DAX-Analyse: Ein Truthahn, der im Magen liegt



15:45 28.11.11




WGZ Cognitrend Report - das Marktgeschehen aus dem Blickwinkel der verhaltensorientierten Forschung

Ein Truthahn, der im Magen liegt

Es sind keineswegs die Nachrichten vom Aktienmarkt gewesen, die für einen weiteren Abverkauf deutscher Standardwerte in der vergangenen Handelswoche sorgten. Schuld daran war auch nicht die Herabstufung Portugals. Der Auslöser war die schlechte Platzierung einer zehnjährigen Bundesanleihe, sicherlich die misslungenste Platzierung seit Einführung des Euros. Nun hat es ja bekanntlich bereits in früheren Zeiten schlecht nachgefragte Anleiheemissionen gegeben. Wenn aber selbst der Nobelpreisträger Paul Krugman an Thanksgiving sein Besteck aus der Hand legt, um erst einmal einen Blog loszuwerden, bevor er in aller Ruhe seinen Truthahn zu Ende genießen kann, horchen die Akteure an den Finanzmärkten natürlich auf. Angesichts einer Rendite von 2,21 Prozent konnte es für den Ökonomen nur den logischen Schluss geben, der Markt habe einen Zusammenbruch der Eurozone bereits eingepreist. Das passt auch zu der Überschrift der Financial Times, die die Platzierung der Anleihe als "Apocalypse Trade" titulierte. Und weil viele Akteure einfache Denkmuster aufgrund des hohen Zeitdrucks in den Finanzmärkten bevorzugen, gab es nicht wenige, die diese eindimensionale Betrachtungsweise adaptierten. Dabei muss man sich doch nur einmal fragen, was mit den Anleihepreisen geschehen würde, wenn es tatsächlich zu einem Kollaps der Eurozone käme. Hätte dann nicht Deutschland weniger Verbindlichkeiten und Garantien gegenüber den früheren Partnerländern? Würden für so einen Fall Bundesanleihen nicht sogar als sicherer Hafen stärker nachgefragt werden?

Tatsächlich dürften zumindest die Akteure, die am vergangenen Mittwoch die neu aufgelegten Bundesanleihen nicht in ausreichendem Maße nachgefragt hatten, wohl kaum von einem Zerfall der Eurozone ausgegangen sein. Vielmehr kommt durch dieses Verhalten zum Ausdruck, dass sie auf die baldige Einführung von Eurobonds und die damit einhergehenden steigenden Renditen für Bundesanleihen setzten. Eine Hoffnung, die direkt im Anschluss enttäuscht, wenngleich vermutlich nicht endgültig vom Duo "Merkozy" zerstört wurde. Denn diese Diskussion ist längst noch nicht vom Tisch und steht zudem auf einem anderen Blatt. Unterdessen hat der DAX sein kritisches Niveau bei 5.480/85 Zählern unterlaufen, womit sich weiterer Spielraum nach unten bis auf zunächst 5.240/45, danach 4.990/95 ergibt. Eine Stabilisierung ist dagegen in weiter Ferne und erst jenseits von 5.830/35 möglich.

Alle in diesem Dokument genannten Preisniveaus verlieren bei einem Durchstoß von zehn Punkten ihre Gültigkeit.

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Über den Autor
 
Autor: Joachim Goldberg Joachim Goldberg,
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Joachim Goldberg ist Geschäftsführender Gesellschafter des renommierten Frankfurter Analysehauses Cognitrend. Der erfahrene Banker und regelmäßige Gast bei n-tv ist eine Koryphäe auf dem Gebiet des so genannten Behavioral Finance. In Zusammenarbeit mit der WGZ BANK kommentieren Goldberg und sein Team unter www.wgzbank-zertifikate.de börsentäglich die Stimmung an den Aktienmärkten und leiten daraus Kauf- und Verkaufsempfehlungen für private Anleger ab. Abgerundet wird das informative Angebot der WGZ BANK durch den wöchentlich erscheinenden WGZ Cognitrend REPORT, der das Marktgeschehen aus dem Blickwinkel der verhaltensorientierten Forschung herausstellt.

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