Smart Investor Weekly 51/2011
Druck und Angst - Was windige Verkäufer schon immer wussten.
Von vorweihnachtlicher Ruhe kann weiter keine Rede sein.
Ereignisreiche Wochen liegen hinter uns und es spricht wenig
dafür, dass wir in absehbarer Zeit in ruhigeres Fahrwasser kommen
werden.
Herausragendes innenpolitisches Thema war aus unserer Sicht der
von Frank Schäffler initiierte FDP-Mitgliederentscheid gegen den
geplanten, sogenannten Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM,
der über das konkrete Votum hinaus weiterreichende Implikationen
hat: Es war das erste Mal, dass in einer bundedeutschen Partei
"von unten" ein derartiges formelles Mitspracheverfahren
angestrengt wurde. Eigentlich, so könnte man naiver Weise denken,
ein Anlass zu Stolz und Freude der Parteiführung, einer derart
lebendigen Organisation vorzustehen. Eigentlich, aber weit
gefehlt. In der Praxis war dieser Mitgliederentscheid eine
Bedrohung, die die Eitelkeit kränkte und Ämter gefährdete.
Entsprechend waren die Argumente gegen den Antrag: Die
Regierungsbeteiligung, die schöne Idee "Europa" (die bekanntlich
durch die EU inzwischen vollkommen pervertiert wurde) und
natürlich die Keule des totalen Zusammenbruchs. Der Parteiführung
musste klar sein, wie dünn diese Argumente im Vergleich zu
Schäfflers "besseren Ideen" eines Europas der Freiheit und
Verantwortlichkeit waren. Liberalen Charme versprüht das Monstrum
ESM jedenfalls nicht. In der Folge startete ein in vielerlei
Hinsicht asymmetrisches Verfahren. Frank Schäffler ist freilich
ein viel zu loyaler Charakter, solches öffentlich zu bemerken,
allenfalls bemängelte er die "Schusseligkeit" der Parteiführung.
Dennoch zog der "Underdog" nur knapp den Kürzeren - 54,4% für die
Parteiführung und deren Gegenantrag. Wie wenig ergebnisoffen der
Prozess war, sieht man auch daran, dass es wohl Planspiele gab,
für den Fall eines Schäffler-Sieges dessen Unverbindlichkeit für
die Abgeordneten herauszustellen - wegen deren Gewissensfreiheit.
Erstaunlich, wie im Bedarfsfall sogar wieder das gute alte
Grundgesetz bemüht wird. In der Praxis dringen die Abgeordneten
ohnehin gar nicht mehr bis zu einer Gewissensentscheidung vor,
weil es schon am Wissen fehlt. Oder können Sie mehrere hundert
Seiten lange juristische Texte in einem halben Tag lesen?
Sieg der Trägheit
Das stärkste Signal sendeten allerdings die Parteimitglieder
selbst aus: Wenn nicht einmal eine Schicksalsfrage wie der ESM sie
in ausreichender Zahl motivieren kann, überhaupt abzustimmen, dann
brauchen wir uns über einen Verlust von Gestaltungsrechten an den
Brüsseler Apparat wahrlich nicht zu beschweren. Wie Thomas
Jefferson formulierte: "Der Preis der Freiheit ist stetige
Wachsamkeit". So gesehen muss sich keiner der heute Handelnden
Sorgen über den Unwillen der Bevölkerung machen, deren satte
Trägheit ist ihr größter Verbündeter und der eigentlich Feind der
Freiheit.
