Smart Investor Weekly 45/2011
Von Menschen, Messen - und Märkten
Vergangenes Wochenende strömten wieder zahlreiche Besucher auf die
7. Edelmetall- und Rohstoffmesse in München. Unterdessen schwanken
die Märkte weiter zwischen Euphorie und Angst.
Zum siebten Mal öffnete dieses Jahr die Edelmetalmesse in der
ehemaligen Radsporthalle auf dem Münchner Olympiagelände ihre
Pforten. Doch zwischen der ersten Veranstaltung 2005 und der
diesjährigen liegen Welten. Ähnelte die damalige Veranstaltung
noch dem Treffen einer kleinen, eingeschworenen Gemeinde, die von
der "Außenwelt" in der Regel überhaupt nicht wahrgenommen wurde,
so platzte die Münchner Eventarena dieses Jahr aus allen Nähten
(dies tat sie allerdings bereits die letzten beiden Jahre).
Wenig Vertrauen in Euro-Rettungsversuche
Zweifelsohne ist die Basis derer, die sich für Edelmetall
interessieren, deutlich breiter geworden. Der klassische Goldbug
war natürlich nach wie vor in großer Zahl vertreten, aber es
fanden sich auch viele Besucher im Publikum, die noch vor wenigen
Jahren die Stabilität unseres Finanzsystems kaum in Zweifel
gezogen hätten. Kritische Stimmen zum Thema Gold suchte man bis
auf den Vortrag von Markus Mezger (Tiberius Asset Management)
vergebens. So mancher Referent wartete jedoch mit atemberaubenden
Kurszielen auf. Kein Wunder also, dass manche Kollegen der
Mainstreampresse sich an die Zeiten des Neuen Marktes erinnert
fühlten und den Goldpreis in einer Blase wähnen. Allerdings ist es
so, dass die preistreibenden Faktoren ja nach wie vor nicht aus
der Welt sind, vor allem aber verleitet der bereits seit 10 Jahren
steigende Nominalpreis des Goldes zu Fehlinterpretationen: Gold
steigt eigentlich nicht, vielmehr sind es die Papierwährungen, die
ihre Kaufkraft dramatisch verlieren. Nicht umsonst sprach der
amerikanische Bankier J.P. Morgan davon, dass "Gold Geld sei und
nichts anderes!" Mehr zum Thema "Gutes Geld" können Sie übrigens
in unserer gleichnamigen Sonderausgabe lesen.
Noch keine Blase
Noch sind wir aber nicht in der absoluten Euphoriephase
angekommen. Dazu sind die Pressekommentare zu verhalten, die
Probleme dies und jenseits des Atlantiks nicht gelöst (wie sollten
sie auch?) und die einzige Antwort der Politik auf die
Schuldenkrise ist: noch mehr Schulden! Vor allem diese Haltung, da
waren sich die meisten Vortragenden einig, wird schließlich die
finale, exponentielle Bewegung in den kommenden Jahren auslösen.
Die spannende Frage ist natürlich: Was passiert dann? Hierauf
hörte man in München verschiedenste Positionen: Endzeitszenarien
wurden genauso diskutiert wie der simple Beginn eines neuen
Zyklus. Auch die Ansicht, dass Gold am Ende wieder Teil des
offiziellen Finanzsystems werden wird, wurde nicht selten
vertreten. In jedem Fall wird es in nicht allzu ferner Zukunft
wieder an der Zeit sein, seine Goldbestände zu reduzieren. Noch
allerdings gilt es, in die Sicherheit des gelben Metalls zu
vertrauen - das Edelmetall ist schließlich einer der ganzen
wenigen Assets, die kein Ausfallrisiko aufweisen.
Neben informativen Vorträgen und anregendem Gedankenaustausch hat
uns besonders der rege Zuspruch unserer Leser gefreut. Nur selten
erfahren wir Redakteure, wie unsere Texte bei den Lesern ankommen.
Veranstaltungen wie die Edelmetallmesse sind für uns daher auch
ein wichtiger Gradmesser für unsere Arbeit - und die scheint,
folgt man dem Feedback unserer Leserschaft, so schlecht nicht zu
sein. Herzlichen Dank hierfür!
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Nächste Erscheinungstermine: 18.11.; 2.12.
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Märkte
Gefreut haben sich vergangene Woche auch die Märkte. Nun ja,
weniger über eine dann doch noch sehr kleine Messe in München,
sondern über den Amtsantritt von Mario Draghi. Schließlich hatte
der frischgebackenen EZB-Präsident auch ein Antrittsgeschenk in
petto: eine Zinssenkung um einen Viertelprozentpunkt! Dies gab den
Märkten Auftrieb und der DAX zog vergangene Woche etwas an.
Tatsächlich aber ist, er zunächst einmal an dem Widerstand bei
rund 6.300 Punkten abgeprallt, der sich bereits im Jahr 2010 als
beachtliche Hürde erwiesen hatte (vgl. Chart).

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Ralf Flierl, Smart Investor |
Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor".
Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated,
non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003
eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit,
das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.
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