Nachdem die Ratingagentur S&P neun Euro-Staaten abgestuft hat, darunter Frankreich und Österreich, hat sie heute auch den Euro-Rettungsfonds EFSF abgestuft. Und reagierte der DAX diesmal negativ? Nein! Auch der Euro zeigte keine nennenswerte Reaktion mehr.
Nachdem nun monatelang die Medien all die Horrorszenarien beschworen haben, die mit einer Abstufung von Frankreich zusammenhängen könnten, passierte nichts. Warum? Es ist das alte Spiel: Szenarien, auf die sich die Börse einstellen kann, sind meisten nicht gefährlich. Die meisten Crashs entstanden vollkommen überraschend oder durch überraschende Nachrichten.
Schlechte Nachrichten werden ignoriertAber es ist noch ein weiterer Punkt interessant. Immer mehr können Sie nun das erkennen, was ich bereits vor vielen Wochen beschrieben habe: Die Börsen reagieren nicht mehr auf schlechte Nachrichten und das ist gewöhnlicherweise ein gutes Zeichen. Endlich tritt ein Gewöhnungseffekt ein. Es hat dieses Mal allerdings sehr lange gedauert. Normalerweise geschieht das gerade bei politischen Börsen meist innerhalb weniger Tage. Die vergangenen Monate werden somit als ungewöhnliche Phase in die Geschichte der Börsen eingehen.
Zurück zur Normalität?Es wird nun spannend, ob in den kommenden Wochen die US-Konjunkturdaten wieder in den Vordergrund des Marktgeschehens rücken. Uns würde es die Arbeit wesentlich erleichtern, denn Wirtschaft ist im Gegensatz zur Politik prognostizierbar. Lesen Sie dazu auch, was wir in unserem Jahresausblick geschrieben haben. Diesen finden Sie in unserem E-Book-Shop unter www.boersen-ebooks.com.
DAX überwindet erste HürdeWerfen wir nach den positiven Reaktionen der Märkte einen Blick auf den
DAX:
Die erste hier vorgestellte Hürde, also die obere Begrenzung
der engeren Seitwärtsbewegung (rotes Rechteck) hat der DAX nun nachhaltig
überwunden. Wirklich interessant wird es aber an der 6.430er Marke, also an dem
Hoch vom 28.11.2011 (obere Linie des blauen Rechtecks).
Da heute der DAX mit einem Gap (Kurslücke) gestartet ist, müssen wir davon ausgehen, dass dieses zunächst noch geschlossen wird. Auch ein Test der 6.180er Marke, also des roten Rechtecks von oben, ist nicht auszuschließen.
Wird die Seitwärtsbewegung aufgelöst oder nicht?Insgesamt entwickelt sich die seit Ende Dezember anhaltende Aufwärtsbewegung innerhalb der aktuellen Seitwärtsbewegung zwar zufriedenstellend, aber es gibt aus charttechnischer Sicht nur wenige Hinweise auf einen Ausbruch. Als einziges Argument kann man anführen, dass beim Tief im November 2011 die untere Linie nicht abgearbeitet wurde.
Grundsätzlich gilt aber: Solange der DAX keine neuen Hochs generiert, bleibt das Thema Seitwärtsbewegung vorrangig.
Dissens zwischen fundamentaler und charttechnischer BetrachtungDa die US-Indizes ihre Novemberhochs bereits überwunden haben und schlechte
Nachrichten im Zusammenhang mit der EU-Schuldenkrise nicht mehr zu Kursverlusten
führen, muss auf der anderen Seite mit einem Ausbruch gerechnet
werden.
Führt man beide Aspekte zusammen, so ist die Wahrscheinlichkeit,
dass es zu einem Ausbruch kommt, ganz leicht höher.
Sollte der DAX ausbrechen, besteht die Möglichkeit, dass sich ein nachhaltiger Aufwärtstrend etabliert, dessen obere Linie sich im Bereich der 7.000 bis 7.200er Marke befindet (siehe folgender Chart).

Viele Grüße
Ihr
Jochen Steffens
(Quelle: www.stockstreet.de)
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Jochen Steffens, Stockstreet GmbH |
Jochen Steffens ist als Chefredakteur diverser Fachpublikationen im Bereich Börse und als bekannter Kolumnist tätig. Seit mehr als zwölf Jahren arbeitet er als eigenverantwortlicher Daytrader mit dem Schwerpunkt Futurehandel. Als Geschäftsführer der Stockstreet GmbH ist er für die Börsenseite stockstreet.de verantwortlich. Dort gibt er den täglich erscheinenden Börsennewsletter: "Steffens Daily" heraus. Für mehr Information: www.stockstreet.de
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