Mutation des Gier - Gens?!



19:46 29.11.11

Smart Investor Weekly 48/2011
Mutation des Gier - Gens?!

Die Einschläge rücken näher und dem entsprechend vergeht kaum mehr ein Tag an dem nicht in irgendwelchen Medien unser "kapitalistisches" System diskutiert und zerpflückt wird.

Sollten Sie dieses Spektakel bisher nicht mitverfolgt haben, trösten Sie sich: Sie haben nichts verpasst, denn der Tenor ist immer derselbe: die Märkte haben versagt, wir brauchen mehr Regulierung und allen voran die Gier der Banker hat diese ausweglose Situation entstehen lassen.

Öbszöne Gehälter
Damit wir nicht falsch verstanden werden: Natürlich sind die Bezüge vieler Bankvorstände aber auch vieler anderer Manager obszön hoch. Mit welcher Begründung soll denn ein heutiger DAX-Konzernmanager 100 oder gar 500 mal mehr verdienen als sein "normaler" Angestellter, bzw. das 10- oder 50fache eines Bankiers des vorletzten Jahrhunderts? Es handelt sich hierbei definitiv um das Ergebnis einer falschen Entwicklung. Aber eben nur um ein Ergebnis und nicht um einen Grund - und diese Unterscheidung ist alles entscheidend! Denn exakt an dieser Weg-scheidung gehen nahezu alle diesbezüglichen Diskussionen in die falsche Richtung und verlieren sich daher in nichtsagendem oder gar sinnlosem Geschwätz.

Gieriger als früher?
Warum bitteschön soll denn die Gier der heutigen Manager viel größer als die der Firmenchefs vor 100 Jahren sein? Gibt es ein für Gier zuständiges Gen, welches im Laufe der Zeit mutiert hat? Natürlich nicht, die Gier ist also heute genauso groß wie früher. Und sie ist übrigens auch genau gleichmäßig in der Bevölkerung verteilt. Oder würden Sie das Angebot eines zweistelligen Millionensalärs ausschlagen, wenn man es Ihnen denn anbieten würde?

Das falsche Geldsystem
Was sich aber geändert hat im Laufe der letzten 100 Jahre, das ist das Umfeld, in welchem sich die Gier austoben kann, namentlich unser Geldsystem. Erst das Schein-Geld-System hat es möglich gemacht, dass sich die Gier ungehemmt entfalten konnte. Die Geldmenge wurde ins Uferlose ausgedehnt, so dass immer mehr Geld auf eine deutlich langsamer wachsende Menge an Gütern trifft. Dieses Geld sorgt somit für immer stärkere Verwerfungen und Fehlanreize im Wirtschaftssystem und besonders an den Kapitalmärkten. Vor allem aber ist es dank der Geldschöpfung aus dem Nichts einigen Gruppen möglich geworden, für sich selbst die uralte marktwirtschaftliche Verbindung von unternehmerischem Risiko und unternehmerischem Gewinn zu sprengen. Hielt früher die Sorge um das richtige Maß an Risiko die Gier nach höherem Gewinn im Zaum, so kann sich heutzutage die Gier frei von jeder Angst um das Risiko voll entfalten. Dank des staatlichen Zwangsgeldsystems werden "systemrelevante" Großbanken und andere Konzerne gerettet, falls sie sich verkalkuliert, verspekuliert oder einfach schlecht gewirtschaftet haben. Für den normalen Mittelständler bzw. einfachen Bürger gibt es ein solches Rettungssystem freilich nicht - im Gegenteil: er hat die Lasten der Rettungsmaßnahmen zu tragen. Insgesamt sei Ihnen zu diesem Thema die Titelstory der neuen Ausgabe des Smart Investor Magazins ans Herz gelegt, deren zwei erste Seiten Sie hier lesen können: www.smartinvestor.de/kapitalismuskritik

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Droht Deflation und Depression?
Die meisten Anleger erwarten, dass die globale Staatsschuldenkrise durch eine höhere Inflation gelöst wird. Dabei sollten sie eher das Gegenteil befürchten. StarCapital Fondsmanager Peter E. Huber erläutert die Gründe und zeigt Chancen in seinem Vortrag "2012 - Das Jahr der Entscheidung?", abrufbar unter http://www.starcapital.de.

