Nachdem Standard & Poors (S&P) Frankreich kürzlich noch
versehentlich die Top-Bonität entzog, könnte das Versehen schon
bald zur Realität werden. Allen Sparbemühungen Frankreichs zum
Trotz, droht die Ratingagentur Moodys den Franzosen das
AAA-Rating zu entziehen. Steigende Risikoaufschläge für
Staatsanleihen in Kombination mit einem schwachen wirtschaftlichen
Ausblick könnten sich mittelfristig negativ auf die Bonität
Frankreichs auswirken, so die Analysten von Moodys in der
Begründung. Die schlichte Androhung von Konsequenzen sorgte sogleich
für Verwerfungen am deutschen Aktienmarkt, wovon zum Wochenauftakt
der Bund-Future profitieren konnte und auf über 137 Basispunkte
anzog.
Vor diesem Hintergrund könnten die wieder aufkeimenden Forderungen nach EuroBonds zur Totgeburt werden. José Manuel Barroso brachte die europäischen Gemeinschaftsanleihen wieder ins Spiel. Dem EU-Kommissionspräsidenten zufolge würde durch derartige Schuldverschreibungen der Druck von den hochverschuldeten Staaten Europas ein wenig genommen werden. Notwendige Haushaltskonsolidierungen könnten auf diesem Wege leichter vorgenommen werden, da die Refinanzierungskosten auf dem Finanzmarkt nach unten gedrückt werden würden. Falls jedoch Frankreich tatsächlich die Bestnote entzogen werden sollte stellt sich die Frage, wer überhaupt noch für den notwendigen AAA-Status derartiger Eurobonds sorgen soll? Zumal auch mit Österreich einem weiteren AAA-Staat dasselbe Schicksal droht. Selbst Finnland und die Niederlande sind in den Fokus der Finanzmärkte geraten. Deutschland alleine wird jedoch kaum für die Bestnote garantieren können.
Der Regierungswechsel in Spanien brachte bislang keine Entspannung am Finanzmarkt. Am Sonntag errang die konservative Partei um ihren Vorsitzenden Mariano Rajoy die absolute Mehrheit. Den neuen Regierungschef erwartet ein schweres Erbe: Mittlerweile ist jeder dritte Arbeitslose im Euro-Raum ein Spanier; die Arbeitslosenraten unter den 20- bis 25-jährigen erreichen absolute Rekordwerte. Rajoy fand demgemäß auch am Abend seines größten politischen Triumphs mahnende Worte und stimmte seine Wähler auf schwere Zeiten ein. Die Herkules-Aufgabe für Rajoy wird die Wiederbelebung des Arbeitsmarktes und der Wirtschaft sein. Mit einer Verschuldungsquote im Bereich von etwas mehr als 60 Prozent halten sich die haushaltspolitischen Probleme jedoch in Grenzen.
Nach Monaten harter Arbeit sind wir heute zu dem Schluss gekommen, dass es nicht möglich ist, gemeinsame Vorschläge zu machen [] Wir sind zutiefst enttäuscht, dass wir keine überparteiliche Einigung im Defizitabbau erreichen konnten. So gab am Dienstag die Sparkommission in den USA ihr Scheitern bekannt, da hinsichtlich der Gestaltung des notwendigen Schuldenabbaus keine Einigung erzielt werden konnte. Im Zuge dessen kündigte die Ratingagentur Fitch eine Überprüfung des derzeitigen AAA-Ratings für die größte Volkswirtschaft der Welt an. Nachdem bereits vor einigen Wochen der Streit um die Schuldenanhebung um ein Haar gescheitert wäre, wurde das Superkomitee eingesetzt, um über Einsparungen in Höhe von gut 1,2 Billionen US-Dollar zu beraten. US-Präsident Obama will den eingeschlagenen Sparkurs unbeirrt weiter verfolgen. Stand heute wird spätestens ab 2013 ein Sparautomatismus einsetzen.
Eine Staatsanleihen-Auktion sorgte zur Wochenmitte für einen kleinen Schock am Finanzmarkt. Deutschland, der Fels in der Brandung der europäischen Schuldenkrise, konnte nur 3,89 Milliarden Euro, anstelle der geplanten sechs Milliarden am Markt platzieren. Unsicherheit machte sich breit, die auch den Bund-Future erfasste. Dieser verlor gegenüber dem Vortag rund 160 Basispunkte. Woran es letztlich lag, dass nicht alle Anleihen platziert werden konnten, ist bislang unklar. Allerdings blieb die geringe Nachfrage auf dem Sekundärmarkt ohne Auswirkungen, wo die Renditen für Bundesanleihen ihr stabiles Niveau halten konnten. Einige Analysten führen die niedrigen Renditeaussichten sowie die außerordentlich hohe Nachfrage der vergangenen Monate als Gründe für das geringe Interesse an.
Für eine positive Überraschung sorgte gegen Ende der Woche der
ifo-Geschäftsklimaindex, der leicht über den Erwartungen der
Analysten lag. Der leichte Anstieg resultiert aus geringfügig
weniger skeptischen Geschäftserwartungen der Unternehmen. Die
aktuelle Geschäftslage ist den Firmenangaben zufolge unverändert
positiv, so ifo-Chef Hans-Werner Sinn.
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Sabine Traub, Börse Stuttgart AG |
Sabine Traub und Cornelia Frey berichten im Anleihenbericht Bonds weekly wöchentlich über die aktuelle Marktentwicklung, das Anlegerverhalten und Anleihen-Neuemissionen an der Börse Stuttgart. Sabine Traub ist Leiterin des Anleihenhandels an der Börse Stuttgart. Cornelia Frey ist als Börsenkommentatorin an der Stuttgarter Börse aktiv.
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