Smart Investor Weekly 46/2011
Über Macho Silvio - und eine Fake-SKS
Was sind das denn für Zeiten? Regierungschefs sind heute
schneller ihren Job los als Fußballtrainer, vor allem wenn sie -
im Gegensatz zu den Coaches - ordentlich Punkte sammeln.
Gemeint sind natütlich Basis-Punkte bei der Verzinsung ihrer
Staatsanleihen. Doch das Personalkarussell in den europäischen
Metropolen löst das Problem nicht, wie die jüngste
Härtefall-Entscheidung in Rom zeigt: Als Silvio Berlusconi noch
nicht zurückgetreten war, kletterten die Zinsen für italienische
Staatsanleihen auf immer neue Höhen. Und da blieben sie auch nach
Rücktrittsankündigung und Rücktritt. Und was hat sich eigentlich
an der Situation in Griechenland nach dem Papandreou-Rücktritt
geändert?
Lösung in Sicht?
Die Personalwechsel sind nicht Teil einer Lösung, sondern sie
machen nur deutlich, dass mittlerweile eine Lösung weiter denn je
entfernt liegt. Es wird der Eindruck erweckt, - oder zumindest
versucht, ihn zu erwecken - dass durch neue Köpfe an den
Schaltstellen Rettung für die Länder möglich sei. Dass also zum
Beispiel Italien ohne Schuldenschnitt gerettet werden könnte, wenn
denn nur die Vorgaben der EU, der Troika oder von wem auch immer,
umgesetzt und Sparprogramme und Steuererhöhungen nur hart genug
durchgesetzt würden. Doch das ist schlicht und einfach nicht der
Fall. Siehe Zinsen für Italiens Staatsanleihen.
Die gesamte Absurdität des Systems wird bei Betrachtung der Regeln
für die Eigenkapital-Unterlegung der Banken bei Investitionen in
Staatsanleihen deutlich. Denn nach derzeitigem Stand müssen Banken
Staatsanleihen nicht mit Eigenkapital unterlegen, da sie offiziell
als "risikofrei" gelten. Gleichzeitig verlangt die Politik aber in
ihrer Not, dass die Banken sich "freiwillig" am Schuldenschnitt
von Griechenland und wahrscheinlich weiteren Staaten beteiligen.
Und weil gesehen wird, dass bei den geltenden Eigenkapital-Quoten
und den zu in den Bondpreisen implizierten Ausfällen dann
keinerlei Eigenkapital mehr für herkömmliche Kredite für
Unternehmen oder Privatpersonen verfügbar ist, wird die
zwangsweise Aufstockung des Banken-Eigenkapitals - zur Not mit
Staatsgeldern - gefordert. Wenn sich ein sozialistischer
Mastermind einen Masterplan ausgedacht hätte, das Bankensystem zu
verstaatlichen, dann hätte es vermutlich so ausgesehen. Denn viel
raffinierter hätte man es wirklich nicht anstellen können.
Kurzum: die Situation ist in einem Maße verfahren, dass mit jeder
Wendung die Fahrt Richtung EU-Bankrott und zuvor noch
Crack-up-Boom beschleunigt wird - nach wie vor ist kein Bremser zu
erkennen. Und damit zu den Märkten, die langsam aus der Phase der
dauererregten Nervosität Richtung Tourette-Syndrom driften.
Zu den Märkten
Wie bereits letzte Woche an dieser Stelle angedeutet, bilden
einige wichtige Börseninzes wie der DAX oder der EuroStoxx oder
auch die Nasdaq sogenannte Kopf-Schulter-Formationen (SKS) aus.
Eine solche SKS gilt unter Charttechnikern als Indiz für eine
baldige Trendwende, in unserem Falle nach unten. Der
DAX-Kursverlauf in der Graphik zeigt eine solche SKS, kenntlich
gemacht durch die drei roten Bögen. Was ist nun also von dieser
Gefahr zu halten, noch dazu wo doch mehrere wichtige Börsen solche
Formationen ausbilden?

