Der Unterschied zwischen - Sozialismus und Kapitalismus



07:51 12.10.11

Smart Investor Weekly 41/2011
Der Unterschied zwischen - Sozialismus und Kapitalismus

Im Jahr 2008 erhielt die belgische Bank Dexia noch großzügige Garantieerklärungen durch Belgien und Frankreich, vor wenigen Monaten bestand die Bank den Stresstest der EU problemlos und gestern wurde sie verstaatlicht - ein Weg, den viele weitere Banken ebenfalls beschreiten dürften.

Falscher Anreiz
Bereits die Stützung der Dexia Bank im Jahr 2008 war systemgemäß logisch: Keiner der großen Finanzakteure darf Pleite gehen, insbesondere wenn er großzügiger Kreditgeber staatlicher Einheiten ist (wie die Dexia für viele französische Kommunen). Dies ist natürlich ein verhängnisvolles Anreizsystem. Es galt immer größer zu werden und immer höhere Risiken einzugehen, um jene Liga der "Too big to fail"-Banken zu erreichen. Wer in dieser Liga spielt, kann dann nämlich extrem hohe Gewinne einstreichen, während er das Risiko auf die Allgemeinheit abwälzt. Die allermeisten Banken wären schon längst bankrott, würden sie ihre Assets zu der entsprechenden Marktbewertung in ihren Bilanzen führen. Da sie dies aber nicht müssen, sondern diese vielmehr einfach zu Einkaufspreisen bilanzieren oder gar vollständig außerhalb der Bilanz führen dürfen, kommt die traurige Wahrheit immer nur häppchenweise ans Tageslicht.

Bankrotte werden nicht zu gelassen

Ein Bankrott einer Bank würde aufgrund der weltweiten Vernetzung der Finanzindustrie einen Dominoeffekt auslösen. Dies darf nicht sein. Also werden Banken, deren Bankrott sich nicht weiter verschleiern oder mittels Garantien verzögern lässt, verstaatlicht. Ein Szenario, welches wir schon lange formuliert haben, zuerst in der Ausgabe 7/2008 "Bombe im Bankensektor".

Dank unserem Geldsystem, in welchem Geldschöpfung aus dem Nichts stattfindet, können diese Prozesse sogar relativ lange verzögert werden, bis der Staat schließlich doch gezwungen ist, die entsprechenden Banken unter seine Fittiche zunehmen. Für die angehäuften Verluste steht der Staat dann gerade. Dieses Geradestehen wird über immer neue Schulden bezahlt. Genau hierin sieht Smart Investor einen der wichtigsten Treibsätze für den Crack-up-Boom. In einem solchen Boom steht der reale Kapitalerhalt an oberster Stelle. Deshalb haben wir auch in diesem Jahr wieder unsere Oktoberausgabe diesem Thema gewidmet. Da zum Kapitalerhalt auf jeden Fall Edelmetalle gehören, stellt sich die Frage nach der richtigen Lagerung. Lesen hierzu das Interview mit Smart Investor Kolumnist und Gründer der GoldMoney Foundation, James Turk.

Festzustellen bleibt, dass die wenigsten Banken bereit sein dürften, ihre Fehler einzugestehen und die Bilanzen zu bereinigen. Ein solcher Prozess, wie ihn die österreichische(!) Erste Bank angestoßen hat, ist für die meisten Institute zu schmerzhaft und dürfte wohl auch häufig zu spät kommen. Am Ende läuft es auf den Scherz über den Unterschied zwischen Kapitalismus und Sozialismus hinaus: "Im Sozialismus werden die Banken erst verstaatlicht und gehen dann pleite. Im Kapitalismus gehen sie erst pleite und werden dann verstaatlicht." Und damit zu den Märkten.

