Am Nikolaus statt Süßem - die Rute!



18:50 06.12.11

Smart Investor Weekly 49/2011
Am Nikolaus statt Süßem - die Rute!

Gemäß dem alten Lied "Morgen, Kinder wird's was geben", gab es am gestrigen Nikolausabend auch etwas für die "Top-Staaten" der Eurozone. Statt der erhofften Süßigkeiten für die ach so tollen Sparan-strengungen, packte der S jedoch negative Ausblicke nicht alleine in Italiens Stiefel.

Da schwoll natürlich vielen Politikern der Kamm, ob dieser politischen Verschwörung der Ratingagenturen aus dem angloamerikanischen Raum. Von einer "willkürlichen Entscheidung ohne Bezug zur Wirklichkeit" war die Rede?und dem kann man eigentlich nur zustimmen, denn tatsächlich sind die meisten westlichen Industrienationen bankrott, verdienten also die Herabstufung auf Junk und nicht einen "negativen Ausblick".

Den Zentralbanken sei Dank!
Dass sich die Pleitegeier noch nicht zum finalen Festbankett niedergelassen haben, ist jenen geheiligten Institutionen geschuldet, die völlig unabhängig und in unendlicher Weisheit wissen, wie viel Geld der Markt wann braucht: die Zentralbanken. Beherzt griff die EZB in der vergangenen Woche wieder ein und weitete fröhlich und freudig die Monetisierung von Staatsschulden, euphemistisch Stützungskäufe oder Konjunkturspritzen genannt, aus. Zwar haben bereits die USA und Großbritannien die Erfahrung machen dürfen, dass derartige Handlungen kaum mehr zur Stärkung der Wirtschaft führen, aber vielleicht geht es darum gar nicht mehr. Vielmehr scheint ein direkter Zusammenhang zwischen dem Rating und dem Aufkaufen von Staatsschulden durch die Zentralbanken zu bestehen: wer sich am stärksten quantitativ erleichtert (in Relation zu seiner Wirtschaftsleistung), der erhält das beste Rating. So ließe sich auch verstehen, warum Großbritannien trotz einer kollabierenden Wirtschaft und einer expliziten Staatsverschuldung von deutlich über 80% (bei der Gesamtverschuldung mit über 500% streitet es sich mit Japan um den ersten Platz) immer noch mit einem "Triple A" geratet wird.

Europäer werden handeln

Aber angesichts der Entrüstung der politischen Klasse der Euro-Zone darf man getrost davon ausgehen, dass am kommenden Wochenende auf dem x-ten Euro-Rettungsgipfel gehandelt werden wird: QE in ganz großem Stil und vor allem natürlich eine eigene EU-Ratingagentur, damit man sich die Wirklichkeit im eigenen Sinne zurechtbiegen?äh?raten kann. Eine "blühende" Wirtschaft à la Zimbabwe wird dann sicherlich nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Und damit zu den Märkten...

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Zu den Märkten
Nahezu alle akuten Verkaufssignale, die wir vor zwei Wochen ausgemacht hatten, wurden in den letzten Tagen wieder revidiert, da die Kurse stark anzogen. Sollte es also nicht zu abermaligen Kurseinbrüchen kommen, wäre von einer klassischen Bärenfalle zu sprechen.

Insbesondere die Kursexplosion auf die Ankündigung der Dollarflutung durch die Zentralbanken am vergangenen Mittwoch ließ nahezu alle zuvor generierten Verkaufssignale in Luft auflösen. Dies veranlasst uns wieder auf unsere ursprüngliche Meinung zurückzukommen, nämlich dass Regierungen und Zentralbanken blitzschnell handeln werden, sobald Gefahr im Verzuge ist. Inwieweit es vor diesem Hintergrund zu einer Rezession kommen kann, bleibt daher fraglich. Wir glauben aus den Äußerungen der Politiker heraushören zu können, dass man einer solchen entgegenzuwirken gewillt ist. Wie letzte Woche bereits angedeutet, halten wir daher unser ursprüngliches Szenario (CuB) wieder für wahrscheinlicher als das Deflationsszenario. Eine genau Ausarbeitung zu dieser Thematik finden Sie dann in der kommenden Ausgabe 1/2012 des Smart Investor Magazins, in welchem wir einen Kapitalmarktausblick für 2012 bringen werden.

Musterdepot
Unser DAX-Short, den wir im Hinblick auf die charttechnischen Verkaufssignale erworben hatten, war sowohl hinsichtlich der Kaufs als auch der Glattstellung ein Flop und brachte einen herben Verlust von rund 60%. Das Timing war jeweils sehr schlecht und kam nicht zuletzt aufgrund der hohen Volatilität zustande. Insgesamt liegt die Cash-Quote im Depot momentan bei rund 30%, was bei einer Fortsetzung des Crack-up-Booms zu hoch wäre. Wir warten nochmals eine Woche ab.



Fonds-Musterdepot
Vor dem Hintergrund der Turbulenzen der letzten Wochen erwerben wir zum Eröffnungskurs an der Frankfurter Börse am morgigen Mittwoch (7.12.) 80 Anteile am vermögensverwaltenden Fonds M + W Privat (WKN: A0L EXD). Die Strategie der Fondsmanager Martin Mack und Herwig Weise hat in den vergangenen Jahren Risiken nach unten sehr gut abgefedert und darüber hinaus auch in Krisenjahren positive Renditen eingefahren. Bei stark steigenden Aktienmärkten partizipieren gut gemangte vermögensverwaltende Fonds erfahrungsgemäß nicht 1:1 an der Aufwärtsbewegung.

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Fazit
Bis Weihnachten ist es nicht mehr weit und die Politik zeigt sich gerade zum Fest der Liebe immer wieder sehr großherzig und dürfte für die Märkte vielleicht noch das ein oder andere Geschenk unter den Baum legen. Auch dies ist ein Grund, weshalb wir wieder mit dem Bullenlager liebäugeln.

Ralf Flierl, Fabian Grummes


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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.

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Über den Autor
 
Autor: Ralf Flierl Ralf Flierl,
Smart Investor

Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor". Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated, non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003 eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.

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