Drei Lösungswege aus der Krise



09:30 08.12.11

Am Freitag findet der x-te EU-Gipfel in diesem Jahr statt. Die Börse
hofft darauf, dass man Wege findet, die Probleme in die Zukunft zu
verschieben (etwa durch Gelddrucken). Eine Lösung dürfen die Bürger
nicht erwarten. Das grundsätzliche Problem sind die hohen Schulden,
denen spiegelbildlich hohe Vermögen auf der anderen Seite
gegenüberstehen. Werden Schulden reduziert, müssen irgendwo auch
Vermögen vernichtet werden. Und das kommt bei der Bevölkerung nicht
besonders gut an.

Die sanfte Tour

Am ehesten durchsetzbar sind Steuererhöhungen. Mit dem Verweis, dass man
in der Vergangenheit über den Verhältnissen gelebt hat und jetzt den
Gürtel enger schnallen muss, erhöhen derzeit etliche europäische Länder
die Steuern. Unter anderem im Gespräch sind immer wieder steigende
Abgaben auf Immobilien, Kapitalvermögen und auf Finanztransaktionen. Die
Richtung ist klar: Man will (und muss wohl) an die Vermögen und
Ersparnisse der Besserverdiener ran, um die Ungleichgewichte in den
Staatskassen auszugleichen. Das neue Parteiprogramm der SPD zielt in
diese Richtung. Theoretisch ist daran nichts auszusetzen: Je mehr
Vermögen einige Wenige anhäufen, desto schwerer wiegt die Schuldenlast
für die Masse. Ein zweiter Weg der Vermögensvernichtung ist Inflation.
Bei einer jährlichen Preissteigerungsrate von fünf Prozent halbieren
sich die Vermögen (und im Gegenzug die Schulden) innerhalb von 14


Jahren. Für Politiker ist dieser Weg elegant, weil die schleichende
Vermögensentwertung den Bürgern weniger auffällt als ungeliebte
Steuererhöhungen.

Die harte Tour

Erst wenn die Verschuldung so Überhand nimmt, dass kein Ausweg mehr
bleibt, dürfte auch die harte Variante als Alternative ins Spiel kommen:
Eine Währungsreform oder eine Währungsschnitt. In Griechenland tauchen
immer wieder Gerüchte auf, dass die Drachme bald wieder als
Zahlungsmittel eingeführt wird. Ein Teil der Vermögen würde damit
vernichtet, entsprechend könnte sich der Staat entschulden. Auch in
Deutschland ist man diesen Weg in der jüngeren Vergangenheit zwei Mal
gegangen: 1923 und 1948. Derzeit steht die Bundesrepublik mit einer
Verschuldungsquote von gut 80 Prozent des BIPs aber noch vergleichsweise
solide da. Die Probleme sollten daher mit den genannten sanfteren
Methoden lösbar sein. Kritisch würde es nur, wenn wir uns weitere
Risiken aus der Euro-Zone aufladen würden. Laut ifo-Institut belaufen
sich die Risiken für Deutschland aus der Schuldenkrise schon jetzt auf
560 Milliarden Euro.

In diesem Sinne

Wolfgang Braun

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Über den Autor
 
Autor: Wolfgang Braun Wolfgang Braun,
Aktien-Strategie

Wolfgang Braun ist Chefredakteur der Aktien-Strategie (früher Global Performance). Der seit 1999 erscheinende Börsenbrief hat sich auf deutsche Wachstums-Aktien spezialisiert. Dank einer ausgefeilten und bewährten Anlagestrategie schlägt das Musterdepot die Vergleichsindizes deutlich. So schaffte das Wachstumswerte-Depot seit seiner Auflegung im März 1999 eine durchschnittliche jährliche Performance von rund 15 Prozent - obwohl in diesen Zeitraum der dramatische Niedergang des Neuen Marktes sowie die Finanzkrise 2008 fällt. Weitere Informationen unter www.aktien-strategie.de

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