Die amerikanischen Gelehrten Jeffery Wasserstrom und Stephen Mihm
veröffentlichten neulich einen viel beachteten Artikel in der China
Economic Review. Dabei wurde die interessante Frage nach Parallelen
aufgeworfen, die es zwischen dem wirtschaftlichen Aufstieg der USA im
19. Jahrhundert und dem gegenwärtigen Aufstieg Chinas geben könnte. Das
überraschende Fazit: Neben vielen Unterschieden findet sich auch eine
erhebliche Zahl an Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Nationen auf
ihrem Weg zur führenden globalen Wirtschaftsmacht.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts deutete rein gar nichts darauf hin, dass
die Vereinigten Staaten eines Tages zu einer nennenswerten
Wirtschaftsnation aufsteigen würden. Die Weltwirtschaft und der Handel
wurden unangefochten von den großen europäischen Nationalstaaten
dominiert - allen voran von England, aber auch vom mächtigen Frankreich
und dem Habsburger Reich. Die USA selbst waren größtenteils
unerschlossen und durchwegs landwirtschaftlich geprägt. Kapital,
Fachwissen oder technische Kompetenzen waren so gut wie nicht vorhanden.
Und auch noch in den 1850er Jahren erschien es unvorstellbar, dass die
USA wirtschaftlich eines Tages am hoch industrialisierten britischen
Königreich vorbei ziehen könnte. Von den Zeitgenossen wurde allerdings
vielfach übersehen, dass die Amerikaner zwischenzeitlich bereits
erhebliche industrielle Kapazitäten hochgezogen hatten. Bei vielen
Produkten des täglichen Bedarfs wie Textilien oder Uhren waren die
USA bereits die kostengünstigsten Massenhersteller, und begannen, damit
den Weltmarkt zu überschwemmen. Ähnlich wie China vor einigen
Jahrzehnten, entwickelten sich die Vereinigten Staaten dank ihrer
Kostenvorteile seinerzeit zur einer Art Werkbank der Welt.
Einher ging der amerikanische Aufschwung mit einer Verstädterung, die
weltweit ihresgleichen suchte. Neue riesige Metropolen wie New York,
Philadelphia oder Chicago entstanden scheinbar über Nacht. Gewaltige
Industrien wurden aufgebaut, die ein Heer von Arbeitssuchenden anzogen.
Dadurch entstanden städtische Zentren, wie man sie in Europa bisher
nicht gesehen hatte (und auch heute noch nicht sieht).
In China verläuft die Entwicklung derzeit ganz ähnlich. Die
Urbanisierung ist auch dort eine entscheidende Triebfeder des
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Rainer Hahn, Emfis GbR |
Rainer Hahn ist seit zehn Jahren in Asien auf der Suche nach den interessanten Investmentmöglichkeiten. Bis Mai 2011 war Rainer Hahn CEODer EMFIS GbR, den führenden Börsenportal für Nachrichten zu den Emerging Markets.
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