Nein, es war nicht wirklich der große Wurf. Der Patient Europa, der
an immensen Schulden einiger Staaten erkrankt ist, wird lediglich
ambulant behandelt. Eine vollständige Heilung scheint aber weiterhin
ein weiter Weg. So bleibt die Frage, ob beispielsweise Italien
seinen Haushalt in den Griff bekommt beziehungsweise ob der
Rettungsschirm noch weiter gespannt oder noch offensiver gehebelt
werden muss. Trotzdem feierten die Finanzmärkte die Ergebnisse des
jüngsten EU-Gipfels, welche unter anderem einen 50-prozentigen
Schuldenschnitt für Griechenland vorsehen.
Endlich Einigkeit
Es war vor allem die Freude darüber, dass die Politik nach
monatelangem Zaudern und Taktieren endlich Einigkeit und
Handlungsfähigkeit demonstriert. Um mehr als fünf Prozent konnte der
DAX am Donnerstag nach oben preschen. Am letzten Tag der vergangenen
Handelswoche bewegte sich der Index allerdings kaum von der Stelle.
Und dies, obwohl das Konsumklima der Universität Michigan im Oktober
stärker als erwartet nach oben revidiert wurde. Der entsprechende
Index stieg von 59,4 Punkten im Vormonat auf 60,9 Zähler. Doch es
gab Dinge, die dem DAX am Freitag nicht wirklich schmeckten. Zum
Beispiel verlief eine Emission italienischer Staatsanleihen ziemlich
enttäuschend.
Widerstand überwunden
Alles in allem aber hat sich das noch vor wenigen Wochen arg trübe
Bild an der Börse aufgehellt. Der DAX hat den charttechnischen
Widerstand bei 6.100 Punkten nach oben durchbrochen. Eine
Jahresendrallye, welche bis in die Region um 7.000 Zähler führen
könnte, ist daher keine Utopie. Viele Fonds sind unterinvestiert –
Fondsmanager könnten unter Zeitdruck stehen, die Performance bis zum
Jahresende zu verbessern. Das heißt aber nicht, dass der Aktienmarkt
vor kurzfristigen Rücksetzern gefeit ist. Zumal sich der DAX derzeit
nahe des überkauften Bereichs bewegt. Außerdem dürften die
Marktteilnehmer realisieren, dass der jüngste EU-Gipfel nicht
wirklich den großen Wurf gebracht hat.
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Frank Sterzbach, Finanzen & Börse |
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