Neue Realitäten: Die Chancen der chinesischen Autobauer



13:51 08.04.11

Die chinesischen Autobauer haben vor Kurzem ihre Zahlen für das vergangene Jahr 2010 vorgelegt. Diese fielen, mit einer Ausnahme, wie erwartet positiv aus.

Die in Hongkong gelistete Great Wall Motor verdoppelte ihren Nettogewinn um 79 Prozent auf 411 Mio. USD. Der Absatz kletterte um 79 Prozent auf 3,37 Mrd. USD. Great Wall Motor, Hersteller von Pick Ups und SUVs  profitierte von einem Trend, der auch deutschen Autofahrern nicht fremd sein dürfte. Es war nämlich vor allem die Nachfrage nach SUVs, die das Absatzwachstum anführte.

Der neue Volvo-Eigner Geely Automobile verzeichnete 2010 einen Gewinnanstieg von 16 Prozent auf 209 Mio. USD, der Umsatz wurde um 43 Prozent auf 3,06 Mrd. USD gesteigert, bei 415.843 verkauften Fahrzeugen. Für 2011 erwartet Geely einen Absatzanstieg auf 480.000 Einheiten.

In der vergangenen Woche meldete die Dongfeng Motor Group einen Gewinnanstieg von 76 Prozent auf (1,67 Mrd. USD), der Umsatz kletterte um 33 Prozent auf18,64 Mrd. USD. Insgesamt konnte Dongfeng, welches Joint Ventures mit Honda und PSA Peugeot Citroen unterhalten, 1,95 Mio. Einheiten absetzen.

In die Gewinnzone zurückgekehrt ist auch der BMW-Partner Brilliance China Das Unternehmen meldete für 2010 einen Gewinn in Höhe von 193 Mio. USD, der Umsatz kletterte auf 1,36 Mrd. USD.

Für Ernüchterung sorgte der Warren Buffet Liebling BYD: Dort sank der Gewinn um 33 Prozent auf 383 Mio. USD, der Umsatz konnte hingegen auf 7,1 Mrd. USD gesteigert werden.

Die chinesischen Autobauer haben also zum Ende des ersten Quartals 2011 das vergangene Rekordjahr abgeschlossen und sind, nicht ganz von allein, sehr erfolgreich gewesen.

Und nun?

Anfang März hatte die chinesische Vereinigung der Autobauer ihre vorläufigen Absatzzahlen für die ersten beiden Monate veröffentlicht. Diese sorgte für breitere, wenn auch erwartete, Ernüchterung in der Branche, denn teilweise sanken die Verkäufe um 50 Prozent. Zu erwarten war dies, nachdem viele Chinesen im vergangenen Jahr, von Steuererleichterungen animiert, Autos gekauft haben. Dieser Verkaufsförderer war zum Jahreswechsel ausgelaufen.
Die Marktteilnehmer haben sich dann mit bärischen Kommentaren zum chinesischen Autosektor überboten, die Kurse teils deutlich gedrückt, um dann festzustellen, dass China immer noch und mit Abstand der größte Automarkt der Welt ist – und die Industrie noch jung.

Eine große Schwäche der Branche im Reich der Mitte ist mangelnde Kreativität und Expertise in der Zuliefererindustrie.

Die furchtbaren Katastrophen in Japan, Beben, Tsunami und Atom-Katastrophe, haben nicht nur die deutschen Gemüter erhitzt. Auch die globalen Abnehmer von Elektronikbauteilen aller Couleur haben relativ kurzfristig die Auswirkungen der Produktionsausfälle in Japan zu spüren bekommen. Die deutschen Autobauer haben die Option der Kurzarbeit geprüft, in den USA wurden Werke vorübergehend geschlossen, und auch in China gab es Probleme, die komplexen Elektronikbauteile, die für moderne Autos unerlässlich sind, zu beschaffen. Aber in der Krise liegt auch die Chance. Das Dilemma, mehr verkaufen zu können, da ein wesentlicher Wettbewerber ausfällt, wird konterkariert von der Abhängigkeit von ebenso betroffenen Partnern. Die chinesischen Autobauer produzieren rund 70 Prozent ihrer Bauteile selbst, teilweise kommen aber bis zu 30 Prozent der verwendeten Teile aus Japan. So können die chinesischen Autobauer eben diese Lücke nicht schließen.
Lehren aus der Krise für die chinesischen Autobauer dürften ein Umdenken hinsichtlich Forschung und Entwicklung in der Branche sein. Die Chinesen, bisher Importeure von Know How, könnten selbst zum Hersteller von Schlüsselprodukten werden, und die Marktmacht der japanischen Wettbewerber schwächen.