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Zu den Märkten
Mehr verschaukelt hatten wir uns eigentlich noch nie gefühlt. Letze Woche zogen wir mental die Reißleine - zumindest zur Hälfte - weil uns einige Chartbilder zu gefährlich aussahen. Heute, eine Woche später, wissen wir, dass dies erst einmal genau der falsche Zeitpunkt war. Sind wir in eine Bärenfalle getappt?

Das Beispiel mit dem Auto

Jeder Vergleich hinkt, das ist weitläufig bekannt. Dennoch wollen wir einen Vergleich mit einem Automobil wagen, um zu verdeutlichen, in welchem Zusammenhang aus unserer Sicht die drei von uns verfolgten Analysemethoden stehen. Die "Fundamentalanalyse" gibt Auskunft über den Treibstoff oder - im übertragenen Sinne - über das Potenzial, welches für die Fortbewegung eines Autos zur Verfügung steht. Dieses Potenzial muss aber auch genutzt bzw. in eine Drehbewegung verwandelt werden. Beim Auto geschieht dies mithilfe des Motors. Im übertragenen Sinne entspräche dem Motor die Sentiment- oder Markttechnik: diese versucht dasjenige Potenzial zu ermitteln, welches sich aus der Positionierung der einzelnen Marktteilnehmer ergibt. Um ein Auto zum Laufen zu bringen benötigt es beides: Sprit und einen Motor. Um eine Bullenmarkt vorhersehen zu können, benötigt es beides: attraktive fundamentale Bewertungen sowie ein gesundes "Börsensentiment". Welche Rolle aber spielt die Charttechnik in dieser Gegenüberstellung? Die Charttechnik stellt im eigentlichen Sinne kein Potenzial, sondern nur die Anzeige eines Potenzials dar. Im Auto-Beispiel entspräche der Charttechnik ein Tachometer. Dieser gibt die Geschwindigkeit an, aber er trägt selbst nichts zur Geschwindigkeit bei.

Dieser Auto-Vergleich soll helfen, unsere jüngste Aktion zu verdeutlichen: bisher gingen wir davon aus, und tun es noch, dass genügend Treibstoff für eine weiterführende Aufwärtsbewegung an den Börsen (CuB) vorhanden ist. Allerdings kamen in den letzten beiden Wochen Entwicklungen hinzu, die uns an eine kurze Unterbrechung der Treibstoffzufuhr glauben ließen: erstens die Finanzierungskrise des italienischen Staates und zweitens der Budgetstreit in den USA (siehe Weekly von letzter Woche). Zudem war schon seit einigen Wochen aus den Analysen des Hauses sentix ( www.sentix.de) herauszulesen, dass weder eine kurzfristige Aufgabestimmung noch eine mittelfristige Zuversicht unter den Anlegern auszumachen sei. Also dass der Motor nicht rund läuft. Zudem zeigte der Tachometer in der letzten Wochen einen rapiden Geschwindigkeitsabfall an.

Aus diesem Grunde haben wir uns dazu entschlossen, die Geschwindigkeit weiter zu drosseln, um weiteren Schaden so gering wie möglich zu halten. Die Frage, die wir uns nun stellen müssen: War unsere Aktion richtig, oder sind wir nur einer "falschen Tachometer-Anzeige" aufgesessen?