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aus Deutschland, Österreich und der Schweiz

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28./29. November 2011, Wien

Die Schwerpunkte des Investment Forums
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Märkte
Seit einigen Wochen sind die Aktienbörsen wieder auf dem Weg nach oben. Der deutsche Aktienindex DAX zum Beispiel hat ausgehend von seinem Tief Mitte September über 800 Punkte und damit rund 16% zugelegt (siehe Abb. DAX-Wochen-Candlestick). Damit stellt sich die für Investoren alles entscheidende Frage: Ist die bei fast allen Indizes zu beobachtende Aufwärtsbewegung nur eine Korrektur in der Baisse oder aber bereits ein neuer Bullenmarkt bzw. die Fortsetzung des alten Bullenmarktes? Letzteres kann rein definitorisch gar nicht sein, weil eine Baisse normalerweise als eigeläutet gilt, wenn ein Kursrückgang von 20% erreicht wurde, was bei den meisten Indizes der Fall war. Aber wollen wir nicht so kleinlich sein. Entscheidend ist: Haben nun die Bullen wieder das Sagen, oder aber verschnaufen die Bären nur ein bisschen, um sich bald schon wieder auf dem Parkett zurückzumelden?

In der Tat haben die Bären derzeit die besseren Argumente, denn vieles deutet auf einen ökonomischen Rückgang in der Welt hin. Auf der anderen Seite wurde ja durch die Blitzbaisse schon einiges eingepreist. Angenommen, die Märkte sind in den letzten Wochen zu viel gefallen, dann hätten sie nun bei etwas rückläufigen Makro-Zahlen Anlass, dennoch zu steigen. Auch sollte man nicht vergessen, dass es nach wie vor eine gewisse ökonomische Schubkraft aus den letzten Quartalen gibt, die wohl kaum so einfach wegbrechen dürfte. Hierbei sei die zuletzt deutlich positiv überraschende deutsche Ausfuhrtätigkeit im August erwähnt.

Chart
 
Kurzum: was wir mit all dem sagen wollen, ist, dass man die Bullen gedanklich noch nicht K.O. sehen sollte. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass jeder "Umfaller" sofort aufgefangen wird, wie z.B. die oben beschriebene DEXIA oder eben Griechenland. Solange aber große Bankrotte vermieden werden, kann die Lebensdauer unseres Wirtschaftssystems durchaus noch verlängert werden - so zumindest unsere Ansicht im Rahmen unseres Crack-up-Boom-Szenarios. Mehr dazu im aktuellen Heft und dort in der Rubrik "Das große Bild".



Was können wir weiter zum aktuellen Chartbild sagen? Die zwei blauen waagerechten Linien deuten die beiden Pullback-Niveaus an, bis zu welchen der Kurs zurücklaufen könnte, ohne dass man an der Baisse-Theorie rütteln müsste. D.h.: im Extremfall müsste ein heute überzeugter Bär einem Anstieg bis rund 7.000 zuschauen und dürfte weiter an seiner Negativhaltung festhalten. Merken Sie was? Das kann ziemlich ungemütlich werden.

Wir gehen davon aus dass der Markt dieses Spiel auch spielen wird, d.h. die 6.500 sind das nächste Ziel, und anschließend die 7.000 Punkte. Und erst dann muss man sich nochmals Gedanken darüber machen, ob eine Fortsetzung der Baisse droht oder aber ob der Bullenmarkt weitergeht. Wie Sie dem Heft entnehmen können, gehen wir von letzterem aus.

Aber charttechnisch ist die Lage doch eindeutig negativ zu interpretieren und solche klaren Verkaufssignale, wie wir sie beispielsweise beim DAX gesehen haben, werden normalerweise nicht so einfach wieder revidiert. Mit dieser Ansicht sind zuletzt mehrere Leser auf uns zugekommen. Unsere Antwort darauf lautet: Normalerweise würden wir diesen Lesern auch zustimmen. Aber derzeit läuft eben nichts mehr "normal" im Sinne von marktwirtschaftlich ab. Damit ist gemeint: einzig und allein die schützende und stützende Hand des Staates sorgt derzeit dafür, dass die Wirtschaft nicht im Sturzflug nach unten rauscht. D.h. wir haben es hier mit einem "externen" Faktor zu tun, der sich nur daraus speist, dass sich Staaten in unvorstellbarer Weise verschulden oder aber eben Garantien ausgeben, was in einer funktionierenden Wirtschaft (mit gutem Geld) in diesem Ausmaß niemals möglich wäre. Fazit: Massiver Interventionismus könnte dafür sorgen, dass bisher gültige charttechnische Regeln - zumindest zeitweise - außer Kraft gesetzt werden könnten.

