Zauberhafte Gewinne



09:56 20.10.11

Mit Ausnahme von Goldman Sachs haben die US-Kreditinstitute in der
angelaufenen Berichtssaison Milliardengewinne verbucht und die
Analystenschätzungen weit übertroffen. Ist die Krise daher nur eine
Utopie und die Lage der US-Wirtschaft besser als in den Medien
dargestellt? Natürlich nicht, vielmehr beweisen die Kredithäuser, dass
die geltenden Bilanzvorschriften dem Finanzsektor gewaltige Spielräume
lassen und in Teilen schwachsinnig sind.

Zwei Gewinntreiber

Ein Grund für die steigenden Bankgewinne sind geringere Rückstellungen
für potenzielle Kreditausfälle. Hierüber kann man noch streiten, wobei
in Anbetracht der bescheidenen Konjunkturperspektiven die angeblich
gesunkenen Risiken verwundern. Absoluter Humbug sind aber die
Neubewertungen der eigenen Schulden. Dazu ein Beispiel: Eine Bank nimmt
einen Kredit über 10 Milliarden Dollar auf und verbucht diesen auf der
Passivseite der Bilanz. Gerät das Geldhaus nun in Schieflage, sinkt der
Marktwert der Schulden. Je mehr die Bank in Bedrängnis gerät, desto
weniger sind die Verbindlichkeiten am Markt wert. Natürlich müssen am
Ende wieder 10 Milliarden Dollar zurückbezahlt werden (sofern die Bank
nicht in die Insolvenz rutscht), rechnen die Anleger aber mit einem
Ausfallrisiko von 30 Prozent, müssen auf der Passivseite der Bankbilanz
nur noch 7 Milliarden Dollar erfasst werden. Die Differenz von 3


Milliarden Dollar kann als Gewinn verbucht werden. Anders ausgerückt: Je
dreckiger es einer Bank geht, desto höher der Gewinn. Kein Wunder, dass
die Bank of America bei der Bilanzvorlage besonders geglänzt hat.
Nachhaltig sind diese Gewinne natürlich nicht. Dennoch: Ein David
Copperfield wäre auf diesen Budenzauber stolz!

Bilanzregeln zu lax

Die in den vergangenen Jahren durchgesetzten Änderungen der
Bilanzvorschriften sollten ein besseres Abbild der Realität schaffen und
den Anlegern so helfen. Vor allem Bankbilanzen sind dadurch aber zu
einer undurchsichtigen Black Box geworden. Früher stand bei der
Bilanzierung finanzielle Sicherheit und die Schaffung von Rücklagen im
Vordergrund. Heute geht es um schnelle Gewinne, die als Boni und
Dividenden ausgeschüttet werden. Kommt es dann zu einer Krise, ist die
Substanz weg, der Staat muss einspringen. Auf dem Weg zu stabileren
Finanzmärkten sollten daher die in den vergangenen 20 Jahren
durchgesetzten Erleichterungen bei der Bilanzierung wieder weitgehend
rückgängig gemacht werden.

In diesem Sinne

Wolfgang Braun

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Über den Autor
 
Autor: Wolfgang Braun Wolfgang Braun,
Aktien-Strategie

Wolfgang Braun ist Chefredakteur der Aktien-Strategie (früher Global Performance). Der seit 1999 erscheinende Börsenbrief hat sich auf deutsche Wachstums-Aktien spezialisiert. Dank einer ausgefeilten und bewährten Anlagestrategie schlägt das Musterdepot die Vergleichsindizes deutlich. So schaffte das Wachstumswerte-Depot seit seiner Auflegung im März 1999 eine durchschnittliche jährliche Performance von rund 15 Prozent - obwohl in diesen Zeitraum der dramatische Niedergang des Neuen Marktes sowie die Finanzkrise 2008 fällt. Weitere Informationen unter www.aktien-strategie.de

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