Das Potenzial für den von uns seit April 2009 ausgerufenen Crack-up-Boom sehen wir nach wie vor gegeben - wenn nicht jetzt, dann zu einem späteren Zeitpunkt. Allerdings müssen dafür die monetären Schleusen vollends geöffnet werden, in den USA bedeutet dies Quantitative Easing in noch größerer Anzahl und höheren Potenzen und in Europa bedeutet dies Eurobonds. Beide Maßnahmen führen aus unserer volkswirtschaftlichen Sicht (Österreichische Schule) zwar mittelfristig in den inflationären Kollaps, aber kurzfristig könnten Sie das Endstück des Crack-up-Booms (= Bullenmarkt) einläuten.

Die charttechnischen Verkaufssignale, die sich letzte Woche ergaben, werteten wir dergestalt, dass nun nochmals tiefere Kurse drohen, bevor die Endphase des aktuellen Bullenmarktes ansteht. Allerdings haben sich die Börsen seitdem teilweise wieder gut erholt, so dass wir natürlich damit rechnen müssen, einem Fehlsignal aufgesessen zu sein. Zudem erscheint uns das Börsensentiment bei weitem mehr im Bereich von "Aufgabestimmung" zu sein als dies die Analysen von sentix (im aktuellen Heft auf S. 53) wiedergeben. Unsere zahlreichen Gespräche auf dem Eigenkapitalforum in Frankfurt letzte Woche (dies ist eine riesige dreitägige Veranstaltung, auf der sich u.a. über 200 börsennotierte Gesellschaften aus dem Prime Standard vorstellen, und auf der über 3.000 Vertreter der Mpaitalmarktszene vertreten sind), vermittelten uns eher den Eindruck, dass kaum jemand mehr mit einer Erholung auf absehbare Zeit rechnet. Letztendlich müssen wir uns dabei auch an die eigene Nase fassen. In gewisser Weise hatten auch wir letzte Woche "aufgegeben". Aus einer solchen Positionierung heraus aber gibt es jede Menge positives Überraschungspotenzial.

Also: Der Motor (Sentiment) scheint doch noch einwandfrei zu arbeiten. Über den Treibstoffvorrat (fundamentaler Datenkranz) müsste man noch sprechen. Spätestens aber wenn die Regierungen "nachtanken" im Sinne von QE und Eurobonds, kann die Fahrt wieder unvermittelt weitergehen. Ob uns die Tachometer-Anzeige einen Streich gespielt hat, können wir per heute noch nicht sagen. Der letzte Woche angezeigte Durchbruch durch die SKS-Nackenlinie beim DAX wurde wieder korrigiert. Wie Abb. 1 zeigt, notiert das deutsche Bluechip-Barometer wieder ziemlich exakt auf der Nackenlinie. Einige andere Indizes verhielten sich ebenso und drehten nach der Generierung von Verkaufssignalen wieder nach oben. Man spricht in diesem Zusammenhang von "falschen Verkaufssignalen".

Chart Dax



Musterdepot
Die letzte Woche verkauften Titel zeigten sich im Vorfeld bereits recht labil. D.h. wir haben versucht relative Schwäche zu verkaufen, und relative Stärke zu behalten. Damit hat sich ein gewisser Ausleseprozess vollzogen. Insbesondere die abgegebenen US-Titel schmerzen uns aber sehr, da uns der gesamte US-Markt nach wie vor sehr gut gefällt. Der Grund für die Verkäufe war, dass wir hier vor allem mit Derivaten/Optionsscheinen engagiert waren, und hier ein Zeitproblem auftauchen kann, wenn sich die finale CuB-Phase verzögern sollte.

Verkauft wurden: Yara, Silver Standard, Solarworld, Palfinger, Gigaseet, init, und Delticom sowie die Calls auf Amazon, Microsoft und Pfizer und das Long-Zertifikat auf den Nasdaq 100.

Aus heutiger Sicht sehr unglücklich sind wir mit den Verkäufen bei Yara und Gigaset, da hier nur kurz nach unten angetäuscht wurde, um anschließend schnell wieder nach oben zu ziehen. Beide Titel bleiben nach wie vor auf unserer Kaufliste stehen. Der Stop-Loss bei Banpu wurde nicht ausgelöst, wir streichen ihn hiermit.

