Ich habe heute bei den österreichischen Kollegen vom
Wirtschaftsblatt gelesen, dass der Österreich-Chef von AT-Kearney,
der soeben eine Studie zur wirtschaftlichen Lage Österreichs bis
2020 auf den Markt gebracht hat, Einsparungen bei Förderungen und
Investitionen fordert. Wobei er großen Wert darauf legt, dass die
Bereiche Bildung und Innovation außen vorgelassen werden. Und die
Förderungen nach Rasenmähermethode um ein Drittel gekürzt haben
möchte. Aus dem einfachen Grund heraus, dass dies am schnellsten
Wirkung zeigt. Gleichzeitig plädiert er für ein Einfrieren der
Ausgaben. Richtigerweise weist er auch darauf hin, dass solange die
nicht auf der Einsparseite alles ausgereizt ist, man die Steuern
nicht erhöhen sollte.
Nun habe ich die Studie nicht im Detail gelesen. Das aber, was ich
lesen konnte, überzeugt mich. Und wäre für Deutschland mindestens
genauso anwendbar wie in Österreich. Wobei die Zuschriften, die ich
aus Österreich bekomme, meinen, dass es in Deutschland besser
aussehen würde als in Österreich. Korruption und Vetternwirtschaft
sei bei uns angeblich weniger ausgeprägt. Liebe österreichische
Leser. Erst einmal ein herzliches Vergelt“s Gott, dass ihr mir als
Leser seit Jahr und Tag die Treue haltet. Ich finde das natürlich
Klasse, dass ihr Eure Aufmerksamkeit einem Deutschen (noch dazu von
einem bayrischen Schwaben, was erschwerend hinzukommt), zuwendet.
Aber ich kann Euch beruhigen. Auch bei uns - siehe gerade die Affäre
um unseren Bundespräsidenten Wulff, der zwar nicht gelogen aber
leider auch nicht die Wahrheit gesagt hat - ist Vetternwirtschaft an
der Tagesordnung.
Wobei ich ja gegen Wulff als Bundespräsidenten angeschrieben habe.
Erstens, weil ich es für einen schweren historischen Fehler hielt,
das wir den möglicherweise unbequemeren, aber interessanteren
Freiheitskämpfer Gauck nicht zum Bundespräsidenten gemacht haben und
zweitens, weil ich unter auf die Politik angewandten Corporate
Governance Grundsätzen es nicht für klug halte, dass jemand aus dem
stark politisch geprägten Ministerpräsidentenamt direkt in das
überparteiliche Bundespräsidialamt wechselt. Und nun haben wir den
Salat. Eine lame duck für die nächsten vier Jahre. Da wird auch der
sich beim Mitgliederentscheid als Antiliberaler geoutete Rößler
nichts dran richten, der Wulff reflexhaft zur Seite sprang. Und ob
ein skandalumwitterter Herr Marschmeyer der richtige Umgang für
einen Präsidenten ist? Denn eines ist doch klar. Ich und mit mir
viele Bundesbürger glauben dem Wulff kein Wort mehr. Blöderweise ist
es aber das Wort mit dem ein Bundespräsident seine Amtsautorität
begründet. Als Bundespräsident hat der bei mir jedenfalls restlos
verschi....
Und wieder einmal zeigt dieser Skandal, dass der Bundespräsident vom
Volk gewählt werden sollte. Dann wäre es der scheinbar ach so
äußerlich nette Wulff niemals geworden. Aber da wir Deutschen ja
aufgrund gewissenloser parteidiktatur-ähnlicher Strukturen klein und
unmündig gehalten und lediglich als Stimmvieh missbraucht werden,
muss man sich nicht wundern, wenn selbst der Mittelstand sich von
diesem System allmählich abwendet. Wer will dieses über unseren
Kopf- und unsere Interessen-Geregiere eigentlich noch haben?
