15 Jahre Telekom-Aktie: Kampf an allen Fronten...
Es ist jetzt anderthalb Jahrzehnte her, dass Ex-Tatort-Kommissar Manfred Krug ins Fernsehen brummte: „Die T-Aktie geht an die Börse und ich gehe mit.“ Viele, die vorher nie etwas mit Aktien zu tun hatten – die Deutschen hatten bis dahin monatlich sieben Mark für Bananen ausgegeben, aber nur 1,22 Mark für Aktien, schrieb der Spiegel 1996 – folgten damals dem Schauspieler.
Auch im Glauben daran, dass sie, wie vom damaligen Vorstandschef Ron Sommer vollmundig versprochen, eine bombensichere Anlage für die Rente sei.
Es kam anders, wie wir inzwischen alle wissen. 15 Jahre nach dem Volksaktien-Hype dümpelt das Telekom-Papier nur noch knapp über 9 Euro. Der Erstausgabewert betrug umgerechnet immerhin noch 14,57 Euro. Ist die T-Aktie damit endgültig „verbrannt“, wie mir ein Bankmanager vor gut einer Woche in Frankfurt erklärte? Oder ist die T-Aktie besser als ihr lädierter Ruf? Ich meine, letzteres ist richtig.
Natürlich trifft der Frankfurter Banker, der übrigens nicht dafür bekannt ist unüberlegte Urteile zu fällen, mit seiner apodiktischen Aussage einen wunden Punkt: Die T-Aktie einem Kapitalanleger heute als – wenigstens langfristig – gewinnbringendes Papier schmackhaft zu machen, scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Darum versucht es auch fast keiner mehr. Dabei sprechen die Fakten eine etwas andere Sprache.
Die Telekom kämpft zwar an allen Fronten, muss drastisch sparen (nicht anders allerdings als ihre Konkurrenz) – ist dabei aber wesentlich effizienter als die Mitbewerber. Trotz insgesamt schwieriger Rahmenbedingungen hat das Unternehmen für das dritte Quartal 2011 stabile Zahlen abgeliefert. Der Konzernüberschuss kletterte um 14,6 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten dem Telekommunikationsgiganten gerade einmal 800 bis 820 Millionen Euro zugetraut.
Mobiles Internet wächst stark
Größtes Wachstumsfeld für die Telekom, an der der Bund immerhin
noch 32 Prozent
hält, ist das Mobile Internet. In diesem Bereich will die
Telekom bis zum Jahr
2015 einen Umsatz von rund zehn Milliarden Euro erreichen. Das
scheint machbar,
es ist sogar noch mehr möglich sagen viele Experten. Weiterer
Wachstumsbereich
ist das Vernetzte Zuhause, hier liegt die Zielmarke im gleichen
Zeitraum bei
sieben Milliarden Euro Umsatz.
Warum kommt dann die T-Aktie nicht in Schwung? Das Hauptproblem ist das Deutschland-Geschäft. Hier sanken die Erlöse sogar um fünf Prozent. Und auch T-Mobile USA machen weiter Schwierigkeiten. Eigentlich sollte die Mobilfunktochter für 39 Milliarden Dollar an den Branchenriesen AT&T gehen. Jubel in Bonn: AT&T biete 14 Milliarden Dollar mehr als Analysten erwartet hatten, sagte Telekom-Chef René Obermann. Doch dann stemmte sich das amerikanische Justizministerium gegen den Deal.
Es gibt allerdings Anlass zur Hoffnung, dass der Coup doch noch gelingt. Richterin Ellen Huvelle hat schon einmal in ähnlicher Sache gegen die US-Regierung entschieden. Es wäre auch wichtig, dass die Telekom in den USA Erfolg hat, denn den Magenta-Konzern drücken hohe Schulden: Allein im vergangenen Geschäftsjahr kletterten die Nettofinanzverbindlichkeiten, das ist die Differenz aus Bruttoschulden und liquiden Zahlungsmitteln, auf 42,3 Milliarden Euro.
MEIN FAZIT:
- Die Telekom hat
viele Baustellen,
wird aber sowohl von Analysten als auch Anlegern unterschätzt.
Das Unternehmen
hat zuletzt bewiesen, dass es sich in einem schwierigen Umfeld
behaupten kann.
- Sollte der Verkauf der US-Mobilfunktochter doch noch über die Bühne gehen – ich bin da optimistisch, denn die Parteien bewegen sich deutlich aufeinander zu – würde das die Bonner wieder handlungsfähiger machen. Sowohl was die Restrukturierung von Netzwerken und IT angeht als auch lukrative Zukäufe. Leider hat das Unternehmen erst kürzlich Edward Kozel verloren, der als Technologie- und Innovationsvorstand eine Art Hoffnungsträger der Telekom war.
- Nicht ganz ungefährlich ist die Dividendenpolitik der Telekom: Ihren leidgeprüften Aktionären wird sie für das Geschäftsjahr 2011 voraussichtlich drei Milliarden Euro auszahlen – fast den gesamten Nettogewinn! Bei einer Dividende von 70 Cent und einem Aktienkurs von unter 9 Euro entspricht diese Summe einer Dividendenrendite von rund 8 Prozent. Möglich, dass es im kommenden Jahr zu einer Dividendenkürzung kommen muss, denn dieser Kurs ist nicht durchzuhalten.
- Dennoch: Auch aus rein charttechnischer Sicht ist einiges Positives zu erwarten. Die Aktie hat Nachholbedarf. Mit einem nachhaltigen Sprung über die 9,50-Euro-Marke (ein weiter Weg, ich weiß...) wäre der mittelfristige Abwärtstrend nach oben hin verlassen.
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