Keine Rettung für Griechenland



09:20 06.10.11

Im Zusammenhang mit den milliardenschweren Hilfspaketen für Griechenland
beschwört Kanzlerin Merkel regelmäßig die Solidarität, die innerhalb der
Währungsunion nötig sei. Solche Aussagen grenzen an Volksverdummung,
weil das Geld überhaupt nicht bei den Hellenen ankommt, sondern direkt
in die Taschen der Banken und Versicherungen wandert. Wenn die 110
Milliarden Euro aus dem ersten Paket an die griechische Bevölkerung
geflossen wäre, würde diese bestimmt nicht vor dem Parlament skandieren,
sonder weiter gemütlich am Strand liegen und Ouzo schlürfen.

Wer wird gerettet?

Es ist absurd, von einer Rettung Griechenlands zu sprechen. Das Land
steckt seit 2009 in einer tiefen Rezession. Nach einem BIP-Einbruch von
4,5 Prozent im vergangenen Jahr rechnet die Regierung für 2011 mit einem
weiteren Absturz um 5,5 Prozent. 2012 dürfte es erneut ein Minus geben.
Wer überhaupt noch Arbeit hat, muss mit Lohnkürzungen rechnen. Dazu
kommt auf die Einwohner eine Vielzahl an neuen Steuern zu. Sofern alles
nach den Plänen der EU und des IWF läuft, wird das Land nach Vollzug
aller Sparmaßnahmen immer noch auf einem gigantischen Schuldenberg
sitzen, der keine Luft zum Atmen lässt. Eine Chance auf eine Genesung
besteht damit nicht, die Verzweiflung der Bürger ist verständlich.



Die wahren Profiteure

Die Solidarität der Politiker gilt vielmehr den europäischen
Finanzhäusern. Da Anleihen von vergleichsweise sicheren Ländern (etwa
Deutschland) kaum noch Renditen boten, hat man sich in den vergangenen
Jahren mit riskanteren Titeln eingedeckt. Die verlieren jetzt aber
massiv an Wert (griechische Anleihen inzwischen rund 60 Prozent). Da das
Finanzsystem ohnehin noch angeschlagen ist, würden die nötigen
Abschreibungen den Kollaps bedeuten. Also schippt die EU eifrig Geld
nach Griechenland, dass dann wieder bei den Zocker-Banken landet. Fair
ist das nicht, weil der deutsche Steuerzahler dafür gerade stehen muss
und nichts im Gegenzug erhält. Warum lässt man Griechenland nicht pleite
gehen und gibt das Geld gegen eine Beteiligung an die Finanzhäuser. Die
Bewertungen sind derzeit nicht hoch, so dass bei einem späteren Verkauf
der Anteile vielleicht sogar ein Gewinn drin wäre. Das Geld für Athen
ist dagegen fast sicher futsch. In Anbetracht dieser offensichtlichen
Verschleuderung deutscher Steuergelder müsste eigentlich auch die
hiesige Bevölkerung vor dem Parlament demonstrieren.

In diesem Sinne

Wolfgang Braun

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Über den Autor
 
Autor: Wolfgang Braun Wolfgang Braun,
Aktien-Strategie

Wolfgang Braun ist Chefredakteur der Aktien-Strategie (früher Global Performance). Der seit 1999 erscheinende Börsenbrief hat sich auf deutsche Wachstums-Aktien spezialisiert. Dank einer ausgefeilten und bewährten Anlagestrategie schlägt das Musterdepot die Vergleichsindizes deutlich. So schaffte das Wachstumswerte-Depot seit seiner Auflegung im März 1999 eine durchschnittliche jährliche Performance von rund 15 Prozent - obwohl in diesen Zeitraum der dramatische Niedergang des Neuen Marktes sowie die Finanzkrise 2008 fällt. Weitere Informationen unter www.aktien-strategie.de

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