Bei der zu 14,90 EUR verkauften init (WKN: 575 980) legen wir ab dem morgigen Mittwoch für 1.000 Stück ein (Rück-)Kauflimit bei 14,10 EUR. Zudem erwerben wir 500 Aktien der US-Baumarktkette Fastenal (WKN: 887 891), welche in Ausgabe 11/2011 auf S. 61 beschrieben wurde. Diese Aktie hat sich in den Wirren der letzten Wochen hervorragend geschlagen und konnte sogar zulegen. Wir ordern zur Eröffnung am Mittwoch 500 Stück (akt. Kurs: 29,60 EUR), was in etwa 6% am Depot ausmacht. Weiterhin ordern wir weitere 800 Stück von First Majestic Silver (WKN: A0L HKJ), von der wir bereits 700 Stück besitzen. Wir kompensieren damit den Verkauf von Silver Standard Res. die ebenfalls in der Exploration und Förderung von Silber tätig ist.

Falls die Börsen nach oben hin abziehen - was wir nicht ausschließen wollen - werden wir uns von dem DAX-Short trennen (WKN: CT1 5B0; 2.000 Stück). Sollte dieser um 17.30 Uhr (= Xetra-Schlusskurs) unter 6,60 EUR notieren (akt.: 7,20 EUR), wird er unverzüglich glattgestellt. Zugleich legen wir ein Verkaufslimit bei 8,40 EUR (da wir tendenziell eher daran glauben, dass unsere Tachometer verrückt gespielt hat). Je nachdem was zuerst ausgelöst wird - das Limit oder der Stop - wird die andere Order gelöscht.

Veranstaltungshinweis:
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Dank Sponsor nun günstiger: Euro(pa) geht unter - Sanierer zeigen Auswege
Am 2. Dezember findet im Hotel Adlon in Berlin eine hochkarätig besetzte Konferenz statt, in welcher die Vortragenden wirkliche Auswege aus der Euro-Misere vorstellen. Denn die als alternativlos verkauften Rettungsprogramme stellen in Wahrheit keine Lösung, sondern eine Verschleppung des Problems dar. Dank der Gewinnung eines Sponsors konnten die Teilnahmekosten auf 45 EUR gesenkt werden. Die Möglichkeit zur Anmeldung sowie weitere Informationen finden Sie hier:

www.smartinvestor.de/veranstaltungshinweis
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Fondsverkäufe
Die Stop-Loss-Marke für den ETF auf den brasilianischen Bovespa-Index (WKN: LYX 0BE) wurde am 23.11. auf Schlusskursbasis ausgelöst. Verkauft wurde am 24.11. zum Eröffnungskurs bei 21,09 EUR. Ebenfalls verkauft wurde der ETF auf den gehebelten S (DBX 0B5). Hier fiel der Kurs zum Handelsschluss am 24.11. unter das von uns gewählte Kursniveau. Der Verkaufskurs am folgenden Tag lag bei 8,92 EUR. Von den 200 Anteilen des Black Rock Mining (WKN: A0B MAR) konnten wir uns zum Eröffnungskurs am 23.11. für 45 EUR trennen. Die Stop-Loss-Marken für den Aberdeen Asia Pacific (WKN: 972 857) und den 4Q Growth-Fonds (WKN: A0D 9PG), die noch nicht erreicht wurden, werden gestrichen.

Fazit
Solange unser Geldsystem die falschen Anreize und Marktsignale aussendet, solange werden die absurden Gehaltsunterschiede fortbestehen und sich vermutlich sogar noch ausweiten. Dem entsprechend wird weiterhin die Gier thematisiert werden. Es ändert jedoch nichts daran, dass die Ursachen der Problematik andere sind.

Ralf Flierl, Fabian Grummes

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.

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Über den Autor
 
Autor: Ralf Flierl Ralf Flierl,
Smart Investor

Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor". Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated, non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003 eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.

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