DAX-Analyse: Die Schwäche steckt im Detail



15:15 16.01.12




WGZ Cognitrend Report - das Marktgeschehen aus dem Blickwinkel der verhaltensorientierten Forschung

Die Schwäche steckt im Detail

Die deutschen 2011er Daten sehen sehr gut aus: eine Neuverschuldung von nur 17,3 statt wie geplant knapp 50 Milliarden Euro, ein Wirtschaftswachstum von drei Prozent, ein Plus von 1,5 Prozent beim privaten Konsum - das ist immerhin so gut wie seit fünf Jahren nicht mehr. Dazu kommt ein Umsatzplus der Industrie von 7,9 Prozent zwischen Januar und November. Schon könnte man glauben, hierzulande sei alles in Butter. Ist es aber nicht, da sich die Industrie auch im vergangenen Jahr noch vom Krisenjahr 2009 erholen musste und sich hinter dem stolzen BIP-Jahreszuwachs eine moderate Schrumpfung in Höhe von rund 0,25 Prozent im vierten Quartal verbirgt. Das wirft kein sonderlich gutes Licht auf die Konjunktur 2012, doch selbst die größten Pessimisten rechnen für Deutschland in diesem Jahr nur mit einer minimalen Rezession.

Zwar sprach EZB-Chef Mario Draghi von den zaghaften Anzeichen einer konjunkturellen Stabilisierung auf niedrigem Niveau in der Eurozone, betonte aber die nach wie vor großen Risiken für die Währungsgemeinschaft. Nur gut, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy bei ihrem Treffen am Montag nach Monaten der selbst verordneten Sparrezepte nun wieder für mehr Wachstum einsetzen möchten. Hierzu wollen sie der EU-Kommission bald neue Vorschläge für eine Jobinitiative in Europa vorlegen. Der neue Fokus auf die Wachstumspolitik kam zumindest bei den Börsianern sehr gut an. Dennoch bleiben die Sorgen der Marktteilnehmer um die Eurozone bestehen. Besonders Griechenland, das sich noch immer nicht mit der Privatwirtschaft auf die Höhe und Beteiligungsrate bei einem Schuldenschnitt einigen konnte, bereitet den Anlegern Kopfzerbrechen. Ihre Bedenken zeigen sich zum Beispiel darin, dass immer neue Rekordbeträge über Nacht bei der Europäischen Zentralbank angelegt werden. Mittlerweile sind die Investoren sogar bereit, für deutsche Sechs-Monats-Schuldverschreibungen negative Zinsen, also eine Art "Parkgebühr", zu bezahlen. Auch wenn viele heimische Anleger bisher dem DAX angesichts der nach wie vor ungelösten Euro- Schuldenkrise noch keine allzu großen Sprünge zutrauen, konnte der DAX in der abgelaufenen Handelswoche die Oberkante seiner breiten, aber nicht ganz klar ausgeprägten Seitwärtsspanne bei 6.195/205 überwinden. Er hat nun die Chance auf Kursgewinne bis 6.340 und danach bis 6.430 Punkte. Allerdings würde der heimische Leitindex unterhalb von 6.040/50 Zählern schon wieder seinen Schwung verlieren.

Alle in diesem Dokument genannten Preisniveaus verlieren bei einem Durchstoß von zehn Punkten ihre Gültigkeit.

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Über den Autor
 
Autor: Joachim Goldberg Joachim Goldberg,
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Joachim Goldberg ist Geschäftsführender Gesellschafter des renommierten Frankfurter Analysehauses Cognitrend. Der erfahrene Banker und regelmäßige Gast bei n-tv ist eine Koryphäe auf dem Gebiet des so genannten Behavioral Finance. In Zusammenarbeit mit der WGZ BANK kommentieren Goldberg und sein Team unter www.wgzbank-zertifikate.de börsentäglich die Stimmung an den Aktienmärkten und leiten daraus Kauf- und Verkaufsempfehlungen für private Anleger ab. Abgerundet wird das informative Angebot der WGZ BANK durch den wöchentlich erscheinenden WGZ Cognitrend REPORT, der das Marktgeschehen aus dem Blickwinkel der verhaltensorientierten Forschung herausstellt.

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