Wochenausblick Euro-Dollar und Dax



17:00 28.11.11

Wochenausblick Euro-Dollar und Dax

Montag, 28. November 2011   Kontakt: www.actior.de  

 

 

Euro-Dollar:

Eine erneute Verlustwoche hat Euro-Dollar absolviert. Zu Beginn der letzten Handelswoche handelte die Gemeinschaftswährung noch über der 1,35, bevor am Montag ein Rücksetzer im Unterstützungsbereich 1,3420/30 endete. Daß der Gemeinschaftswährung die innere Stärke fehlt, zeigte dann die Erholung am Dienstag, die schon bei 1, 3568 endete und somit nicht im Ansatz die Widerstände 1,36 bzw. 1,3650 erreichte. Von dort an ging es dann kontinuierlich bergab, mit erhöhter Dynamik am Mittwoch, nachdem Deutschland bei einer Bund-Auktion nicht einmal zwei Drittel der angebotenen Menge am Markt platzieren konnte. Steigende Renditen auf italienische und spanische Anleihen erstickten dann alle weiteren Erholungsversuche, sodaß die Gemeinschaftswährung nahe des Wochentiefs bei 1,3240 am Freitag den Handel beschloß. Am heutigen Montag folgt dann ein rasante Erholung in Richtung 1,34.

Diese Erholung verdankt sich einmal mehr einem Gerücht: angeblich wolle der IWF Italien 600 Milliarden Euro zur Verfügung stellen, wie die Zeitung La Stampa berichtet. Wie schön. Dumm nur, daß der IWF diese Mittel gar nicht hat und zudem diese Meldung inzwischen dementiert hat. Macht aber nix, Hauptsache der Euro steigt ein bißchen, zumal Deutschland  - nach einer Meldung der Zeitung "Die Welt" - angeblich an sogenannten Elite-Bonds arbeitet, also Anleihen, die gemeinsam mit den (wenigen) verbliebenen Tripple-A gerateten Staaten herausgebracht werden sollen. Dabei bleibt unklar, wie etwa diese Anleihen dann den Problemstaaten zugute kommen sollen, also einen Lösungsansatz für das eigentliche Problem bieten sollen. Vermutlich aber gibt es ohnehin bald wieder ein Dementi der Bundesregierung, sodaß auch dieser Ralley dann wieder die Luft ausgeht - mangels Masse an Realität.

Das Highlight der letzten Woche aber war die mißglückte Bund-Auktion. Möglicherweise stehen wir hier am Beginn eines entscheidenden Prozesses: steigende Riskoaufschläge auf deutsche Anleihen. Unsere These war immer, daß Deutschland früher oder später nicht umhin kommt, für die gesamte EU-Zone zu haften, auch wenn sich die Bundesregierung noch tapfer gegen diese Tatsache wehrt. Das ist ehrenhaft, aber nicht sehr weitblickend, und der angebliche Versuch, nun Elite-Bonds auf den Weg zu bringen, wäre ein weiteres Ausweichmanöver auf glattem Grund, das dann doch wieder am nächsten Baum landet.

Wir glauben, daß die deutschen Anleihen ihr Renditetief bereits gesehen haben, sprich der Bund-Future seit letzter Woche einen Abwärtstrend eingeleitet hat. Steigende Riskoaufschläge für deutsche Anleihen sind aber Gift für den Euro, weil der sichere Hafen zunehmend unsicher wird. Dann bleibt nur noch die EZB, die das Problem durch Anleihekäufe nur auf eine andere Ebene verschiebt, ohne es wirklich zu lösen. Das Grundproblem ist und bleibt der verschwundene Glaube, daß Schulden schon irgendwie zurückgezahlt werden.

Charttechnisch ist der Euro, trotz des heutigen Anstiegs, nach wie vor in schwierigem Fahrwasser. Widerstände warten nun bei 1,3420, 1,3550 und 1,3650 (die Nackenlinie der Schulter-Kopf-Schulter-Formation). Bricht der Euro nachhaltig unter das Tief der letzten Woche in der Zone 1,3212-1,3225, ist der Weg für einen Abverkauf unter die 1,30 frei.

