WGZ Cognitrend Report - das Marktgeschehen aus dem Blickwinkel der verhaltensorientierten Forschung
Erste Blüten im Winter
Es ist schon eine denkwürdige Woche gewesen, die die Börsianer da hinter sich gebracht haben. Denn das Gefühl, das allein die Herabstufung Frankreichs sowie acht weiterer europäischer Staaten hinterlassen haben muss, dürfte für viele alles andere als positiv gewesen sein. Doch weder dies, noch die griechischen Schuldenverhandlungen übten den befürchteten negativen Einfluss auf die Aktienkurse aus. Statt des heftigen Sturmes, den vor allen Dingen die Kommentatoren am vorvergangenen Wochenende erwartet hatten, begann eine veritable Überraschungsrallye für die deutschen Standardwerte. Fast könnte der Eindruck entstehen, die schlimmsten Nachrichten der Krise lägen nach den dramatischen Urteilen der US-amerikanischen Bonitätswächter bereits hinter uns. Doch dabei wird natürlich gerne übersehen, dass diese Urteile weithin erwartet waren - allein die Frage, wann sie den Märkten verkündet würden, war noch offen. Das Ende der Krise kann seriöserweise noch nicht ausgerufen werden, doch bei den Privatanlegern hat sich ohnedies längst ein antizyklisches Verhalten manifestiert. Dies ergab eine Studie der DWP-Bank, die belegt, dass diese Anlegergruppe im Jahr 2011 vor allen Dingen in Phasen fallender Kurse mit einem stärkeren Kauf- als Verkaufsvolumen aufgetreten ist. Dieser Mut war wohl in erster Linie preisinduziert. Wobei nicht vergessen werden darf, dass sich zuletzt auch eine gewisse Gewöhnung an negative Nachrichten eingeschlichen hat.
Von ökonomischer Seite bekommen die Börsianer derzeit Rückenwind, zumal einige Wirtschaftsdaten - nicht nur im Inland - besser als ursprünglich befürchtet ausfielen. Nicht etwa, weil sich etwas grundlegend zum Positiven gewendet hätte. Der Grund ist vielmehr der Bezugspunkt der Ökonomen, der auf den teilweise zu negativen Prognosen basierte, die dem zweiten schwachen Börsenhalbjahr 2011 geschuldet waren, der jetzt aber neu kalibriert wird. Im Gegensatz zu den privaten Anlegern müssen sich die institutionellen jedoch mancherorts den Vorwurf gefallen lassen, dem DAX zu früh den Rücken gekehrt zu haben. Deswegen dürften bei einer Korrektur auf 6.055/60 (nach neuen Wochenhochs 6.215) diese derzeitigen Schieflagen begradigt werden und so zu zusätzlicher Nachfrage führen. Der zuletzt etwas schleppende Kursverlauf an der Oberseite sollte sich indes weiter fortsetzen und jenseits von 6.480 (Shortsqueeze) an Dynamik auf 6.595/00 gewinnen.
Alle in diesem Dokument genannten Preisniveaus verlieren bei einem Durchstoß von zehn Punkten ihre Gültigkeit.
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Joachim Goldberg, WGZ Cognitrend TV |
Joachim Goldberg ist Geschäftsführender Gesellschafter des renommierten Frankfurter Analysehauses Cognitrend. Der erfahrene Banker und regelmäßige Gast bei n-tv ist eine Koryphäe auf dem Gebiet des so genannten Behavioral Finance. In Zusammenarbeit mit der WGZ BANK kommentieren Goldberg und sein Team unter www.wgzbank-zertifikate.de börsentäglich die Stimmung an den Aktienmärkten und leiten daraus Kauf- und Verkaufsempfehlungen für private Anleger ab. Abgerundet wird das informative Angebot der WGZ BANK durch den wöchentlich erscheinenden WGZ Cognitrend REPORT, der das Marktgeschehen aus dem Blickwinkel der verhaltensorientierten Forschung herausstellt.
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