DAX SENTIMENT INDEX
Investoren gewinnen mehr Selbstvertrauen als Geld
Eigentlich haben die Teilnehmer an den Aktienmärkten während der vergangenen fünf Handelstage gar nicht so schlechte Nachrichten zu hören bekommen. Dennoch war es allein dem gestrigen Handelstag zu verdanken, dass der DAX am Ende des Berichtszeitraums genau auf dem Niveau der Vorwoche landete. Allerdings hat sich der Optimismus, gemessen an unserem Bull/Bear-Index noch einmal geringfügig verringert und liegt etwa auf dem Mittelwert des vergangenen Jahres. Dabei hat ein geringer Teil der von der Börse Frankfurt befragten, mittelfristig orientierten Händler dem Bullenlager den Rücken gekehrt und sich für fallende Kurse präpariert.
Zu den guten Nachrichten der vergangenen Tage gehörte vor allen Dingen die sich verbessernde Situation am US-Arbeitsmarkt, wo sich eine vorsichtige Erholung abzeichnet. Aber die positive Reaktion der Akteure war diesbezüglich nur von kurzer Natur, zumal sich schnell die Erkenntnis durchsetzte, dass gut 20 Prozent der neu geschaffenen Stellen vermutlich nur wegen des Weihnachtsgeschäfts entstanden waren und demzufolge in den Januarzahlen wieder herausfallen würden. Überdies dauerte es nicht lange, bis die Kommentatoren wieder einmal auf die Risiken einer Rezession in der Eurozone für den US-Arbeitsmarkt verwiesen, ganz zu schweigen von den sich möglicherweise ungünstig entwickelnden Exportchancen für die USA aufgrund des erstarkten Dollars. Doch selbst wenn sich die Lage am US-Arbeitsmarkt nachhaltig positiv entwickeln sollte, vermindere sich dabei die Wahrscheinlichkeit für eine neue Runde quantitativer Lockerung durch die Zentralbank, war zu hören.
Dennoch waren die Nachrichten (mit Ausnahme der aus Ungarn) der fünf vergangenen Handelssitzungen überwiegend gutartiger Natur. Wenn man etwa bedenkt, dass die zwar immer noch großen Bond-Spreads in Europa während dieser Woche keine neuen Rekordstände verzeichnen mussten. Der Merkel-Sarkozy-Gipfel stellte sogar eine positive Überraschung dar, vielleicht auch, weil die Akteure zuvor keine allzu hohen Erwartungen in das Treffen gesetzt hatten. Trotzdem dürften die Investoren mit Beifall darauf reagiert haben, dass die EU-Chefs die Notwendigkeit stimulierender Maßnahmen für Wachstum und die Beschäftigung in der Eurozone angedeutet hatten - eine willkommene Abwechslung zu den bislang verordneten S parrezepten und erhobenen Zeigefingern. Aber auch seitens der Rating-Agenturen gab es Positives zu vernehmen. So wurde etwa die Meldung, Fitch werde im Jahre 2012 wahrscheinlich nichts an der Bonitätsbewertung Frankreichs, Deutschlands und Österreichs ändern, mit Erleichterung wahrgenommen.
Am Ende waren die Nachrichten dennoch nicht gut genug und die Handelsspanne (gut 3,3 Prozent) der Berichtswoche nicht attraktiv genug, um bei den mittelfristig orientierten Händlern unseres Panels weiteres Kaufinteresse hervorzurufen. Im Gegenteil: Die von uns ermittelten Verkäufe zeigen ein gewisses Zeichen von Ungeduld, zumal sich der DAX dem oberen Ende der von uns zuletzt indizierten Handelsspanne bei 6.200 Zählern angenähert hat. Auch wenn das Jahr bereits zwei Wochen alt ist, dürfte das Performance-Rennen der Händler erst jetzt richtig losgehen. Immerhin mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen, das während der positiven DAX-Entwicklung über den Jahreswechsel entstanden sein mag.
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Joachim Goldberg, WGZ Cognitrend TV |
Joachim Goldberg ist Geschäftsführender Gesellschafter des renommierten Frankfurter Analysehauses Cognitrend. Der erfahrene Banker und regelmäßige Gast bei n-tv ist eine Koryphäe auf dem Gebiet des so genannten Behavioral Finance. In Zusammenarbeit mit der WGZ BANK kommentieren Goldberg und sein Team unter www.wgzbank-zertifikate.de börsentäglich die Stimmung an den Aktienmärkten und leiten daraus Kauf- und Verkaufsempfehlungen für private Anleger ab. Abgerundet wird das informative Angebot der WGZ BANK durch den wöchentlich erscheinenden WGZ Cognitrend REPORT, der das Marktgeschehen aus dem Blickwinkel der verhaltensorientierten Forschung herausstellt.
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