Irgendwie ist es mittlerweile jede Woche fast das gleiche Spiel. Das
Thema Griechenland ist die „Never-Ending-Story“ für die
Finanzmärkte. Die neueste Hiobsbotschaft lautet: Griechenland wird
weder in diesem, noch im kommenden Jahr seine, mit der Troika aus IWF, EZB und EU,
vereinbarten Defizitziele einhalten können. Während für 2011 ein
Minus von 7,6 Prozent vereinbart wurde, werden es wohl 8,5 Prozent
gemessen am BIP. 2012 rechnet die Troika
mit einem Defizit von 6,8, anstelle der zuvor vereinbarten 6,5
Prozent. Währenddessen wartet Athen weiterhin auf die nächste
Tranche in Höhe von rund acht Milliarden Euro. Offenbar wollen die
europäischen Entscheidungsträger erst die letzten noch ausstehenden,
nationalen Abstimmungen in der Slowakei und den Niederlanden zur
Erweiterung des EFSF abwarten. Während in
Holland die Zustimmung als sicher gilt, steht eine
Parlamentsmehrheit in Bratislava, laut Beobachtern, auf wackeligen
Beinen. Der griechische Finanzminister Venizelos betont jedoch, dass
es Griechenland doch länger als gedacht ohne neue Finanzspritzen
aushalten könne.
Die Ratingagentur Moody’s folgte in dieser Woche dem Beispiel ihres Konkurrenten Standard & Poor’s und stufte Italien – empfindlich – um gleich drei Noten herab. Allerdings hatte die Herabstufung keine nachhaltigen Folgen an den Finanzmärkten, da der Schritt gemeinhin bereits erwartet wurde. Gravierender war da schon die Herabstufung der beiden größten italienischen Finanzinstitute, ebenfalls durch Moody’s. Sowohl die Intesa Sanpaolo, als auch die UniCredit wurden durch die US-Ratingagentur auf „A2“, nach zuvor „Aa3“ herabgesetzt.
In diesem Zusammenhang befassen sich mittlerweile die EU-Finanzminister wieder mit möglichen Hilfsaktionen für angeschlagene Finanzinstitute. „Die Überzeugung nimmt zu, dass wir in Europa einen konzedierten, koordinierten Ansatz brauchen“, so Währungskommissar Olli Rehn gegenüber der Financial Times. Zuletzt musste mit der belgisch-französischen Bank Dexia erneut eine Großbank mit Staatsgarantien gestützt werden.
Eigentlich war es erwartet worden und dennoch reagierten die Märkte äußerst nervös: Die Europäische Zentralbank lässt den Leitzins vorerst unangetastet bei derzeit 1,5 Prozentpunkten. Vorab bestanden vage Hoffnungen, dass der Leitzins gesenkt werden könnte, um der lahmenden Konjunktur Auftrieb zu geben (laut Medienbereichten scheint tatsächlich mindestens ein Direktoriumsmitglied für eine Senkung gestimmt zu haben). „Der Ausblick für die Wirtschaft bleibt vor allem von großer Ungewissheit und stärkeren Abwärtsrisiken geprägt“, so Trichet. Analysten werten diese Formulierung als Indiz, dass es in den kommenden Monaten doch noch zu einer kleineren Zinssenkung kommen könnte.
Doch Jean-Claude Trichet und seine Kollegen setzen diesmal noch andere Prioritäten. Angesichts der sich verstärkenden Alarmsignale auf dem Finanzmarkt hat die Europäische Zentralbank jetzt ein Hilfsprogramm für Geschäftsbanken in einem Volumen von 40 Milliarden Euro beschlossen. Zudem wird die Vollzuteilung zum Leitzins mindestens bis Juli kommenden Jahres fortgesetzt. Das heißt Banken können sich zu einer Verzinsung von derzeit 1,5 Prozent so viel Geld leihen, wie sie wünschen. Die EZB reagiert damit auf die zunehmende Unsicherheit auf dem Interbankenmarkt. Ähnlich wie bereits 2008 und 2009 hat das Misstrauen zwischen den Banken in den vergangenen Wochen und Monaten wieder spürbar zugenommen. Trichet forderte die Banken auf, dringend ihre Kapitalbasis zu stärken. Gleichzeitig war dies die letzte Pressekonferenz unter Jean-Claude Trichet. Der Franzose wird noch in diesem Jahr von dem Italiener Mario Draghi abgelöst.
Wie bereits in der Vorwoche setzten die festen Aktienmärkte den
Bund-Future unter Druck. Nach einem ordentlichen Start in die
Woche, musste das Anleihenbarometer teilweise recht deutliche
Verluste hinnehmen und kämpft derzeit mit der 136,00 Punkte-Marke.
Für weitere Impulse könnten am Nachmittag Zahlen vom
US-Arbeitsmarkt sorgen.
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Sabine Traub, Börse Stuttgart AG |
Sabine Traub und Cornelia Frey berichten im Anleihenbericht Bonds weekly wöchentlich über die aktuelle Marktentwicklung, das Anlegerverhalten und Anleihen-Neuemissionen an der Börse Stuttgart. Sabine Traub ist Leiterin des Anleihenhandels an der Börse Stuttgart. Cornelia Frey ist als Börsenkommentatorin an der Stuttgarter Börse aktiv.
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