Aber auch ein weiterer Aspekt ist durch die Ereignisse in Japan schlagartig hervorgetreten: Die dort mangelnde Verfügbarkeit von Energie aus endlichen Ressourcen. Die Diskussion um Kernkraftwerke ist auch in China angekommen, zumindest will man dort noch einmal die Pläne für neue KKWs prüfen. Zur stationären Energieerzeugung soll zunehmend auf alternative Energien gesetzt werden. Und dies sollte dann auch der Automobilbranche zugutekommen. Denn jeder will in dem ertragreichen Geschäft früh die Marktführerschaft übernehmen. BYD hat sich hier seiner Expertise bei der Akku-Produktion bedient, und produziert bereits länger E-Fahrzeuge.

Wesentlich interessanter sind hier aber die Entwicklungen bei Brilliance China Der BMW-Partner plant Berichten zufolge die Präsentation seines nur in China verfügbaren 5erL als Variante mit Elektroantrieb. Auch dieses Modell, so es denn tatsächlich in Serie geht, wird es vorläufig nur in China geben. Und die BMW-Modelle, die in Kooperation mit Brilliance gebaut und verkauft werden, erfreuen sich in China wachsender Beliebtheit. So sollen in diesem Jahr 100.000 BMWs in China verkauft werden, ein Wachstum von 42 Prozent gegenüber 2010, deutlich mehr, als die Erwartungen von 10-15 Prozent im Gesamtmarkt. Der Jahresbeginn war für Brilliance und BMW schon ein voller Erfolg, im Januar und Februar wurden mit 18.300 Einheiten 93 Prozent mehr abgesetzt, als ein Jahr zuvor. Neben der bereits laufenden Produktion von 3er und 5er wird zudem die Produktion von X1 und X3 im Reich der Mitte erwogen.

Ein weiterer Player, der verstärkt auf E-Mobilität setzen will, ist Geely Auto. Das Unternehmen sieht großes Potential in dem Geschäftsfeld, weshalb man sich bereits mit dem Zulieferer Foxconn International in Verhandlungen befindet. So lange dies noch nicht erreicht ist, sollen in diesem Jahr 10 Modelle im mittleren Preissegment mit einer hohen Energieeffizienz auf den Markt gebracht werden. Hier will Geely auf die eingekauft Expertise von Volvo setzen.

Der chinesische Automarkt ist also in Bewegung. Zum einen ist die Konkurrenz stark – Audi und Mercedes melden immer wieder starke Absatzzahlen. Zusätzlich aber erfordern die sich ändernden Marktbedingungen ein Umdenken in der grundsätzlichen Definition der Autoantriebe. Den chinesischen Unternehmen bietet sich die Möglichkeit, die Lücke zu den Hybrid-Profis Toyota und Honda aufzuschließen, und sogar zu überholen, sollte es bald gelingen, konkurrenzfähige, bezahlbare E-Autos zu konstruieren.

Für Anleger, die vom Potential des chinesischen Autosektors überzeugt sind, bietet sich ein Investment in den Solactive China Automobile Performance-Index an. Vontobel hat auf diesen interessanten Branchenindex ein Zertifikat aufgelegt, mit dem Anleger 1:1 an der Kursentwicklung des zugrunde liegenden Basket partizipieren. Die Wertpapier-Kennnummer lautet VT0WT8.

Der Solactive China Automobile Performance-Index enthält die Aktien folgender Unternehmen:

BYD
Dongfeng Motor Group
Great Wall Motor   
Weichai Power   
Guangzhou Automobile   
Zhongsheng Group Holdings  
Geely Automobile Holdings   
Brilliance China Automotive   
Xinyi Glass Holdings   
Minth Group

 

 

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Über den Autor
 
Autor: Rainer Hahn Rainer Hahn,
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Rainer Hahn ist seit zehn Jahren in Asien auf der Suche nach den interessanten Investmentmöglichkeiten. Bis Mai 2011 war Rainer Hahn CEODer EMFIS GbR, den führenden Börsenportal für Nachrichten zu den Emerging Markets.

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