Die weltweite Schuldenkrise wütet allerorten, neue Eskalationsstufen
scheinen nur eine Frage von Tagen oder Wochen zu sein. Nicht mehr
nur die Renditen griechischer, portugiesischer und italienischer
Anleihen ziehen unvermindert an. Nunmehr geraten auch die
Papiere starker AAA-Euroländer unter Druck das ist eine neue
Qualität der Krise. Politik und Märkte sind alarmiert, denn
damit erhöht sich auch bei Banken der Leidensdruck weiter. Klar
ist: Der Markt für Staatsanleihen ist schwer angeschlagen!
Wer hängt zuerst im Rettungsschirm: Banken oder Versicherer?
Aus dem einst Sicheren Hafen Staatsanleihen ist ein stürmisches
und unberechenbares Gewässer geworden. Doch just in diesem Markt
stecken Billionen deutscher Gelder und es werden täglich mehr!
Neben den Banken legen hier auch Versicherer sehr große Summen an.
Und damit wären wir beim springenden Punkt: den Lebensversicherungen
- in Finanzfragen des Deutschen liebstes Kind. Über Jahrzehnte
wurden Millionen Policen mit dem Verweis auf Steuervorteile unters
Volk gebracht, über die Otto-Normalbürger seither mit monatlichen
Einzahlungen ein kleines oder großes Vermögen ansparen. Mann oder
Frau möchte schließlich im Alter abgesichert sein. Hierzulande
gibt es mittlerweile mehr LV-Verträge als Einwohner, denn diese
Geldanlage gilt noch immer als bombensicher und grundsolide.
Um es klar zu sagen: Wir hegen hieran starke Zweifel! Ein
Ende des Werteverfalls bei europäischen Staatspapieren ist nämlich
nicht in Sicht. Und mit der bereits absehbaren Verschärfung der
ebenbürtigen Schuldenkrise in den USA drohen Banken und
Versicherern weitere Hiobsbotschaften: Auch über dem großen Teich
tickt eine Schuldenbombe, die tiefe Krater in die Anleihe-Portfolios
hiesiger Versicherer reißen dürfte mit entsprechenden Folgen für
deren Kunden!
Wir meinen: Es wird immer enger für die Versicherer!
Das hat wohl auch Allianz-Vorstand Oliver Bäte erkannt, als er am
Mittwoch auf der Jahrestagung der europäischen Versicherungsaufsicht
Eiopa seinem Unmut Luft machte. "Wir können ein Unternehmen nicht
auf Dauer führen, wenn unsere Kapitalausstattung in einem Quartal um
50 Prozent schwankt", sagte der Allianz-Controlling-Chef und
offenbarte: "Der Markt ist kaputt, und keiner tut etwas
dagegen."
Die Staatenkrise birgt große Sprengkraft für Banken UND
Versicherungen! Doch das scheint bislang hierzulande ein Tabuthema
zu sein: Ist von der Schuldenkrise die Rede, hört man stets nur von
Banken und Staaten. Das mögliche Ausfälle auch Allianz, Generali
& Co. treffen könnten, bekommt der deutsche Michel jedoch nicht
zu hören. Wohl aus gutem Grund
Erinnern wir uns: Auch die ehemals offenen Immobilienfonds waren
lange das Nonplusultra einer soliden Geldanlage und Altersvorsorge.
Das Geschäft mit Lebensversicherungen ist höchst lukrativ, vor
allem für die Anbieter. Wir raten deshalb von neuen
Vertragsabschlüssen ab. Lassen Sie sich von dem Argument, dass
Anfang 2012 der Garantiezins für Neuverträge von 2,25% auf 1,75%
sinkt, nicht ködern. Mit diesem Zinssatz gleichen Sie noch nicht
einmal die Inflation aus, sondern bescheren sich vielmehr horrende
Abschluss- und Verwaltungskosten. Bestehende LV-Verträge gilt es nun
ebenfalls zu prüfen. Auch Lebensversicherungen sind von der
Schuldenkrise und damit einer möglichen Inflation und/oder
staatlichen Eingriffen bedroht.
Wie geht es weiter an den Märkten?
Dazu ein treffendes Zitat von Reuters: "Wir haben Rettungsprogramme
aufgelegt, Sparpläne ausgehandelt, Regierungen ausgetauscht - aber
es hat alles nichts genützt", zitiert die Nachrichtenagentur einen
Analysten. "Wir stehen kurz vor einer Eskalationsstufe, und es
gibt nur noch einen Rettungsanker - die EZB."
Damit ist alles gesagt!
In einer vollends aus dem Ruder laufenden Schuldenkrise muss die
EZB eher früher als später die Druckerpresse anwerfen und dem
Vorbild der US-Notenbank FED folgen: Das bedeutet nicht
weniger als den unlimitierten und offenen Ankauf europäischer
Staatsanleihen durch die EZB, seien es Papiere aus Italien,
Portugal, Spanien oder ggf. auch aus Frankreich. Mit dieser Maßnahme
könnte Brüssel endlich den Teufelskreis durchbrechen und Spekulanten
mit einem Schlag kaltstellen. Eine starke Rallye bei Aktien,
Edelmetallen und anderen Rohstoffen wäre dann vorprogrammiert!
Bis dahin verspricht die Schnäppchenjagd reiche Beute. Die Frage
ist, wann diese BOMBE zündet?
Noch wähnen sich offensichtlich die Deflationisten auf der sicheren
Seite:

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Frank Szillat, Capital-Manager |
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