 

 

Dax:

 

Auch der Dax mußte in der letzten Woche Federn lassen. Nach einem Start knapp unter der 5800er-Marke kam der deutsche Leitndex bereits am Montag stark unter Druck und kam erst knapp über 5600 Punkten zum Stehen. Von diesem Schlag konnte sich der Dax die gesamte Woche nicht mehr erholen. Jede zaghafte Erholung, die meist an den Vormittagen stattfand, wurde im späteren Handelsverlauf wieder abverkauft, sodaß der Index bis auf den umsatzschwachen Freitag jeden Tag im Minus schloß. Das Wochentief erreichte der Dax am Freitag knapp über 5360 Punkten, bevor dann eien zaghafte Erholung einsetzte. Am heutigen Montag zeigt der Dax eine impulsive Hoffnungsralley in Richtung des zentralen Widerstands bei 5750 Punkten - dort befindet sich die Nackenlinie der Schulter-Kopf-Schulter-Formation.

Nach der Depression der Vorwoche hat man sich zu Beginn dieser Handelswoche wieder für den Hoffnungsmodus entschieden. Die jüngere Vergangenheit hat gezeigt, daß diese Hoffnungsralleys nicht wirklich nachhaltig sind. Das Gedächtnis aber der Märkte scheint löchrig wie ein Schweizer Käse zu sein, und um Logik kümmert man sich schon gar nicht, wie das obige Beispiel mit dem IWF und Italien zeigt.

Aber sei´s drum: der Dax war etwas überverkauft, da ist dann eine technische Gegenreaktion meist nicht weit, auch wenn die Gründe eher dünn sind.

Die Gründe für Abverkäufe dagegen sind etwas handfester und werden sich daher mittelfristig auch durchsetzen.

Diese Probleme kreisen um die beiden Pole Banken und Staatsanleihen: Banken brauchen mehr Eigenkapital und kaufen daher keine Staatsanleihen mehr. Man hat nach einigen Jahren nun erstaunlicherweise bemerkt, daß auch Staatsanleihen kein risikoloses Investment mehr sind, zumal nach dem haircut bei Griechenland-Anleihen, der nebenbei auch die Credit Default Swaps entwertet hat. Während Banken also insbesondere keine Staatsanleihen der PIGS mehr kaufen, verkaufen sie insbesondere auch jene Anleihen, die gut performt haben, wie zum Beispiel die deutsche Bundesanleihe.

Es ist dieser Teufelskreis, gegen den auch die Käufe von Anleihen durch die EZB nur kurzfristig etwas anrichten können. Der Coba-Chef Blessing hat es auf den Punkt gebracht: wir haben einen Käuferstreik bei Staatsanleihen, damit einen beginnenden Anleihecrash. Nichts aber ist gefährlicher als ein Crash von Staatsanleihen, weil die Unmöglichkeit sich zu refinanzieren direkt auf die Bürger der jeweiligen Länder durchschlägt - was bei einem Aktiencrash nur begrenzt der Fall ist. Auf kurz oder lang werden diese Staaten nämlich ihre Sozialsysteme nicht mehr finanzieren können, und was dann passiert, mag man sich nicht ausmalen..

Aus den oben genannten Gründen mißtrauen wir Anstiegen von Finanzwerten ebenso wie Erholungen im Dax. Früher oder später setzt sich die Einsicht in die Realität dann eben doch durch - und die Fakten sind alles andere als bullisch für die Aktienmärkte, insbesondere für die europäischen Aktienmärkte.

Man darf nun gespannt sein, ob der Dax den wichtigen Widerstand 5750/60 sowie dann die Abwärtstrendlinie bei 5800 nach oben brechen kann. Wir sehen eine größere Chance für ein Scheitern an diesen Marken. Hoffnungsralleys bieten unseres Erachtens gute Chancen für Short-Positionen - wir gehen davon aus, daß der Dax zeitnah mindestens noch einmal die 5000 testen wird.

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Markus Fugmann

fugmann@actior.de

Tel.:040/44809860

www.actior.de

 

 

 

 

 

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