Die Enttäuschung über die EU-Gipfelergebnisse ist auch an den
heimischen Anlegern nicht spurlos vorübergegangen. Besonders die
privaten Investoren zeigen sich extrem flexibel und kehren dem
TecDAX in großer Zahl den Rücken zu.
Die Aussichten für den Tech-Sektor sind nicht besonders rosig: Am
Chipmarkt sind die Preise weiter im Sinkflug und die US-Chip-Riesen
Intel und Texas Instruments senken ihre Umsatzprognosen. Die Krise
der Solar-Branche ist auch noch längst nicht ausgestanden und
fordert nun sogar ein prominentes Opfer: Der Solarmodulbauer und
ehemaliges TecDAX-Mitglied Solon musste am Mittwoch Insolvenz
anmelden. Selbst der Manager des Medizintechnik-Konzerns Carl Zeiss
Meditec räumte ein, dass sich die Lage angesichts der weltweiten
Wachstumsschwäche zunehmend schwieriger gestalte. Und das, obwohl
das Unternehmen am Donnerstag glänzende Bilanzen vorlegte und die
Dividende erhöhte. Dazu kommt, dass internationale Investoren für
die Globalwirtschaft auch im nächsten Jahr keine großen Sprünge
erwarten – sie haben in der jüngsten weltweiten Umfrage der Bank of
America/Merrill Lynch unter Fondsmanagern ihre Erwartungen noch
einmal ordentlich nach unten geschraubt.
Das allein sollte aber noch nicht Grund genug für die heutige
Stimmungseintrübung bei mittelfristig orientierten, heimischen
Technologie-Anlegern sein. Denn der trübe Ausblick ist zu einem
Gutteil vermutlich längst in den Preisen enthalten. Schließlich
musste der TecDAX diesen Sommer bereits einen heftigen Ausverkauf
über sich ergehen lassen und dümpelt seither ziemlich richtungslos
in einer breiten Seitwärtsspanne.
Noch in der vergangenen Wochen hatten sich die Tech-Akteure ziemlich
optimistisch gezeigt, da sie sich vom EU-Gipfel der Staats- und
Regierungschef einen Impuls für eine Erleichterungsrallye erhofft
hatten. Selbige ist aber ausgeblieben, denn die Marktteilnehmer rund
um den Globus argwöhnten schnell, ob die Beschlüsse ausreichen, um
die europäische Schuldenkrise endlich in den Griff zu bekommen. Das
brachte für die privaten Trader unseres Sentiment-Panels
augenscheinlich das Fass zum überlaufen, so dass sie sich von ihren
bullishen Positionen schleunigst verabschiedeten: 13 Prozent der
Befragten verließen das Bullenlager, 9 Prozent wanderten umgehend
ins Bärenlager ab. Sie zeigen sich wieder einmal höchst flexibel und
mancher mag sein jüngstes Engagement mit einem ansehnlichen Gewinn
glattgestellt haben. Die institutionellen Anleger jedoch reagierten
deutlich zurückhaltender. Nur 6 Prozent der Vermögensverwalter zogen
sich aus Enttäuschung über den EU-Gipfel aus dem Optimisten-Camp
zurück. Bei den verbliebenen Bullen ist indes die Angst, doch noch
eine Jahresendrallye zu verpassen, wohl immer noch größer als die
Enttäuschung über die Gipfelergebnisse. Zumal die meisten momentan
weder große Verluste noch Gewinne mit ihrer aktuellen Position zu
verzeichnen haben sollten.
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