Wochenausblick Euro-Dollar und Dax



16:52 12.12.11

Wochenausblick Euro-Dollar und Dax

Montag, 12. Dezember 2011   Kontakt: www.actior.de  

 

 

Euro-Dollar:

Es gab schon langweiligere Zeiten an den Märkten als die letzte Handelswoche. Dabei domierten zwei Ereignisse den Handel: zunächst die EZB-Sitzung am Donnerstag, dann der EU-Gipfel, dessen Ergebnisse am Freitag feststanden.

Die Pressekonferenz des EZB-Chefs Draghi begann zunächst positiv: die Notenbank senkte die Sicherheitsanforderungen für Asset Backed Securities und legte zwei neue Repogeschäfte auf - damit sollte die Liquiditätszufuhr für die europäischen Banken erleichtert werden. So weit, so gut. Schlecht allerdings, zumindest für angelsächsische Beobachter, war die eindeutige Abfuhr Draghis gegenüber den Forderungen, daß die EZB in größerem Maßstab Anleihen der Problemstaaten kauft. Diese Absage wog deutlich schwerer als die gewährten Liquiditätsmaßnahmen, da die EZB als "lender of the last resort" so praktisch ausfällt und der Politik den Ball zuspielte - und dort ist das "Ballgefühl" doch eher, vorsichtig formuliert, begrenzt.

Damit hatte die erste Trumpfkarte der Optimisten schon einmal nicht gestochen, und man mußte sich nun auf den Brüsseler Gipfel verlassen.

Daß die doch eher in die Zukunft gerichteten Maßnahmen der EU-Verantwortlichen positiv aufgenommen wurden, war durchaus überraschend, wenngleich doch recht kurzsichtig. Denn faktisch geht es darum, das bereits in den Brunnen gefallene Kind dort herauszuholen, weniger darum, in Zukunft zu verhindern, daß andere in den Brunnen fallen. Genau hier liegt der Knackpunkt der Brüsseler Beschlüsse: gute Absicht, aber kein wirklicher Beitrag zur Lösung der aktuellen Probleme. Es ist das Verdienst der "bösen" Ratingagentur Moody´s, diesen zentralen Schwachpunkt klar benannt zu haben.

Nun ist man also auf dem Weg zur Fiskalunion, doch sind die beschlossenen Sanktionsmaßnahmen dann doch wieder eher theoretischer Natur, weil nicht wirklich verbindlich. Schwerer wiegt die Weigerung Großbritanniens, bei dem angestrebten zwischenstaatlichen Vertrag mitzumachen. Nun scheint die Insel inzwischen isoliert dazustehen, doch wird auch hier das zentrale Probleme der EU sichtbar: Cameron wollte den Finanzplatz London schützen, stellt also nationale Interessen über das große Ganze. Faktisch schiessen sich die Briten damit ein Eigentor: kommt nämlich die Finanztransaktionssteuer, wird viel Kapital nach London fließen, das Pfund aufwerten und so die ohnehin schwache Ökonomie Britanniens weiter schwächen. Man kann es nicht oft genug sagen: auch die USA haben mindestens ebenso gravierende Probleme, sind bis über beide Ohren verschuldet - aber man hat eine Notenbank, eine Regierung, also grundsätzlich einheitliche Entscheidungszentren. Im Zweifel werden daher Investoren den Dollarraum bevorzugen.

Wir gehen daher davon aus, daß die Jagd nach Dollars weitergeht. Nicht zufällig mußten die wichtigsten westlichen Notenbanken ja die Zinsen für Dollar-Swaps senken, weil eben die europäischen Banken Probleme haben, an Dollars zu kommen. Und dieser Trend dürfte sich fortsetzen....

Charttechnisch handelt die Gemeinschaftswährung weiter in einem intakten Abwärtstrend. Wir gehen davon aus, daß die der Euro zeitnah (vermutlich noch im Dezember) die 1,30 von unten sehen und auf das Jahrestief bei 1,2860 (Januar 2011) fallen wird. Um dieses Szenario unwahrscheinlich werden zu lassen, muß der Euro die Zone 1,3450/60 nachhaltig überwinden.

 

Dax:

 

Nach der Euphorie der Vorwoche kam der Dax in der letzten Handelswoche wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Nach einem Start knapp über der 6100er-Marke stieg der Index bis 6170 Punkte, generiert dort jedoch ein Doppeltopp und kam dann leicht unter Druck. Bis Donnerstag hielten sich die Abgaben jedoch in Grenzen, doch sorgte die Weigerung Draghis, in verstärkten Umfang Staatsanleihen zu kaufen, für einen Abverkauf am Donnerstag. Am Freitag eröffnete der Dax mit einem Abwärtsgap unter 5800, konnte sich dann jedoch erholen, nachdem die Bundesbank Krediten an den IWF zugestimmt hatte. Der deutsche Leitindex konnte sich dann am Freitag bis 6000 Punkte erholen, kommt heute jedoch weider unter Druck, nachdem immer klarer wird, daß der EU-Gipfel eben nicht wirklich eine Lösung für die drängensten Probleme anzubieten hatte.

Man hat sich in Brüssel also geeinigt, daß man sich dann im März einigen will. Faktisch heißt das, daß dann das Gezerre um einzelne Paragraphen in eine neue Runde geht, bevor man sich dann eingesteht, daß man es im März nicht schafft. Ohnehin vergeht ja eine Menge Zeit, bis hier irgendetwas wirksam werden kann, und wenn man eine Regel aufstellen kann, dann die, daß die Märkte der Politik eben diese Zeit nicht zubilligen werden. Eines der wesentlichen Probleme besteht ja darin, daß es einen erheblichen Unterschied des Zeitbegriffs zwischen Märkten und Politik gibt, insbesondere bei der EU-Politik, die auf mühsame Kompromisse aufgebaut ist. So lange die Politik den globalisierten Finanzmärkten hinterher hechelt, wird sich also die Problematik immer wiederholen.

Ein kleines Schmankerl brachte der EU-Gipfel aber dann doch: man will Privatanleger (gemeint sind aber eher Banken und andere institutionelle Anleger) nicht mehr an haircuts beteiligen. Das ist zwar moralisch sehr fragwürdig, aber wohl die einzige Möglichkeit, um den laufenden Staatsanleihecrash zumindest einzudämmen. Dennoch werden die Banken sich mit dem Kauf von Staatsanleihen auch weiterhin zurück halten, weil man lieber Cash hält bzw. das Geld bei der EZB parkt.

Wir glauben nicht an die allseits beschworene Weihnachtsralley. Das aktuelle setup ist alles andere als bullisch, auch wenn immer wieder impulsive Zwischenralleys (z.B. durch gezielt gestreute Gerüchte) möglich sind. Dies aber waren nicht nachhaltig - und werden aller Voraussicht nach auch nicht nachhaltig sein.

Unterstützung hat der Dax bei 5800 (ehemalige Abwärtstrendlinie), 5750 (Nackenlinie der SKS-Formation) und 5700. Erst wenn der Dax den zentralen Widerstandsbereich 6170/6200 nachhaltig überwinden kann, könnten sich die Bullen Hoffnungen auf eine Weihnachtsralley machen.

 

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