Dürr wieder dicker im Geschäft
Schuldenkrise? Konjunkturabkühlung? Es gibt Unternehmen, die davon nichts oder nur wenig spüren. Der schwäbische Autozulieferer Dürr ist ein solches Unternehmen, macht seinen Anlegern derzeit wieder viel Freude. Vor Aufträgen kann sich der Lackspezialist kaum retten. Die Neunmonatszahlen waren prächtig.
Lesen Sie, warum es weiter boomen sollte bei Dürr:
Dürr geht es nicht erst seit gestern richtig gut. Die Aktie der Schwaben aus Bietigheim-Bissingen startete im März 2009 nach einem Tief bei 7,14 Euro zu einer nachhaltigen Aufwärtsbewegung, die das Papier im Juli dieses Jahres bis 32,57 Euro beförderte. Nach einem deutlichen Rückschlag im August scheint die Aktie jetzt wieder Fahrt aufzunehmen.
Starke Zahlen sind die Basis für die jüngsten Kursgewinne. In den ersten neun Monaten kletterte der Auftragseingang auf knapp 2,1 Milliarden Euro. Damit ist bereits das Jahressoll mehr als erfüllt. Der Ausblick wird erneut angehoben. Bis zum Jahresende peilt der Zulieferer nun einen Auftragseingang von 2,5 Milliarden Euro an.
Mehr Umsatz, mehr Rendite!
Vor allem das dritte Quartal lief für Dürr besser als ohnehin
schon erwartet:
Nach vorläufigen Berechnungen gingen von Juli bis September
Bestellungen im Wert
von 866 Millionen Euro ein. Das entspricht einem Zuwachs von 138
Prozent im
Jahresvergleich. Beim Umsatz werden im Gesamtjahr jetzt 1,8
Milliarden Euro
anvisiert - statt der bisher in Aussicht gestellten 1,75
Milliarden Euro. Im
dritten Quartal kletterten die Erlöse um 54 Prozent auf 524
Millionen Euro, das
Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern) konnte in der Zeit auf 29
Millionen Euro
mehr als verdoppelt werden.
Im Zeitraum der ersten neun Monate vervierfachte sich das Ergebnis sogar auf 62 Millionen Euro. Die operative Marge stieg auf 4,7 Prozent. Bis Jahresende will Dürr die Renditemarke von fünf Prozent knacken. Das wäre Rekord für das Unternehmen.
Ausschlaggebend für die über den Erwartungen liegende Entwicklung ist die anhaltend starke weltweite Nachfrage aus der Automobilindustrie. Dürr konnte sich auch im dritten Quartal wieder einige Großaufträge aus den Emerging Markets – in erster Linie sind hier wohl China und Mexiko zu nennen – sichern.
Wie ich gehört habe, sind es nicht die letzten für dieses Jahr. Die Projektanfragen bewegen sich weiter auf sehr hohem Niveau. Der Boom ist also noch nicht am Ende. Schon jetzt ist absehbar, dass 2011 deutlich über 60 Prozent des Auftragseingangs auf die Emerging Markets entfallen.
Wie die Entwicklung 2012 verläuft, ist allerdings noch nicht entschieden. Die Messlatte hat Dürr selbst sehr hochgelegt.
Klar ist aber, dass das Umfeld auch für die Autoindustrie und damit auch für die Zulieferer schwieriger wird. In diesem Umfeld weiter erfolgreich zu wirtschaften, muss das Konzernziel für das kommende Geschäftsjahr sein.
MEIN FAZIT:
- Dank des
weltweiten Autobooms
können die Hersteller wieder mehr investieren. Viele
modernisieren ihre Werke.
Das beschert Dürr kräftige Zuwächse.
- Kurzfristig (bis Ende des 1. Quartals 2012) sehe ich noch Luft für die im Kleinwerte-Index SDAX notierten Dürr-Aktien, weitere deutliche Gewinne sind darum nicht ausgeschlossen.
- Die längerfristige Entwicklung hängt allerdings auch davon ab, ob es Dürr gelingt, sich aus der Abhängigkeit der chinesischen Wirtschaft zu lösen. So entfällt der Hauptteil des Auftragseingangs im laufenden Jahr auf die Emerging Markets, allein China wird dazu knapp 40 Prozent beisteuern.
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Armin Brack
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