Klima hellt sich auf
Während uns gerne vermittelt wird, dass auf den UN-Klimagipfeln,
wie jüngst in Durban, besorgte Wissenschaftler um die Rettung der
Welt kämpfen, ist es recht eigentlich ein ziemliches Geschacher,
bei dem es weniger um Klima, als um Geld geht - im Zweifelsfall
Ihres. Da werden neue Institutionen (mit entsprechenden
Versorgungsposten), Transfermechanismen und Steuern ausgeheckt,
deren wesentliche Stoßrichtung zu Lasten des Westens geht. Man
schreckt nicht einmal davor zurück eine historische "Klimaschuld"
zu konstruieren, die es nun abzutragen gelte. Tatsächlich ist das
weniger Ausfluss von Wissenschaft, sondern von den Gruppen, die,
wie jüngst in Durban, am stärksten vor Ort vertreten sind:
Aktivisten und Lobbyisten des "ökologisch-industriellen
Komplexes". Wer sich einmal einen Eindruck darüber verschaffen
will, worüber auf dem Gipfel konkret gerungen wurde, der sollte
sich den folgenden Beitrag von Lord Christopher Monckton ansehen:
http://www.eike-klima-energie.eu/news-cache/durban-was-die-medien-verschweigen/
(hier in deutscher Übersetzung) Die Seite
www.eike-klima-energie.eu ist ohnehin eine der wenigen
deutschsprachigen Seiten, die sich mit den Themen Klima und
Energie abseits vom Mainstream regelmäßig und sehr engagiert
auseinandersetzt. Zumindest eine zweite Meinung, die man sich
nicht entgehen lassen sollte. Dass Klimakompromisse immer nur an
ganz wenigen Ländern scheitern, ist nicht weiter verwunderlich,
das sind nicht etwa "Klimaschurken", sondern es sind meist
diejenigen, die für die noble Aufgabe ausersehen sind, das
Scheckbuch zu zücken. Vermeintliche Empfänger sind dagegen sichere
Stimmen. Dass Kanada nun angekündigt hat, das Kyoto-Protokoll zu
verlassen, wird im Mainstream zwar als "falsches Signal für den
Klimaschutz" beweint, aber geschützt wird hier ohnehin nichts. Die
Kanadier haben einfach den Braten gerochen, und das ist auch nicht
sonderlich schwer, denn der stinkt mittlerweile zum Himmel.
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Subventioniert in die Pleite
Wie wenig in der höchstsubventionierten Branche der Erneuerbaren
Energien tatsächlich rund läuft, davon legen die Aktienkurse der
börsennotierten Solar- und Windaktien ohnehin ein sehr deutliches
Zeugnis ab. Da ist es nur ein weiteres Schlaglicht, dass letzte
Woche mit der Solon SE einer der renommierten deutschen
Solarmodul-Hersteller Insolvenz anmeldete. Eine Episode, die
wieder einmal auch zeigt, wie wenig sinnvoll es ist, mit der
persönlichen Geldanlage Politik machen zu wollen, oder seiner
Weltanschauung Ausdruck zu verleihen. Bis auf weiteres dürften Sie
mit einer asiatischen Kohlegrube mehr Freude haben, als mit Sonne
und heißer Luft aus Deutschland.
Zu diesem Thema findet sich ebenfalls im aktuellen Heft ein
Artikel, welchen Sie hier lesen können:
www.smartinvestor.de/klimakonferenz
Freiwillige Knechte
Während unser Geldsystem, nur durch ein Mehr an Interventionen
überhaupt am Leben gehalten werden kann, was im Gefolge den von
Hayek beschriebenen zwangsläufigen "Weg zur Knechtschaft"
bedeutet, gibt es mit Hirngespinsten wie der "Klimaschuld" nun
auch eine freiwillige Form der Knechtschaft - sozusagen zur
Sicherheit. Überhaupt sind die Parallelen zwischen Euro- und
Klima-"Rettung" augenfällig. Es werden unglaubliche Ängste
geschürt und gleichzeitig ein enormer Zeitdruck aufgebaut,
umgehend zu handeln. Das ist eine Vorgehensweise, die wir
hauptsächlich von windigen Vertretern kennen und dort - einmal
durchschaut - nicht als Aufforderung zur Unterschrift, sondern als
Ausdruck mangelnder Seriosität werten.
Sloterdijk teilt aus
Eine Lektüre, die Sie sich über die Feiertage unbedingt gönnen
sollten, ist das große Handelsblatt-Interview mit Peter
Sloterdijk, dem vermutlich bekanntesten und gescheitesten
philosophischen Kopf des Landes: Was Sloterdijk hier in langer
historischer Perspektive, sowohl aus der Vergangenheit kommend als
auch in die Zukunft weisend im Gespräch herausarbeitet, ist
allemal lesens- und bedenkenswert, selbst wenn man nicht alle
seine Ansichten teilt. Vor sogenannten Wirtschaftsweisen braucht
sich der Philosoph jedenfalls nicht zu verstecken:
http://www.wiwo.de/politik/ausland/peter-sloterdijk-die-staaten-verpfaenden-die-luft-und-banken-atmen-tief-durch/5970638.html
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Ralf Flierl, Smart Investor |
Ralf Flierl ist Chefredakteur der Anlegerpublikation "Smart Investor".
Kritisch, unvoreingenommen, unabhängig, antizyklisch, sophisticated,
non-Mainstream.... kurz: smart - das sind die Attribute des im Mai 2003
eingeführten "Smart Investor" . Weitere Informationen sowie die Möglichkeit,
das Magazin kostenlos zu testen, finden Sie unter www.smartinvestor.de.
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