auch in
der Zementherstellung aktiv. Folglich will es Kunden aus dem
Bausektor Zement, Lang- und Flachstahl anbieten.
Im Konsumbereich verzeichnet eines der in Brasilien und ganz
Lateinamerika führenden Bierunternehmen einen anhaltenden
Höhenflug. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Brasilien steigt und das
Unternehmen erreichte dort einen Rekordmarktanteil von 70%.
Die Unternehmensbilanz weist nach wie vor keine Verschuldung auf,
und wir fragten uns, warum das Unternehmen über
einen so hohen Liquiditätsbestand verfügt, da eine gezielte
Übernahme in Mexiko unwahrscheinlich war. Derzeit ist das
Unternehmen neben Brasilien vor allem in Kanada und Argentinien
aktiv. Zusätzlich zu dem namhaften Portfolio regionaler
Biermarken stellt das Unternehmen auch mehrere internationale
Biermarken her. Außerdem umfasst die Produktpalette auch
alkoholfreie Getränke. Das Unternehmen betrieb 45 Werke in 14
Ländern sowie zwei Millionen Verkaufsstellen allein in
Lateinamerika.
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Dr. Mark Mobius, Executive Chairman der Templeton Asset Management Ltd., Singapur |
Dr. Mark Mobius stieß 1987 zu Templeton als Vorsitzender der Templeton Emerging Market Fund Inc. Zu diesem Zeitpunkt übernahm er die Verantwortung für die gesamten Emerging Markets Aktivitäten von Templeton. In dieser Funktion verwaltet er seitdem Emerging Markets Portfolios und steht den Analysten der 15 Emerging Markets Büros von Franklin Templeton vor. Mark Mobius arbeitet bereits seit über 30 Jahren in Asien und anderen Emerging Markets und verfügt über ausgedehnte Erfahrung in Research und Finanzanalyse.
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