Übertriebene Euphorie



10:32 03.11.11

Geradezu euphorisch haben die Anleger auf die Ergebnisse des EU-Gipfels
am vergangenen Mittwoch reagiert. Dabei haben die Beschlüsse keine
Überraschungen gebracht. Offenbar hatten einige Marktteilnehmer
befürchtet, dass es überhaupt keine Einigung gibt, was nicht für
sonderlich großes Vertrauen in die Politik spricht. Dabei wird die
Einigkeit auch in Zukunft benötigt. Die Entwicklungen der vergangenen
Tage zeigen, dass eine Lösung der Schuldenprobleme wie von uns erwartet
nicht in Sicht ist. Nach der Ankündigung einer Volksbefragung in
Griechenland wurde der nächste Krisengipfel bereits für diesen Mittwoch
anberaumt.

Die Kernpunkte

Italien hat man mit ein paar vagen Versprechungen über künftige Reformen
davon kommen lassen. Wie weit diese umgesetzt werden, ist wie viele
Details der getroffenen Vereinbarungen noch offen. Spruchreif scheint
dagegen der Schuldenschnitt für Griechenland von 50 Prozent zu sein
(sofern das Land mitspielt) einer der Kernpunkte des Gipfels. Dass der
Haircut nicht wie im Vorfeld kolportiert höher ausfällt, ist erst einmal
gut für die Banken. Dafür bleibt Griechenland auf der Strecke. Sofern
alles wie erhofft läuft (zuletzt lief es leider fast immer schlechter),
soll die Schuldenquote Athens bis 2020 auf 120 Prozent des BIPs sinken.
Mit dieser Quote steht Italien derzeit kurz vor dem Abgrund. Kein
Wunder, dass sich die Banken ihre Zustimmung zum Schuldenerlass mit


einer staatlichen Garantie für die neuen Anleihen versehen lassen. So
ganz scheinen sie dem Braten nicht zu trauen. Allerdings zeigt die
Abmachung vom Sommer (damals vereinbarter Schuldenschnitt 21 Prozent),
die innerhalb weniger Monate hinfällig wurde, dass solche Garantien im
Ernstfall kaum etwas wert sind.

Mehr Haftung für Banken

Mit zusätzlichem Kapital für die Banken soll zudem der Finanzsektor
stabilisiert werden. Künftig wird die Branche dann mit höheren
Eigenmitteln haften. Etwas überspitzt ausgedrückt: Investoren sollen
jetzt Geld in die Institute pumpen, damit die dann ihre Schrottpapiere
abschreiben können. Mal schauen, wie viele Geldgeber sich finden lassen.
Vermutlich werden am Ende doch die Staaten (also der Steuerzahler)
einspringen. Immerhin soll ein Teil des Geldes durch die Streichung von
Dividenden und Boni erbracht werden. Ein längst überfälliger Schritt. Ob
die geplante Kapitalisierung reicht, ist ebenfalls fraglich. Die
Deutsche Bank erfüllt die Vorgaben angeblich. Dabei weist der Konzern
gerade einmal eine Eigenkapitalquote von mickrigen 2,3 Prozent auf.

In diesem Sinne

Wolfgang Braun

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Über den Autor
 
Autor: Wolfgang Braun Wolfgang Braun,
Aktien-Strategie

Wolfgang Braun ist Chefredakteur der Aktien-Strategie (früher Global Performance). Der seit 1999 erscheinende Börsenbrief hat sich auf deutsche Wachstums-Aktien spezialisiert. Dank einer ausgefeilten und bewährten Anlagestrategie schlägt das Musterdepot die Vergleichsindizes deutlich. So schaffte das Wachstumswerte-Depot seit seiner Auflegung im März 1999 eine durchschnittliche jährliche Performance von rund 15 Prozent - obwohl in diesen Zeitraum der dramatische Niedergang des Neuen Marktes sowie die Finanzkrise 2008 fällt. Weitere Informationen unter www.aktien-strategie.de

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