Wochenausblick Euro-Dollar und Dax



17:30 02.01.12

Wochenausblick Euro-Dollar und Dax

Montag, 2. Januar 2012   Kontakt: www.actior.de  

 

 

Euro-Dollar:

Wie von uns im letzten Wochenausblick des Jahres 2011 erwartet, zeigte EURUSD zwischen Weihnachten und Sylvester noch einmal leichte Schwäche und fiel bis zur zentralen Unterstützung bei 1,2860 - und erreichte damit das bereits im Januar 2011 generierte Jahrestief. Am letzten Handelstag des Jahres folgte dann noch einmal eine Erholung, die jedoch knapp unter 1,30 scheiterte. Am heutigen Montag, an dem die US-Märkte und vor allem die "Devisenhauptstadt" London nicht handelt, zeigte sich der Euro lustlos zwischen 1,29 und 1,30.

Das Jahr 2011 war für EURUSD damit ein Nullsummenspiel, auch wenn die Gemeinschaftswährung insbesondere im ersten Drittel des abgelaufenen Jahres Stärke zeigte und bei 1,4938 sein Jahreshoch markiert hatte. Der Wendepunkt erfolgt dann Ende April/Anfang Mai: ab diesem Zeitpunkt war der Bullenmarkt beendet, ohne daß EURUSD schon in den Sinkflug übergegangen wäre. Eine wichtigere Weichenstellung erfolgte Ende Oktober: nach einem Anstieg über 1,42 ging es bis Jahresende kontinuierlich bergab, seit Mitte November praktisch ohne relevante Erholungen in einem intakten Abwärtstrend.

Dennoch sind - erstaunlicherweise - die meisten Banken optimistisch für EURUSD in 2012. Man erwartet durchschnittlich Kurse um 1,34/1,35 und billigt der Gemeinschaftswährung also leichtes Aufwärtspotential zu. Die Banken jedenfalls glauben nicht an den Niedergang des Euro, und das, obwohl die Faktenlage ja nicht ganz so zwingend für einen Euro-Höhenflug spricht.

Grundsätzlich besteht das Problem des Euro ja in der Ungleichzeitigkeit seiner Teilnehmer. Vereinfacht kann man sagen: bei Euro-Einführung litt Deutschland, weil Kapital in Länder floß, die zuvor eine tendenziell schwache Währung hatten. Die Liquidität sorgte fast zwangsläufig für Fehlallokationen von Kapital, weil das Wachstum nicht fundamental hinterlegt, sondern eben rein liquiditätsgetrieben war. Man lebte gewissermaßen über seine Verhältnisse, während Deutschland "unter seinen Verhältnissen" lebte (Importe verteuerten sich und bremsten so den Binnenkonsum).

Als die Blasen in den Südländern platzten, floß Kapital wieder zurück nach Deutschland, in den "sicheren Hafen" (Hausse bei deutschen Staatsanleihen), weil nur hier das Wachstum fundamental hinterlegt ist. Nun profitiert Deutschland überdurchschnittlich von einer eher schwachen Währung und kann seine Export-Stärke voll ausspielen (ohnde den Euro würde die D-Mark massiv aufwerten und so die Stärke der deutschen Exportindustrie wieder relativieren). Man kann also durchaus sagen, daß Deutschland zunächst die Zeche für die Euro-Einführung bezahlt hat und die Blasen der Südländer maßgeblich finanziert hat. Im Grunde wären Deutschland und die Südländer jetzt "quitt".

Nun aber, so fordert die angelsächsische Welt, müsse Deutschland (oder die EZB) den Karren aus dem Dreck ziehen, da die Teutonen ja so besonders vom Euro profitierten - was seit kurzem stimmt, aber eben erst seit kurzem. Deutschland wird sich sträuben und zieren, auch diese Zeche zu bezahlen. Die EZB aber wird sich auf ihre Statuten berufen und den Ball an die Politik zurück spielen, also die herbei gesehnte Bazooka nicht auspacken.

