Wissen Sie, was mich bis zur Weissglut ärgert? Dass die europäischen
Finanzminister immer noch so tun, als hätten sie den gesamten
Prozess derzeit unter Kontrolle und als könnten sie zwischen
Alternativen wählen. Wobei sie längst die Kontrolle verloren haben.
Eine solche Borniertheit und Unfähigkeit die Fakten schlicht nicht
zur Kenntnis nehmen zu wollen, sucht ihresgleichen. Wobei das
Bestürzende ist, dass die Finanzkrise und das Nichthandeln unserer
Regierung in den letzten zwei Jahren mittlerweile auch unsere
Demokratie massiv beschädigt. Der Umgang mit dem Parlament, unserer
Verfassung, europäischem Recht und zuletzt mit den Abweichlern, die
nur ihrem verfassungsgemäßen Recht auf ihr Gewissen folgten, zeigen
das mehr als überdeutlich.
Ist es denn schon eine Woche her, dass im Parlament über die
Erhöhung des Euro-Rettungsschirms abgestimmt wurde? Schon damals war
von Hebelung die Rede. Wieder wurden wir von der Regierung und
Bundesfinanzminister Schäuble dreist hinters Licht geführt. Wobei
wir von Globalyze schon damals aufdeckten, was die Regierung in
Wahrheit vorhatte. Man musste nur die normalen Grundrechenarten
beherrschen, um zu wissen, dass der Rettungsschirm im Ernstfall
nicht ausreichen wird. Nun ist – wie zu befürchten - von zwei
Billionen Euro die Rede. Ein Wahnsinn. Und so ist es an der Zeit,
dass der Bundesfinanzminister für das Versagen in der Vergangenheit
jetzt endlich die Verantwortung übernimmt und zurücktritt. Und diese
Regierung statt Weiter so endlich die Vollbremsung vornimmt. Denn 2
Billionen Euro bzw. der Anteil, der dann auf uns entfällt, gefährden
Deutschland in seinen Grundfesten. Hier wird der Staat zum gleichen
Zocker wie die Banken. Und das ist wirklich nicht seine Aufgabe!
Eines ist klar. Die Dexia ist erst der Anfang. Wäre nicht die EZB,
die sich mit –nach unserer Auffassung - nicht mit den Statuten zu
vereinbarenden Käufen von derzeit wahrscheinlich weit über 150 Mrd.
Euro Staatsanleihen nicht gegen die Krise stemmte, dann wäre es
schon längst zu Zusammenbrüchen im europäischen Bankensektor
gekommen. Nun müssen also die beiden Staaten bei der Dexia ran. Das
Problem ist nur, dass damit auch die Verschuldung steigt und
Frankreich und auch Belgien möglicherweise vor einer Herabstufung
der Ratingagenturen stehen. Wie das weiter gehen kann, brauche ich
wohl nicht auszumalen. Die Konsequenzen können Sie sich alle
ausmalen. Wir befinden uns mitten in einem Teufelskreis.
Insofern ist konsequentes und richtiges Handeln notwendig.
Verantwortungsvolles Handeln bedeutet jetzt das Griechenland Problem
endlich und möglichst kurzfristig einer langfristigen Lösung
zuzuführen. An einem Schuldenschnitt und an einem Austritt
Griechenlands aus der Eurozone werden das Land und die Banken nicht
vorbeikommen. Wobei letzteres für die Bevölkerung Griechenlands ein
Segen wäre und es ein Gradmesser dafür ist, wie ernst es
Griechenland mit Europa wirklich meint. Will man die Europäer
erpressen oder an einer Lösung zielorientiert mitwirken? Eine eigene
Währung würde jedenfalls die Anpassungsmaßnahmen nicht ganz so
drastisch ausfallen lassen. Parallel dazu würde die vorerst schwache
Währung zu Investitionen in das Land einladen. Die europäische
Gemeinschaft diesen Prozess flankierend begleiten. Es wäre ein
notwendiges Signal an die Märkte.
Wir von Globalyze und eine Reihe von anerkannten deutschen
Volkswirtschaftsprofessoren haben bereits vor einem Jahr erkannt
und davor gewarnt, dass diese vollkommen verfehlte Politik nicht zu
einem guten Ende führen kann. Jeder der das möchte, kann meine
Kolumne von damals nachlesen. Schleswig-Holsteinische
Bundespolitiker wie u.a. die von uns angeschriebenen Herren Dr.
Murmann und Dr. Bartels haben damals beschwichtigend und ausweichend
geantwortet, als wir von ihnen gefordert haben, für Griechenland zu
bürgen.
Statt nun endlich einzusehen, dass man einen schweren Fehler gemacht
hat und die Rolle rückwärts vorbereitet, will diese Regierung uns
nun erneut ein X für ein U vormachen.
Wie aber reagieren Sie als Anleger auf diese neue Qualität der
Krise? Wie man es auch dreht und wendet. Am Ende sind Sachanlagen
wie es auch die Aktie darstellt, was ja nichts anderes ist als die
Beteiligung an einem Unternehmen die sicherste Anlage. Das mag
manchen von Ihnen überraschen. Tatsache ist aber, dass in einer
Welt, in der wir mit Bankenpleiten zumindest rechnen müssen, Sicht-,
Termin- oder Geldeinlagen ein deutlich höheres Risiko darstellen.
Dass Staatsanleihen inzwischen auch nicht mehr sicher sind, dürfte
inzwischen auch die Masse der Anleger gemerkt haben. Solange
Politiker nicht in der Lage sind Ausgabenkürzungen vorzunehmen,
werden diese mit jedem Tag unsicherer. Und wer dann auf die
Staatsanleihen der BRD verweist, dem muss man die Frage nach der
realen Verzinsung in Zeiten steigender Inflation stellen.

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Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
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