Musterdepot
Die Turbulenzen an den Börsen blieben zuletzt nicht ohne Auswirkungen auf den Rohstoffbereich. Vor allem das Industriemetall Silber erlebte in den vergangenen Wochen einen scharfen Einbruch von zeitweise über 25%. Die Sorge um eine sich weltweit abkühlende Konjunktur und damit einer sinkenden Nachfrage trübte die Stimmung für das Edelmetall. Hinzu kam ein zunehmend stärkerer US-Dollar, der sich spiegelbildlich in einem gesunkenen Silberpreis niederschlug. Es ist daher kaum verwunderlich, wenn Aktien von Silberproduzenten mehrheitlich verkauft wurden. Unter dieser Entwicklung litt auch unser Musterdepotwert Silver Standard. Allein seit Mitte September büßte das Papier fast ein Drittel seines Wertes ein. Bei den Kanadiern kam zu der Silberschwäche jedoch noch ein unternehmensspezifischer Grund hinzu. Nach einem Getriebeschaden in einer argentinischen Produktionsstätte musste diese vorübergehend den Abbau einstellen. Eine Woche Produktionsausfall und eine bis November vorübergehend verminderte Fördermenge ließen den Vorstand von dem bisherigen Produktionsziel Abstand nehmen. Statt ursprünglich geplanter 8,5 Mio. Unzen Silber sei im laufenden Jahr nunmehr nur noch mit einer Fördermenge zwischen 7,3 und 7,6 Mio. Unzen zu rechnen. Auf der einen Seite dürfte es sich hierbei nur um einen temporären Effekt handelt, auf der anderen Seite war Silver Standard in den letzten Monaten aber ein krasser Underperformer im Silbersektor.

Die noch im Frühjahr erhoffte Erholung am Solarmarkt scheint auszubleiben. Auch das dritte Quartal dürfte für die Branche enttäuschend verlaufen sein. Gewinnwarnungen und skeptische Kommentare wie zuletzt von dem Wechselrichterhersteller SMA Solar prägen vielmehr das Bild. Darunter leidet unser Solarinvestment Solarworld. Allein im dritten Quartal gab der Titel zwei Drittel seines Wertes ab. Damit liegen wir mit unserer Position klar im Minus. Ein anhaltend aggressiv geführter Preiskampf vor allem von Seiten asiatischer Hersteller geht an dem einstigen TecDax-Schwergewicht nicht spurlos vorüber. Eine nicht profitable Produktionsstätte in den USA wurde bereits geschlossen, hierzulande mussten Leiharbeiter gehen. Die Restrukturierung dürfte damit aber noch nicht abgeschlossen sein. Immer wahrscheinlicher scheint es zudem, dass der Konzern spätestens mit Vorlage seiner Q3-Zahlen Mitte November von den bisher formulierten Ergebniszielen abrücken wird. Nun stellt sich die Frage, wie viel dieser absehbar schlechten Nachrichten bereits im Kurs verarbeitet ist. Immerhin setzte seit Mitte vergangener Woche vor dem Hintergrund des sich stabilisierenden Gesamtmarktes eine gewisse Gegenbewegung ein. Einen positiven Einfluss hatte dabei die Meldung, dass Solarworld zusammen mit Partnern in Qatar eine neue Produktionsstätte für Polysilizium bauen wird. Diese soll im zweiten Halbjahr 2013 die Produktion des für die Herstellung von Solarzellen so wichtigen Rohstoffs aufnehmen. Durch diesen Schritt erweitert der Bonner Konzern seine Aktivitäten am Beginn der solaren Wertschöpfungskette. Selbstverständlich sind wir nicht glücklich mit der Entwicklung, aber unser Geduldsfaden ist noch nicht vollends gerissen. Wir schauen nochmals ein wenig zu.

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Für die ansonsten eher etwas träge BayWa-Aktie ist ein Kurssprung von über 10% an nur einem Handelstag schon bemerkenswert, zumal wenn diese Bewegung ohne wirkliche Nachrichten vonstatten geht. Vergangenen Donnerstag schoss das Papier bei hohen Umsätzen prozentual zweistellig nach oben. Allein der vom Unternehmen veranstaltete "Capital Markets Day" am Vortag konnte man uns als Erklärung anbieten. Offenbar sei die dort vom Vorstand bestätigte Prognose bei den Investoren gut angekommen. Das Geschäft, so hören wir, laufe planmäßig gut. Ob dies tatsächlich den Kursschub zutreffend erklärt, dürfte man erst erfahren, wenn in den nächsten Tagen nicht noch eine andere Nachricht aus München bekannt wird. Die relative Stärke der Aktie ist in jedem Fall bemerkenswert.