Zunächst einmal: Sollte sich die bearishe Drohung, die mit einer
solchen SKS verbunden ist, tatsächlich in der Realität
manifestieren, dann dürften die Börsen in den kommenden Wochen und
Monaten weiter deutlich gen Süden gehen - und die Baisse dürfte
die nächste Runde einläuten.
Die Frage ist nur: Wird dieses Drohpotenzial auch in die Tat
umgesetzt oder handelt es sich nur um eine "Fake-SKS"? Gemeint ist
die Illusion einer SKS, die zwar Bärenherzen höher schlagen lässt,
welche aber sich tatsächlich nicht manifestieren wird, ganz im
Gegenteil: Eine Fake-SKS würde implizieren, dass die Kurse -
sobald die Formation nach oben verlassen wurde - anschließend
explodieren. Wie das?
Gerade bei lehrbuchhaften charttechnischen, die von vielen
Marktteilnehmern daher als solche erkannt werden, ist davon
auszugehen, dass sich einige davon gemäß der Lehrbuchaussage
positionieren. Wenn es nun doch anders kommt, und die Kurse ziehen
an (statt zu fallen), dann kommen eben alle diejenigen, die sich
vorher auf der Short-Seite positioniert haben, gehörig unter
Druck: Sie werden irgendwann vom Markt "gezwungen" ihre Position
zu liquidieren oder aber sogar eine Long-Position aufzubauen. All
dies führt dazu, dass der Markt noch weiter steigt. Es ist also
nicht so sehr entscheidend, ob sich eine SKS ausbildet oder nicht.
Sondern vielmehr ist wichtig, welche Marktteilnehmer sich während
ihrer Ausbildung wie positionieren. Wenn sich nämlich die
Hartgesottenen mit den großen Taschen innerhalb einer SKS auf der
Long-Seite positionieren, dann werden die Kurse danach nicht
fallen sondern steigen. Die entscheidende Frage ist also: In
welche Richtung spekulieren die Hartgesottenen?
Wer sich eher der bearishen Sichtweise anschliessen will, der
findet derzeit unter den Technischen Analysten viele Mitstreiter.
Smart Investor dagegen geht von der "Fake-SKS" aus und sieht wie -
im aktuellen Heft aufgezeigt - die Entfaltung des letzten Stücks
der aktuellen Hausse (CuB) während der kommenden 8 bis 15 Monate.
D.h. wir rechnen auch mit einer Jahresendrally.
|
Ralf Flierl, Smart Investor |
Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor".
Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated,
non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003
eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit,
das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.
Alle Artikel dieses Autors anzeigen |
|
Devin Sage TXA ... Devin Sage, Technische-X-Analyse.de (26.05.12) |
|
|
Erfolgreicher Börsengang !!! Bernd Niquet, Autor (26.05.12) |
|
|
DAX & Facebook ... Frank Sterzbach, Finanzen & Börse (26.05.12) |
|
|
Dow Jones alles auf ... Jochen Steffens, Stockstreet GmbH (26.05.12) |
|
|
GOLD: Baldiges Ende ... Günther Artner, CFA - Erste Group B. (26.05.12) |
|
|
Hüfners ... Redaktion boerse-frank., Deutsche Börse AG (26.05.12) |
|
|
Ungarn-Anleihe: Mögliche ... Sven Krupp, (26.05.12) |
|
|
DAX: Weiterer ... S. Böhm, DaxVestor (26.05.12) |
|
|
US-Dollar: Vorläufiges ... Herr Dr. Rettinger, Devisen-Trader (26.05.12) |
|
|
Nullzins-Anleihe ... Sabine Traub, Börse Stuttgart AG (26.05.12) |
|
|
Bellhaven Copper & ... Stefan Bender, silbernews (25.05.12) |
|
|
Euro-BTP-Futures: Forza ... Dirk Friczewsky, Tradingstrategien (25.05.12) |
|