Jetzt bin ich aber etwas vom Thema abgekommen. Die Streichung von
Subventionen, übrigens nicht nur auf Landesebene, sondern auch auf
Europaebene wäre ein erster wichtiger Schritt. Es ist doch bullshit,
dass die Länder sich über Subventionen die Unternehmen gegenseitig
abwerben, was zu einem Subventionstourismus führt. Nokia z.B.
wanderte von Bochum nach Rumänien (oder war es Bulgarien? Egal) und
hat auch dort jetzt die Bude geschlossen. Das kann doch nicht im
Sinne der Erfinders sein. Wenn ein Unternehmen abwandert, soll es
das tun, weil die Rahmen-Bedingungen besser sind. Ein Wettstreit in
diesem Sinne würde allen Ländern zugutekommen. Mit Qualität zu
punkten statt mit Geld wäre doch mal ein Ansatz, den es sich lohnen
würde, dem Praxistest auszusetzen. Dann würden endlich auch die
Verhinderer in den Behörden, allen voran meine „Freunde“, die
überflüssigen Rechtspfleger und ähnliche Bremser, von der Bildfläche
verschwinden.
Was allerdings bei Streichung von Förderungen und Subventionen
passieren wird, ist, dass reihenweise Unternehmen in geförderten
Branchen Pleite gehen werden. Bestes Beispiel ist gerade die Solon
AG. Weil die Gespräche mit den Gläubigern gescheitert sind, musste
dieser Solarmodulhersteller nun Insolvenz anmelden. Und die Solon
wird nicht das letzte Unternehmen sein, dass aus der Solarbranche
über die Klinge springt. Was also soll dieses künstliche Hochgehieve
von Technologien und Unternehmen? Der Wettbewerb ist immer noch das
beste Entdeckungsverfahren. Wenngleich das Unbequemste. Das sollten
sich die bequemen Politiker hinter die Ohren schrauben. Dass die das
bei ihrem tagtäglichen Gemauschel natürlich nicht verstehen, ist mir
schon klar. Was wissen die schon von Wettbewerb? Wo doch überall das
Prinzip "eine Hand wäscht die andere" und "eine zieht die andere
nach oben", regiert.
Zum Schluss noch einen kurzen Schwenk Richtung USA. Dort hat sich
die FED nicht zu weiteren Maßnahmen verleiten lassen. Trotzdem sie
„significant downside risks“ sieht. An denen u.a. und nicht zum
kleinsten Teil wir Europäer schuld sind. Grund für das Stillhalten
ist wohl die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Auch dass
die kleinen Unternehmen zum dritten Monat in Folge real steigende
Umsätze verzeichnen. Auch ist das Konsumklima ansteigend, wenngleich
die Holiday Season im November enttäuschte. Auch der weltgrößte
Konsumelektronikhersteller Best Buy musste gestern einen
Gewinnrückgang ausweisen.
Nun wäre also Europa am Zug. Da macht sich aber einer nach dem
anderen vom Gipfelbeschluss-Acker. Frau Merkel, die zuvor gar nicht
genug von den Hebeln kriegen konnte, meint nun plötzlich, dass man
die 500 Mrd. Euro gar nicht brauchen würde. Wobei sie ja heute
Mittag eine Regierungserklärung über die Ergebnisse des Gipfels
abgeben wird. Die inzwischen nicht nur von den Ratingagenturen
einkassiert wurden. Auch der Bundestagspräsident Lammert kann
aufgrund des Bundesverfassungsgerichtsurteil gar nicht anders als
den mit den Sanktionen verbundenen tiefen Eingriff in das
Budgetrecht des Bundestags zurückzuweisen. Wenn er sich an die
Verfassung hält, was in diesem Land leider nicht mehr unbedingt per
se vorausgesetzt werden kann. Zudem hat ja nicht nur Obama der
IWF-Aufstockung widersprochen. Auch der tschechische
Ministerpräsident Petr Necas kommt inzwischen ins Grübeln.

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Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
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