Irgendwann aber kommt der Punkt, an dem die Lage komplett eskaliert, wenn Deutschland die Haftung für die Südländer nicht übernimmt. Und um diesen Kollaps zu vermeiden, wird Deutschland dann gezwungen sein, diesen Schritt zu machen. Bis zu diesem Zeitpunkt wird der Euro immer schwächer werden und dann eine kurze Scheinblüte erleben - bis die Anleger dann kapieren, daß die Last für Deutschland zu groß ist. Wenn diese Erkenntnis schließlich eintritt, explodieren die Risikoaufschläge für deutsche Staatsanleihen, Deutschland selbst erlebt eine ungeheure Abwärtsdynamik. Wir erwarten diesen Prozeß für Ende 2012/Anfang 2013. Dann sollte der Euro deutlich unter 1,20 handeln, möglicherweise sogar unter der Parität. Wir sind also überaus skeptisch für den Euro in 2012!

 

 

 

Dax:

 

Bis zum August 2011 sah die Lage für den Dax noch rosig aus. Der Einbruch verlief in seiner Heftigkeit durchaus überraschend, reflektiert aber letztlich den Abstieg Gesamteuropas, das gleichsam die Achillesverse der westlichen Welt ist. Immerhin hält sich der deutsche Leitindex in einer Spanne zwischen 5000 und 6500 Punkten, ist also nicht in den totalen Crash-Modus übergegangen.

Obwohl wir auch für den Dax erhebliche Risiken sehen, gehen wir davon aus, daß der Index bessere Chancen in diesem neuen Jahr hat als der Euro. Während bei letzterem in Gestalt des Dollars durchaus eine Alternative besteht, sieht das im Aktienbereich etwas anders aus. Im Grunde können sich große Investoren auf der Jagd nach Renditen nur noch zwischen hochrentierlichen, aber eben auch hochriskanten Staatsanleihen und investments in Unternehmen entscheiden (als Aktie oder Unternehmensanleihe). In dieser Zwangslage liegt eine Chance - die der Euro eben nicht hat.

Auch wenn wir den gebetsmühlenartigen Beteuerungen der meisten Analysten mißtrauen, daß die Dax-Unternehmen so unglaublich günstig bewertet sind, so glauben wir doch, daß gerade Titel mit einer guten Dividenrendite ein überschaubares Risikoprofil aufweisen - was zum Beispiel für eine deutsche Staatsanleihe aus den oben genannten Gründen nicht behauptet werden kann.

Die große Gefahr jedoch liegt im Bankensektor: müßten die europäischen Banken bilanzieren wie die in Deutschland viel gescholtenen Hedgefunds, wären sie insolvent. Möglichweise aber kommt hier die kürzlich geleistete Hilfe der EZB zum Tragen, die gewissermaßen die Banken mit Liquidität füttert, um deren Exitus zu vermeiden. Zwar fließt viel dieses Kapitals nicht in die Wirtschaft, doch hilft die europäische Notenbank immerhin, die Probleme zu kaschieren. So könnte es also auch hier zu einer Art Scheinblüte kommen, der Dax also 2012 zu einem Höhenflug ansetzen - der dann aber eben nicht nachhaltig ist.

Auch für den Dax sehen wir dann Ende 2012/Anfang 2013 großes Ungemach kommen, weil die europäische Schuldenkrise weiter eskalieren und dann  auch in der sogenannten Realwirtschaft ankommen wird - was bislang ja nur sehr begrenzt der Fall ist. Bis ins 3.Quartal hinein sollte sich die deutsche Wirtschaft weiter passabel entwickeln, sodaß dann wieder ein Optimismus einsetzt, daß die Krise ja gar nicht so schlimm sei, alles Schwarzmalerei gewissermaßen. Das ist dann der optimale Zeitpunkt zu verkaufen und die Short-Seite zu spielen.

Fazit: der Dax bietet größere Chancen als der Euro, wird dann jedoch ebenso von der Lawine erfaßt wie der Euro!

 

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