Liquiditätsgetriebene relative Stärke



13:02 18.01.12

Der DAX zeigt eine beeindruckende Stärke. Er läuft viel besser als die Wall Street und schlechte Nachrichten werden nach 1 bis 2 Tagen gut verdaut, wenn der erste Schock überwunden ist. Über die Gründe kann aktuell nur spekuliert werden aber es ist zu erkennen, dass aktuell Geld in deutsche Assets (Aktien und auch Anleihen) fließt. Eine tradingtechnische Erklärung für die Stärke des DAX gegenüber der Wall Street: Im Dezember und auch Anfang des neuen Jahres war klar ersichtlich, dass in den USA weniger akute Probleme vorliegen als in Europa und entsprechend lief die US-Börse auch besser als die europäischen. Viele Trader haben dann massiv Spreads S&P 500-long gegen DAX- oder Eurosotxx50-short aufgebaut. Jetzt laufen diese Trades immer weiter in den Verlust und werden glattgestellt. Aber das ist nur eine Facette der DAX-Stärke. Wichtiger ist wohl:

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Seit dem riesigen 3-Jahres-Tender der EZB ist unheimlich viel Liquidität im Markt, die angelegt werden will. Es herrscht fast schon ein Anlagenotstand, was auch das Akzeptieren eines Minus-Zinses belegt. Das meiste Geld fließt in die Bondmärkte, was die Stärke des Euro Bunderklärt, der sich ja trotz eines steigenden DAX in der Nähe seines Hochs hält. Doch ein Teil der Liquidität findet eben auch den Weg an den Aktienmarkt und lässt die Kurse steigen. Zusätzlich sind auch Umschichtungen von Südeuropa in Richtung Deutschland dabei, weshalb der Eurostoxx50 nicht richtig  mitkommt (seit 30.12. 3,4 % Kursplus gegenüber 7,3 beim DAX). Jedenfalls kann man festhalten, dass die Aufwärtsbewegung im DAX vor allem liquiditätsgesteuert ist. Die Liquiditätsflutung ist wohl auch der Grund dafür, dass der Euro (aufgrund des Überangebots an Euro) so schwächlich bleibt, obwohl die Aktien steigen. Und deshalb steigen z.B. auch die Metalle trotz eines stabilen Dollars.

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Problem der liquiditätsgetriebenen Aufwärtsbewegung ist aber:
Wenn man nur aus einem Anlagenotstand heraus kauft, weil einem schlichtweg die Alternativen fehlen und man den „Einäugigen unter den Blinden“  als Investment wählt, agiert man ohne große Überzeugung. Folge: Tauchen Probleme (Kursrückgänge) auf, ist man dann auch schnell geneigt, die Position wieder abzustoßen. Damit steht die Aufwärtsbewegung auf wackligen Füßen, das muss man beachten. Doch mit Draghi hat die EZB inzwischen einen entschlossenen Mann an der Spitze, der nicht so zögerlich wie Trichet agiert, sondern seinen Weg geht, der da anscheinend heißt: „Den Märkte mit viel Liquidität helfen, wie es nur geht.“ Und wenn das so anhält, dann kann sich die Aufwärtsbewegung auch noch Wochen oder sogar Monate hinziehen, selbst, wenn sich fundamental nicht viel zum besseren ändert (es darf sich halt nur nicht stark verschlechtern, denn bei sehr schlechten Nachrichten werden die Positionen – wie oben beschrieben – schnell abgestoßen, was immer mindestens zu scharfen Rücksetzern wie am letzten Freitag führt, was exemplarisch war).  Sollte man hier also strategisch voll auf die Long-Seite setzen? Nein! Das ist mir wegen der tönernen Füße der Aufwärtsbewegung zu gefährlich. Wenn, dann sollte man Rücksetzer nach schlechten Nachrichten (die werden sicherlich von Zeit zu Zeit auftreten) abwarten. Wahrscheinlich  ist es auch besser, auf einzelne Aktien zu setzen anstatt auf den Index, zu unterschiedlich laufen die einzelnen Branchen. Zudem sollte man auch den Wochenschluss im DAX abwarten, bevor man große strategische Umbauten erwägt. Man darf nicht vergessen: Es ist Januar (oft trendlos) und Verfallwoche (oft verzerrtes Bild). Aber man muss hier zumindest  einkalkulieren, dass sich so langsam Trends entwickeln.


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Autor: Hans-Jürgen Haack Hans-Jürgen Haack,
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Hans-Jürgen Haack, studierter Wirtschaftswissenschaftler, verfügt über mehr als 25 Jahre Börsenerfahrung und war von 1989 bis 2010 als Derivatespezialist im Hause Bernecker angestellt, dort verantwortlich für die Publikationen "AB Tradings" und "Die Termin-Börse". Unter dem Dach von PP-Brokerage gibt er nun im täglichen Börsenbrief „HAACK-DAILY“ konkrete Empfehlungen für Hebelprodukte, Futures, Optionsscheine, CFDs sowie Stillhalteroptionen (EUREX) und deckt dabei neben den wichtigsten Indizes auch Währungen, Zinsen, Rohstoffe sowie Einzelaktien ab. Weitere Informationen zu diesem Börsenbrief und dessen Performance finden Sie unter www.haack-boersenbrief.de

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