Wird hier ein Exempel statuiert?
Griechenland ist immer noch das dominante Thema in den Wirtschafts- und Finanzmedien. Eine Lösung der Krise scheint nahezu unmöglich. Ein kompletter Zahlungsausfall und eine Staatspleite werden befürchtet. Man muss sich diesem Thema auf eine pragmatische Art
und Weise nähern. Der Taschenrechner und selbst der Duden können Ihnen dabei helfen. Griechenland ist für sich genommen, nicht groß und bedeutend genug, um an den Finanzmärkten nachhaltigen Schaden anzurichten. Griechenland besitzt jedoch eine wichtige Signalfunktion.
Diesem Vorbildcharakter für die weiteren PIIGS kommt dabei die entscheidende Rolle zu - genau deshalb sind Griechenland und dessen Probleme so bedeutend.
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Unter einem Exempel versteht man - glaubt man dem Duden - allgemein "ein warnendes Beispiel". Die Redensart „ein Exempel statuieren“ beschreibt genau das, was wir derzeit in Griechenland erleben und noch sehen werden. Portugal, Irland, Italien und Spanien schauen
derzeit gespannt nach Griechenland, um abschätzen zu können, was ihnen eventuell ebenfalls bald drohen könnte. Denn in Griechenland wird ein Exempel statuiert, da sich Europa ein "zweites Griechenland" nicht leisten kann.
Die PIIGS sind mehr als nur Griechenland
Setzen Sie die Größe des Problems zuerst in Relationen! Die kompletten griechischen Staatsschulden sind deutlich kleiner als das Rettungspaket, das die deutsche Bundesregierung beispielsweise für die Hypo Real Estate schnüren musste. Die Aktien von Apple oder
Exxon - jedes Unternehmen für sich genommen - besitzen eine Marktkapitalisierung die fast den gesamten griechischen Schulden entspricht. Wenn ein Zusammenbruch von Apple oder Exxon die Weltwirtschaft nicht zum Einsturz bringen kann (und das würde es sicher
nicht), dann kann ein Zahlungsausfall von Griechenland auch keinen "echten" und vor allem auch nachhaltigen Schaden anrichten. Viel gefährlicher sind die psychologischen Auswirkungen einer Staatspleite und ein drohendes Übergreifen auf die weiteren PIIGS-Staaten.
Der private Sektor hat sich längst verabschiedet
Derzeit findet Griechenland fast keine privaten Investoren für seine Staatsanleihen mehr. Der private Sektor hat sich verabschiedet und Fonds können durch die schwachen Ratings nicht mehr in Griechenland investieren. Per Definition ein echter Teufelskreis.
Zwangsläufig sind die Griechen daher auf Garantien und Hilfen der EU-Mitgliedsländer und des IWF angewiesen. Der Kreditmarkt für Griechenland ist ähnlich zur allgemeinen Situation während der Bankenkrise 2008 eingefroren. Staatseingriffe sind zwingend notwendig
geworden, der freie Kapitalmarkt funktioniert nicht mehr. Vereinfacht ausgedrückt: Öffentliches Geld muss die fehlenden privaten Investitionen ersetzen.
Griechische Risiken großteils abgesichert oder verkauft
Die oft gezogenen Parallelen zwischen der Pleite von Lehman Brothers im September 2008 und einem möglichen griechischen Zahlungsausfall werden gerne bemüht, sind jedoch nicht miteinander zu vergleichen. Der Zusammenbruch von Lehman Brothers kam für die Finanzwelt
nahezu völlig überraschend - gerade deshalb waren die Folgen so immens. Vor allem die ausgebliebenen, erwarteten Rettungsaktionen der FED oder des US-Finanzministeriums sorgten für Panik, da zuvor in ähnlich gelagerten Fällen wie Bear Stearns, Fannie Mae und
Freddie Mac unterstützend eingegriffen wurde. Der bisher angenommene Grundsatz "too big to fail" wurde quasi über Nacht ausradiert. Selbst die leitenden Mitarbeiter räumten am Montag nach der Pleite fassungslos ihre Büros.
Die griechische Krise ist im Gegensatz zur Situation um Lehman Brothers "eine alte Geschichte". Die Banken, Versicherungen und auch die großen Finanzinvestoren haben mittlerweile über ein Jahr Zeit gehabt, um sich auf einen möglichen Zahlungsausfall vorzubereiten
und ihre Risiken aus den Büchern zu nehmen. Das ist längst geschehen. Die Welt berichtet heute, dass die West LB beispielsweise überhaupt keinen Bestand an griechischen Staatsanleihen mehr besitzt. Kein Vorstand eines Kreditinstituts will - nur zwei Jahre
nach der großen Finanzkrise - unvorbereitet in einen möglichen, griechischen Schuldenschnitt schlittern.
Schaut man sich die Renditen griechischer Staatsanleihen an, dann sieht man auf den ersten Blick, dass ein erheblicher Schuldenschnitt de facto bereits eingepreist ist. Während in den Medien die renditehungrigen und gierigen Spekulanten für die hohen Zinssätze
zwischen 17 % und 30 % verantwortlich gemacht werden, wird dabei übersehen, dass diese heftige Kursverluste erlitten haben und die Renditen der Anleihen nur deshalb so hoch sind, weil die Kurse so stark gefallen sind. Niemand hat mit diesen Anleihen die besagten
17 % bis 30 % Rendite erzielt, sondern - im Gegenteil - riesige Verluste hinnehmen müssen.
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Thomas Grüner, Grüner Fisher Investments |
Thomas Grüner ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung
Grüner Fisher Investments GmbH. Seine oft dem allgemeinen Marktkonsens
entgegen stehenden Prognosen sorgten schon mehrfach für großes Aufsehen. In
den letzten Jahren hat er - teils gemeinsam mit Kenneth L. Fisher, dem CEO
und Gründer von Fisher Investments - zahlreiche Beiträge und Kolumnen in
diversen Finanzmagazinen, Zeitungen und Finanz-Websites veröffentlicht. Die
zusammen mit Ken Fisher weiterentwickelten Research- und Prognosetechniken
sind Basis des innovativen Investmentansatzes von Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter http://www.gruener-fisher.de. Alle Artikel dieses Autors anzeigen |
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