Die europäische Schuldenkrise dominierte die Kapitalmärkte im Jahr 2011. Die Kurse richteten sich nach dem jeweiligen Nachrichtenstand über die Lage in Griechenland, Spanien und Italien, nicht mehr nach Konjunkturdaten oder Unternehmensnachrichten, so dass der Dax das Jahr mit einem Minus von fünfzehn Prozent beendete.
Gold profitierte im abgelaufenen Jahr zunächst von der Rolle als Fluchtwährung und konnte neue historische Höchstkurse erzielen. Allerdings verlor das Edelmetall allein im Dezember über zehn Prozent an Wert, da viele Investoren die Höchstkurse nutzten, um ihre Bestände abzubauen.
Anleihen von Peripherieländern verzeichneten wie schon im Vorjahr erneut Verluste. Die größten Profiteure im Jahr 2011 waren die Staatsanleihen der vermutlich sicheren Häfen mit teilweise skurrilen Entwicklungen: Dänemark konnte Anleihen an Investoren verkaufen, die eine negative Rendite aufweisen!
Die Renditen sicherer Schuldnerländer fallen mittlerweile seit dreißig Jahren. Ein Ende dieser Bewegung wird insbesondere in Europa erst möglich sein, wenn die Schuldenkrise nachhaltig gelöst ist.
Wie sehen die
Perspektiven
für 2012 aus?
Das erste Quartal dürfte weiterhin unter dem Einfluss der Schuldenkrise stehen. Zwischen Januar und März müssen europäische Staaten und Banken einen hohen Betrag an fälligen Schulden refinanzieren insbesondere für Italien dürfte das die Probe sein, ob es sich aus eigener Kraft retten kann oder ob es ebenfalls unter den Rettungsschirm schlüpfen muss. Sollte Italien es aus eigener Kraft schaffen, dürfte dies die Situation für die anderen Peripherieländer wie Spanien und Portugal deutlich entschärfen. Griechenland ist trotz des beschlossenen Schuldenschnitts nach wie vor nicht in der Lage, notwendige Reformen umzusetzen hier dürfte ebenfalls im kommenden Jahr die Entscheidung fallen, ob das Land weiterhin im EuroRaum verbleibt oder nicht.
Die Kapitalmärkte dürften daher insbesondere in den ersten drei Monaten erneut unter dem Einfluss der Nachrichtenlage rund um die europäischen Staatsschulden stehen allerdings hat sich bereits im letzten Quartal 2011 gezeigt, dass die täglichen Ausschläge an den Aktien und Anleihemärkten geringer wurden. Die Märkte haben im Verlauf des Jahres gelernt, mit diesen Nachrichten umzugehen und sie besser einzuordnen.
Die Unternehmen stehen vor sehr unterschiedlichen Situationen. Betriebe in den Peripherieländern sind von den dortigen Konjunktureinbrüchen betroffen. In den Emerging Markets und speziell in Deutschland sind die Firmen nach wie vor optimistisch, was die weitere Entwicklung angeht. Laut einer DIHKUmfrage beabsichtigt im Jahr 2012 jeder dritte deutsche Betrieb, die Kapazitäten auszubauen und Arbeitsplätze zu schaffen. Deutschland profitiert von den strukturellen Reformen der vergangenen Jahre sowie der erfolgreichen globalen Ausrichtung der Wirtschaft.
Der deutsche Aktienmarkt preist durch die Wertentwicklung 2011 bereits eine Rezession ein; dies sollte nach Einschätzung der Konjunkturdaten sowie der Aussagen der Unternehmen eine zu pessimistische Einschätzung sein. Die deutsche Wirtschaft sollte auch im Jahr 2012 weiter wachsen können, allerdings nicht mehr so dynamisch wie in den vergangenen Jahren.
Der Aktienmarkt ist durch diese Situation niedrig bewertet, wie beispielsweise ein Blick auf das Kurs/BuchwertVerhältnis des Dax zeigt:
Diese Kennzahl zeigt, dass deutsche Unternehmen selten so günstig bewertet waren wie jetzt. Gleichzeitig hat dieser Indikator die Wendepunkte an den Aktienmärkten in den Jahren 2003 sowie 2009 angezeigt, die jeweils auf dem aktuellen Indexniveau begannen. Auch jetzt könnte sich wieder zeigen, dass die Abschläge an den Märkten übertrieben waren.
Aktien sind günstig bewertet und zahlen im historischen Vergleich attraktive Dividenden, Unternehmensanleihen bieten deutlich mehr Rendite als Staatsanleihen.
Auch wenn die Märkte im ersten Quartal noch unter dem Einfluss der Schuldenkrise stehen dürften, zeigt diese Konstellation, dass das Jahr 2012 den Investoren nach einer Lösung der Krise wieder attraktive Chancen bieten wird. Weiterer Rückenwind könnte aus den USA kommen, denn dort zeigen sich aktuell erste Anzeichen einer konjunkturellen Stabilisierung sowie eine sich andeutende Erholung am Arbeitsmarkt; auch die dortige Wahl dürfte für weiteren Schwung sorgen, da Wahljahre in den USA in der Geschichte stets positive Jahre an den Börsen waren.
Unternehmensanleihen dürften von diesen Vorzeichen ebenfalls profitieren, da die Unternehmen nach wie vor von den konjunkturellen Entwicklungen der vergangenen Jahre profitieren und gerade im Vergleich zu Staatsanleihen deutlich attraktivere Renditechancen bieten.
Europäische Staatsanleihen werden insbesondere im ersten Quartal ein Spielball der jeweiligen Nachrichtenlage rund um die Lösung der Schuldenkrise sein. Wir gehen von einer nachhaltigen Lösung der Situation aus; dann dürften deutsche Staatsanleihen zu den Verlierern gehören, da die Flucht in die vermeintlich sicheren Häfen abebben dürfte und sich die Erkenntnis durchsetzen wird, dass Deutschland die Hauptlast der Rettungskosten in Europa tragen wird.
* Christian Gritzka ist Senior Portfoliomanager der Hamburger Knapp Voith Vermögensverwaltungs AG.
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Christian Gritzka, Knapp Voith Vermögensverwaltung |
Christian Gritzka ist seit 2001 Senior-Portfolio-Manager der Knapp Voith Vermögensverwaltung, Hamburg. Bei dem Multi Family-Office, das ursprünglich von der Industriellenfamilie Knapp-Voith gegründet wurde, entwickelt Gritzka globale Anlagestrategien für vermögende private und institutionelle Anleger.
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