Spiel auf Zeit



09:22 27.10.11

Die zuletzt kräftig gestiegenen Aktienkurse werden mit der Hoffnung auf
eine baldige Lösung der Schuldenkrise begründet. Dieser Optimismus ist
überzogen. Eine endgültige Lösung ist nicht in Sicht. Probleme, die in
Jahrzehnten aufgebaut wurden, lassen sich nicht mit ein paar Beschlüssen
beseitigen. Vielmehr wird uns die Schuldenkrise noch über Jahre begleiten.

Nur Zeitgewinn

Bislang gibt es kaum Anzeichen, dass die Politik den Kern des Problems -
die massive Verschuldung, die sich durch unser gesamtes
Wirtschaftssystem zieht angeht (Ausnahme ist das im internationalen
Vergleich unbedeutende Griechenland, wo sich ein Schuldenschnitt
abzeichnet). Das war schon in der Finanzkrise 2008 so: Die Schulden
wurden nicht eliminiert, weil die Verantwortlichen Angst vor einer
Kettenreaktion hatten. Stattdessen wurden die schwächsten Glieder, bei
denen die Bonität angezweifelt wurde, mit Staatsgeldern aufgefangen. Die
Schulden gingen so von den Finanzhäusern an die Staaten über. Inzwischen
sind die meisten Retter selbst in Not und die Verbindlichkeiten
wandern erneut eine Stufe weiter nach oben. Über Hilfskonstrukte mit
kryptischen Namen (EFSF, ESM u.a.) werden jetzt die verbliebenen
Gläubiger mit guter Bonität (vorwiegend Deutschland) angezapft und ihnen
die Schulden der anderen EU-Länder aufgebürdet. Möglicherweise lässt


sich so noch einmal etwas Zeit gewinnen. Mehr aber nicht: Deutschland
hat schon jetzt über zwei Billionen Euro Schulden. Die zusätzlichen
Verbindlichkeiten wird das Land auf mittlere Sicht nicht schultern
können und so selbst in die Bredouille geraten.

Geldversorgung gesichert

Über kurz oder lang wird die Politik nicht umhin kommen, endgültige
Lösungen zu suchen. Es gibt dabei mehrere Möglichkeiten, die aber
allesamt schmerzhaft sind und eine Reihe an Nebenwirkungen beinhalten.
Aktuell konzentrieren sich die Politiker auf die Rettung des
Finanzsystems. Mit milliardenschweren Kapitalspritzen für die Banken
soll der Sektor vor dem Kollaps bewahrt werden. Damit bliebe die
Geldversorgung der Wirtschaft gesichert, die Unternehmen und die
Konjunktur könnten sich halbwegs vernünftig entwickeln. Zusammen mit den
massiven Liquiditätsspritzen der Notenbanken ergibt sich so für die
Börsen ein einigermaßen erträgliches Umfeld.

In diesem Sinne

Wolfgang Braun

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Über den Autor
 
Autor: Wolfgang Braun Wolfgang Braun,
Aktien-Strategie

Wolfgang Braun ist Chefredakteur der Aktien-Strategie (früher Global Performance). Der seit 1999 erscheinende Börsenbrief hat sich auf deutsche Wachstums-Aktien spezialisiert. Dank einer ausgefeilten und bewährten Anlagestrategie schlägt das Musterdepot die Vergleichsindizes deutlich. So schaffte das Wachstumswerte-Depot seit seiner Auflegung im März 1999 eine durchschnittliche jährliche Performance von rund 15 Prozent - obwohl in diesen Zeitraum der dramatische Niedergang des Neuen Marktes sowie die Finanzkrise 2008 fällt. Weitere Informationen unter www.aktien-strategie.de

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