Auf Wolke7: Wie viel Sinn macht die Cloud-Akquisition für SAP?
Europas größter Software-Konzern SAP hat seinen Anlegern zuletzt nicht nur Freude gemacht. Auch die nicht gerade günstige Akquisition des unrentablen US-Konkurrenten SuccessFactors wurde an der Börse mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Dabei kann der Zukauf durchaus Sinn machen. Immerhin könnte sich SAP so zum Marktführer bei Mietsoftware aufschwingen. Ein rentables Geschäft, denn immer mehr Unternehmen kaufen Software nicht mehr, sondern mieten diese und nutzen sie über das Internet. Doch die Technik steckt noch in den Kinderschuhen.
Was den Aktionären nicht schmeckte: Der Zukauf wird 2012 die Gewinne schmälern. Das Ergebnis pro Aktie 2012 werde voraussichtlich etwas gedrückt, äußerte sich SAP vorsichtig. Doch ab 2013 soll sich die neue Tochter dann positiv auf den Gewinn auswirken. SAP peilt bis 2015 einen Anstieg der operativen Marge auf 35 Prozent an (2010: 31 Prozent) und will damit seinen profitableren Wettbewerbern Oracle, Microsoft oder auch IBM näher auf den Pelz rücken. Inzwischen gehe man von einem Umsatz für 2015 von rund 21 Milliarden Euro aus, sagte Co-Vorstandssprecher Bill McDermott zu Reuters. Vor dem angekündigten Zukauf war von 20 Milliarden Euro die Rede.
Rund 3,4 Milliarden Dollar (2,5 Milliarden Euro) will SAP für die kalifornische Firma auf den Tisch legen, bietet den Success-Aktionären satte 40 Dollar je Aktie. 52 Prozent mehr, als die Aktie am Abend des Kaufangebots wert war.
Höhere Aktienbewertung möglich
Viele Analysten reagierten positiv: Nachdem SAP bereits führende Positionen in den Bereichen mobiler Softwareanwendungen sowie im In-Memory-Segment aufgebaut hat, könnten die Walldorfer nun auch beim Cloud-Computing aufholen und möglicherweise sogar eine Spitzenstellung einnehmen. Kommt es so, könnte das langfristig zu einer höheren Aktien-Bewertung führen.
Das klingt ganz gut, ist aber beileibe kein Selbstläufer. Die Technik für die SuccessFactors heißt Cloud Computing und heißt so, weil Daten, Software und Hardware quasi wie aus dem Nichts, symbolisiert durch eine Wolke, abgerufen werden. Die entsprechenden Daten sind somit nicht mehr auf dem einzelnen PC, Smartphone oder Tablet gespeichert, sondern sind ausgelagert, auf Servern, jederzeit online abrufbar.
Gerade erst hat SAP-Rivale Oracle für 1,5 Milliarden Dollar den Cloud-Spezialisten RightNow Technologies gekauft. Die Branche scheint also überzeugt zu sein, dass die Technik Zukunftspotenzial hat. Bloß wann diese Zukunft tatsächlich beginnt, weiß noch keiner.
MEIN FAZIT:
- SuccessFactors
wäre der dritte
große Zukauf für SAP in den vergangenen vier Jahren nach
Business Objects und
Sybase.
- Der Preis für das vor zehn Jahren gegründete Software-Unternehmen SuccessFactors scheint allerdings hoch, vielleicht sogar astronomisch hoch.
- Das Wachstum der neuen SAP-Tochter stimmt zwar hoffnungsvoll: Im Oktober hatte Success für das dritte Quartal ein Wachstum von rund 75 Prozent angekündigt. Doch die Bilanz wird wohl tiefrot bleiben: 2010 schrieb das Unternehmen bei rund 206 Millionen Dollar Umsatz einen Nettoverlust von 12,5 Millionen Dollar.
- SAP räumte selbst ein, dass es bisher schwierig war, im Cloud-Computing Geld zu verdienen. Wenn SAP-Chef Bill McDermott jubelt: „Cloud-Computing ist der Schlüssel für das weitere Wachstum unseres Unternehmens!“ sollte man das als Anleger darum auch mit gebotener Zurückhaltung zur Kenntnis nehmen.
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