Die erneute Kandidatur von Wladimir Putin für die Präsidentschaftswahl hat vor einigen Wochen für viel Wirbel gesorgt. Von einer „Rückkehr“ Putins – von der in den Medien viel geschrieben wurde – kann aber keine Rede sein. Im Grunde war Russlands starker Mann ja nie weg. Auch das Amt des Premierministers, das er zurzeit bekleidet, ist ja nicht ganz unbedeutend.
Die von langer Hand geplante Ämter-Rochade mit dem jetzigen Präsidenten Medwedew macht jetzt aber auch dem letzten Zweifler klar, wie stark der Machtanspruch Putins tatsächlich ist. Nach der von der Verfassung vorgegebenen Zwangspause dürfte Putin ab 2012 auch formal wieder der mächtigste Mann Russlands sein – und könnte dies dann theoretisch bis ins Jahr 2024 bleiben.
Kein Putin-Schock
Welche Auswirkungen dies auf die russische Wirtschaft und auf den dortigen Aktienmarkt haben wird, ist noch umstritten. Von einem „Putin-Schock“ an der Börse Moskau kann bisher aber keineswegs gesprochen werden. Der MICEX hat sich seit der Ankündigung von Putins Präsidentschafts-Kandidatur sogar leicht verbessert – und dies in einem schwierigen Umfeld, denn die internationalen Börsen überzeugten in diesem Zeitraum auch nicht unbedingt.
Was vielen ausländischen Anlegern relativ bitter aufstieß, war der gleichzeitige Rücktritt von Finanzminister Alexej Kudrin. Dieser war für die Investoren bisher die unangefochtene Lichtgestalt in Russlands politischer Elite – ein zuverlässiger Garant einer liberalen und transparenten Wirtschaftspolitik, die der Kooperation mit dem Westen gegenüber aufgeschlossen ist. Dass Kudrin so schnöde abtrat, ist kein gutes Zeichen. Allerdings hatte dies nicht unbedingt nur inhaltliche Gründe. In erster Linie scheint sich der Finanzminister seinerseits Hoffnungen auf das Amt des Premierministers gemacht zu haben. Für solche Aspirationen ist unter der Doppelspitze Putin-Medwedew aber selbstverständlich kein Platz.
Wirtschaftspolitik mit beeindruckenden Erfolgen
Putin
steht
sinnbildlich für die kalte Durchsetzung von Machtinteressen und
eine
Politik der starken Hand. Viele Beobachter scheinen dies als
Pluspunkt
anzusehen – vor allem im Vergleich zum politischen und
wirtschaftlichen Chaos
der letzten Jelzin-Jahre. Und in der Tat kann Putin auf
erhebliche
wirtschaftspolitische Erfolge verweisen. Die „Financial Times“,
die seine
neuerliche Kandidatur durchaus kritisch kommentierte, stellte
zuletzt zutreffend
fest:
“Seit er Anfang 2000 das
Präsidentenamt
übernahm, hat Russland ein Jahrzehnt des Aufschwungs
erlebt…Das
Bruttoinlandsprodukt vervielfachte sich in den acht Jahren der
ersten
Präsidentschaft Putins von umgerechnet 200 Mrd. Dollar auf
mehr als 1500 Mrd.
Dollar, das durchschnittliche Monatseinkommen der Russen
schoss von 1500 auf 15
000 Rubel.“
Ob sich der rasante Aufschwung Russlands auch unter einer zweiten Putin-Regentschaft fortsetzt, wird allerdings verstärkt angezweifelt. Die Ratingagentur Standard & Poor´s etwa beklagte zuletzt, dass sich in einer weiteren Putin-Ära die enge Verzahnung zwischen Politik und Wirtschaft noch verfestigen wird. Es sei fraglich, ob die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unter einer solchen staatskapitalistischen Ausrichtung ausreichend würden, um das für die Zukunft nötige Wachstum freizusetzen. Andere Stimmen warnten zuletzt sogar vor einem Rückfall Russlands auf das Niveau einer „Petrokleptokratie der Dritten Welt“ (Economist Intelligence Unit).
Wachstumsdynamik und KGV von 5
Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Russland wird kurz- bis mittelfristig sicherlich nicht zu einer modernen Technologie- und Industrienation westlicher Prägung werden – der Entwicklungsabstand ist hier doch noch sehr groß. Umgekehrt entfaltete sich in dem Land aber bereits vor einigen Jahren eine erhebliche Wachstumsdynamik, die eindeutig auch über den Rohstoffsektor hinausging, und sich in Zukunft fortsetzen sollte. Vor allem der Zustrom ausländischen Kapitals wird nicht abreißen. Auf lange Sicht sind der russische Markt ebenso wie die Ressourcen des Landes und sein Wachstumspotenzial für westliche Unternehmen viel zu interessant, um sie ignorieren zu können. Und dies alles gilt unabhängig davon, ob Putin die Geschicke des Landes in den kommenden 12 Jahren weiter leiten wird.
Jenseits der Politik bieten russische Aktien dementsprechend erhebliches Kurspotenzial. Vor allem Value-Investoren mit einem Anlagezeitraum von mehreren Jahren finden auf dem aktuellen Niveau wieder hervorragende Einstiegs-Chancen. Der russische Gesamtmarkt ist momentan sogar leicht unterhalb seines Buchwerts zu haben. Das Durchschnitts-KGV im MICEX wiederum befindet sich nur noch bei 5,0 – und damit auf dem gleichen Niveau wie auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. Das Risiko nach unten ist dadurch begrenzt. Gleichzeitig bietet sich im Fall einer Stimmungsaufbesserung ein erhebliches Kurspotenzial.
In meinem Börsenbrief EMERGING-MARKETS-TRADER rate ich dazu, das stark zurückgekommene Kursniveau an den Schwellenländer-Börsen wieder zum Einstieg zu nutzen. In den vergangenen Wochen nahm ich bereits einige Depot-Orders vor. Ein klarer Schwerpunkt liegt dabei auf dem russischen Aktienmarkt, wo sich momentan wieder einzigartige Möglichkeiten eröffnen.
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