Grüner Fisher: Die Rating-Gespenster gehen um



13:56 07.12.11

Haben Sie Angst vor Ratingagenturen?

Die vermeintlich letzte Bastion der Stabilität - unser schönes Deutschland - steht nun auch unter dem Beschuss der Ratingagenturen. Standard & Poor´s (S&P) hat damit gedroht, die Bonität der Bundesrepublik sowie 14 weiteren Euro-Staaten herabzustufen. Die Topbonität von „AAA“ für Deutschland erhalte den Zusatz „credit watch negative“. Der Grund sei „die sich verschärfende Euro-Krise“. Aha. Was für eine sensationelle Erkenntnis. In Europa wird eine Krise diagnostiziert. Anfang Dezember 2011. Wo waren diese Analysten in den letzten 18 Monaten?

Haben Ratingagenturen schon einmal etwas richtig vorhergesagt?

Wenn ich die Einstufungen von Ratingagenturen verfolge, fühle ich mich immer an Krimi-Szenen in der Gerichtsmedizin erinnert. „Der Patient ist tot“ wird meistens lapidar festgestellt, während man sein Rating noch vor wenigen Tagen auf „AAA“ - als kerngesund - eingestuft hatte. Machen Sie bei diesem Unfug nicht mit, ignorieren Sie die Urteile der Ratingagenturen und fragen Sie sich, welchen tatsächlichen Nutzen Sie aus deren Ratings ziehen können. Ratingagenturen hinken dem Markt immer hinterher und kommen damit IMMER zu spät! Erinnern Sie sich an die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 in den USA? Lehman ging mit einem „A+“-Rating in die Pleite!

Ignorieren Sie die Agenturen



Mein amerikanischer Partner Ken Fisher schrieb zu diesem Thema bereits: „Warum hört überhaupt noch einer auf die Rating-Agenturen, egal ob sie S&P, Moody´s oder Fitch heißen? Sie sind die Vertreter eines ineffizienten Oligopols unter Staatsaufsicht. Ihr Hauptzweck besteht darin, Unternehmen, die Eigen- bzw. Fremdkapital aufnehmen wollen, einen nutzlosen Stempel zu verpassen. Ihre Leistungsbilanz bezüglich Konjunktur- beziehungsweise Kursprognosen ist schauderhaft.

Versuchen Sie, irgendwas Korrektes zu nennen, was die Rating-Agenturen vorhergesagt haben? Können Sie nicht, kann ich auch nicht. Sie hinken den Trends hinterher oder liegen einfach völlig falsch. Rating-Agenturen haben die Kreditinstitute vor der Finanzkrise im Jahr 2008 nicht herabgestuft. Sie haben die Finanz- und Wirtschaftskrise überhaupt nicht kommen sehen – genauso wenig wie die aktuellen Schwierigkeiten der PIIGS-Länder (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien). Bonitätsabstufungen der Rating-Agenturen laufen immer hinterher – sie holen das nach, was im Markt bereits bekannt und weitgehend eingepreist war.“

Der Markt ignoriert die Agenturen bereits

Die Grundregel lautet: Je höher die Bonitätsnote, desto günstiger der Zinssatz, desto günstiger kommt ein Schuldner also an neue Kredite. Die Entwicklung der letzten Monate zeigt jedoch, dass die Ratings von den Märkten immer öfter ignoriert werden. Sie erinnern sich sicher noch an die Abstufung der US-Bonität im August 2011. Standard & Poor's hatte am späten Freitagabend, dem 5. August, die US-Bonität von der Bestnote „AAA“ auf „AA+“ herabgestuft. Das kam für die meisten Anleger vollkommen überraschend. Bis heute jedoch sind die Zinssätze für US-Staatsanleihen deutlich gefallen. Lagen die Renditen 10-jähriger US-Titel damals noch bei ca. 2,65 %, rentieren sie heute bei lediglich 2,09 %. Trotz schlechterem Rating sind die Zinssätze gefallen!
Fazit

Ratingagenturen sind kein gutes Werkzeug, um zukünftige Entwicklungen richtig einzuschätzen. Immer öfter wirken deren verspätete Ratingherabsetzungen sogar ungewollt komisch. Für Ihren langfristigen Anlageerfolg sind deren Aussagen in etwa so hilfreich wie die Wettervorhersage von gestern oder die Lottozahlen vom vergangenen Wochenende. Nutzlos! Ironischerweise rufen die Urteile der Ratingagenturen dennoch kurzfristig immer noch heftige Reaktionen und Marktturbulenzen hervor. Offensichtlich schenken immer noch zu viele Anleger den Ratingagenturen ihr Gehör. Sie sollten das vermeiden!

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Über den Autor
 
Autor: Thomas Grüner Thomas Grüner,
Grüner Fisher Investments

Thomas Grüner ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Seine oft dem allgemeinen Marktkonsens entgegen stehenden Prognosen sorgten schon mehrfach für großes Aufsehen. In den letzten Jahren hat er - teils gemeinsam mit Kenneth L. Fisher, dem CEO und Gründer von Fisher Investments - zahlreiche Beiträge und Kolumnen in diversen Finanzmagazinen, Zeitungen und Finanz-Websites veröffentlicht. Die zusammen mit Ken Fisher weiterentwickelten Research- und Prognosetechniken sind Basis des innovativen Investmentansatzes von Grüner Fisher Investments.
Weitere Informationen unter http://www.gruener-fisher.de.

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