Die Verkäufe von letztem Mittwoch haben uns einige Liquidität ins Depot gespült, nämlich rund 40.000 EUR oder etwa 13% des Depotvolumens. Damit wollen wir nun neue Positionen aufbauen. Da einige Kurse mittlerweile schon wieder deutlich angezogen sind, werden wir eher "geizig" limitieren, auch auf die Gefahr hin, dass wir bei dem einen oder anderen Wert dann nicht zum Zuge kommen.

Wir ordern 700 Aktien der First Majestic Silver Corp** (WKN: A0LHKJ), einem reinen Silberproduzenten mit Sitz in Kanada, zu einem Kurs von 11,75 EUR (akt. 12,20 EUR), das entspricht rund 3% Depotvolumen. Die Aktie ist in den letzten Wochen im Rahmen des Einbruchs bei Silber deutlich nach unten gekommen und stellt auf diesem Niveau unserer Ansicht nach wieder eine Kaufgelegenheit dar (KGV 2011 bei rund 13). Ein Interview mit dem Vorstand Keith Neumeyer finden Sie im aktuellen Heft auf S. 78. First Majestic zählt zu den besten Outperformern im Edelmetallbereich. Sollten wir hier zum Zuge kommen, werden wir vermutlich unsere Position bei Silver Standard (siehe oben), welche performancemäßig zuletzt nicht überzeugen konnte, reduzieren.

Zudem ordern wir einen alten Bekannten, nämlich Advance Inflight Alliance WKN: 126218), nämlich 3.000 Stück zu 3,21 EUR (3% Depotanteil), der aktuelle Kurs liegt rund 4% höher. Schon bei unserem Verkauf vor mehr als einem Jahr hatten wir angekündigt, dass ein Investment interessant wird, sobald der aus unserer Sicht unfähige Vorstand Dr. Rüdiger Berndt nicht mehr im Vorstand ist. Dies ist inzwischen der Fall, weshalb wir bei diesem Value-Stock dabei sein wollen: Weltmarktführer mit einstelligem KGV!

Nachdem unser letzter NASDAQ-Long sehr unglücklich ausgetoppt wurde, ordern wird nochmals einen solchen mit Hebel 6, nämlich die Kennnummer DE23KZ. Basispreis und Knockout liegt bei 1.928,2 (die Knockoutschwelle wird sich jedoch im Zeitablauf erhöhen), keine Laufzeitbeschränkung. Wir limitieren ab morgen zum Kurs von 2,55 EUR (aktueller Kurs: 2,68 EUR) 3.000 Stück, was ebenfalls rund 3% des Depotvolumens ausmacht. Vorsicht: Totalverlustgefahr! - daher nur für erfahrene Investoren geeignet.

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Das Magazin Smart Investor sucht einen Volontär (oder Praktikanten, auch Teilzeit) als personelle Verstärkung. Leidenschaft für das Thema Wirtschaft/Börse, eine gewisse journalistische Begabung sowie gute EDV-Kenntnisse sollten vorhanden sein. Bei Interesse melden Sie sich bitte unter info@smartinvestor.de (Ansprechpartner: Ralf Flierl)

Fazit
Die Blitzbaisse ist unserer Ansicht nach vorbei und erst einmal dürfte es in großen Schritten weiter aufwärts. Erst bei DAX-Kursen um die 6.500 oder gar 7.000 Punkten werden wir uns nochmals die alles entscheidende Frage stellen: Hausse oder Baisse?

Ralf Flierl, Fabian Grummes, Marcus Wessel

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Eine mit "*" gekennzeichnete Aktie wird zum Zeitpunkt der Erscheinung dieser Publikation von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.

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Über den Autor
 
Autor: Ralf Flierl Ralf Flierl,
Smart Investor

Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor". Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated, non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003 eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.

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