Heute lese ich im Wall Street Journal die Headline, dass die
Gespräche mit Griechenland in der Sackgasse stecken („Talks on Greek
Debt Hit an Impasse“). Man ging wohl am Wochenende ohne Lösung
auseinander. Dass es angesichts von Nachlässen von 100 Mrd. Euro bei
einer Staatsverschuldung Griechenlands von 350 Mrd. Euro und einer
quasi nicht vorhandenen Produktionsinfrastruktur nicht leicht werden
wird, war und ist eigentlich seit nunmehr zwei Jahren klar.
Schließlich steht nicht nur Griechenland mit dem Rücken an der Wand,
sondern auch die Banken, die ihnen gegenüber am Tisch sitzen. Wobei
man das Gefühl nicht los wird, dass die Lasten wieder einmal
diejenigen tragen sollen und werden, die nicht mit am Tisch sitzen.
Nach dem Motto die Troika wird‘s schon richten und wir Bürger am
Ende den Geldbeutel weit aufmachen.
Mittlerweile rechnet wohl der Großteil der Presse jedenfalls mit
einer Pleite Griechenlands. Was echt ein Segen wäre, wenn es denn
nun bald so weit wäre. Das muss man mal so deutlich aussprechen. Ein
Ende mit Schrecken ist bekanntlich einem Schrecken ohne Ende
vorzuzuziehen. Wenn ich dann noch lese, dass wir Deutschen für die
Griechen die Kohlen aus dem Feuer holen sollen, weil wir angeblich
die Eurozone und den Euro mehr brauchen als die anderen Europäer,
wir also damit zwischenstaatlich quasi erpresst werden sollen, dann
wächst in mir der Wunsch, es diesen Ländern zu zeigen, dass
Deutschland sehr wohl ohne Euro kann. Würden wir morgen aus dem Euro
aussteigen und die Deutsche Mark wieder einführen, würde uns das
internationale Kapital nur so zufliegen. Da bin ich mir ziemlich
sicher. Dennoch gibt es genug Gründe die Stellung und den Euro zu
halten. Allerdings nicht um jeden Preis!
Aber nicht nur in dieser verlogenen und durchtriebenen Angelegenheit
sind wir in einer Sackgasse gelandet. Wenn ich mir anschaue, wie
Herr Wulff das einst so hoch geachtete Amt des Bundespräsidenten mit
jedem Tag ein Stück mehr herunterwirtschaftet und ihm den Glanz
nimmt, so bin ich auch hier der Verzweiflung bedrohlich nahe. Wobei
mich Teile des Journalismus mindestens genauso anwidern wie
derjenige, der Gegenstand der teils peinlich kleinkartierten Artikel
ist. Wir müssen schon das Wichtige vom Unwichtigen trennen. Ein
Bobbycar wird man wohl noch annehmen dürfen. Was anderes ist es,
wenn man das Parlament belügt bzw. da die Wahrheit so gut als
möglich verheimlicht. Und auch die Nähe von Politik und Wirtschaft
bzw. Politiker und Wirtschaftsvertretern wäre das Problem nicht. Ich
befürworte das sogar ganz besonders. Da die Politiker nur allzu oft
schlicht keine Ahnung von Wirtschaft haben. Aber miteinander ins
Gespräch zu kommen, kann man auch anders. Diese Art von Nähe will
keiner. Und wenn ich jetzt noch den unglaublichen Satz aus dem Munde
Wulffs höre, dass es „bisher keine Vorwürfe gegen mich gibt“, dann
scheint einer von uns beiden in einer anderen Welt zu leben. Und so
wäre es endlich an der CDU, den längst fälligen Schlussstrich zu
ziehen. Sie muss sich jetzt eindeutig positionieren. Sonst gilt
mitgefangen, mitgehangen. Schließlich war es die Kanzlerin, die
diesen Kandidaten auf das Schild hob. Ist er das noch?
In der Sackgasse sind wir aber auch mit den Banken und der
Finanztransaktionssteuer, die man inzwischen sogar als Robin Hood
Steuer bezeichnet. Wenn wir mal den Balladen glauben wollen, dass
der Gesetzlose den Reichen nahm, um den ausgebeuteten Armen zu
geben, so geht die Bezeichnung dann doch ins Leere. Bei der
Finanztransaktion wird die Transaktion, d. h. der Umsatz besteuert.
Und wie das nun einmal Umsatzsteuern so haben, trifft die nicht die
Banken bzw. Unternehmen, sondern die am Ende der Kette, die
Bankkunden. Wenn selbst eine linke britische Denkfabrik zu dem
Schluss kommt, dass die Banken den „kleineren Teil der
Finanztransaktionssteuer“ zahlen werden, sollte das aufhorchen
lassen. Insofern ist der von Merkel und Sarkozy aus der Taufe
gehobene neuzeitliche Robin Hood ein doch etwas eigenartiger
Geselle. Er nimmt von den Armen (Steuerzahlern) und gibt es den
Reichen (Banken). Ob man sich an einen solchen Robin Hood wohl noch
in 700 Jahren jemand erinnern wird?
Und so sind wir auch mit unserem Sprachgebrauch in einer Sackgasse
gelandet. Die Akademie der deutschen Sprache ist da derzeit nicht zu
beneiden. Wobei das möglicherweise das Verheerendste und
Gefährlichste zugleich ist. So missbrauchen wir die Bedeutung der
Worte zunehmend und definieren diese nach Neusprech-Manier um.
Freiwillig ist nicht mehr freiwillig. Wer verzichtet schon
freiwillig auf die Rückzahlung von Schulden?
Sparen ist nicht mehr Sparen. Und die Bremse bremst nicht mehr.
Statt Verzicht zu üben, wird weiter kräftig ausgegeben, d. h. die
Ausgaben steigen im Haushalt und die Neuverschuldung ist historisch
gesehen weiter relativ hoch. Das man Schuldenbremsen in die Gesetze
bzw. Verfassungen schreibt, damit ist es noch lange nicht getan.
Papier, insbesondere europäisches Papier, ist bekanntlich geduldig.
Und vergilbt sehr schnell, wie wir bitter lernen mussten.
Die Wahrheit ist über das Verschweigen wichtiger Teile beinahe vor
der Gefahr zur Scheinlüge zu degenerieren. Sodass wir sogar um ein
weiteres Wort „Wulffen“ be“reichert“ wurden. Was kulturgeschichtlich
nicht gerade ein Highlight ist.
Atomausstieg ist auch kein Atomausstieg. Da wir bis auf Weiteres und
da meine ich nicht nur ein, zwei Jahre, sondern möglicherweise 10,
20 Jahre und mehr, weiter Atomstrom beziehen werden. Wahrscheinlich
dann weiter aus dem Ausland. Weil wir vor lauter Umweltideologie nun
auch Probleme mit den Trassen bekommen. Und nun auch nun selbst die
Mitglieder, die in der von der Bundesregierung berufenen Gruppe zur
Energiewende vor einem Scheitern der Energiewende warnen.
Am Ende frage ich mich, wie es dazu kam, dass wir uns trotz des
Vorhandenseins der vielen Navis, die uns mittlerweile doch
eigentlich recht gut führen, so oft verfahren konnten. Es scheint
fast so, als ob wir ganz oben in das Eingabefeld wiederholt bewusst

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Norbert Lohrke, Globalyze Invest AG |
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“
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